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«Wir wollen keine Artikel verhindern»

Am 15. Juni bestimmt der Souverän über das neue amtliche Publikationsorgan. Der Gemeinderat will die Herausgabe neu an die Zürcher Lokalinfo AG vergeben. Im Interview gibt Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) Antworten auf die brennendsten Fragen.

Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto wünscht sich eine Gemeindezeitung «von Volketswilern für Volketswiler». (Foto: Seraina Boner)

«Wir wollen keine Artikel verhindern»

Im Januar wurde der Produktionsauftrag für die Volketswiler Gemeindezeitung neu ausgeschrieben, seit Anfang April ist bekannt, dass die Zürcher Lokalinfo AG als Siegerin aus dem Submissionsverfahren hervorgeht. Der «Volketswiler» soll nur noch alle zwei Wochen verteilt werden. Ist dies nicht ein Rückbau des Angebotes? 

Jean-Philippe Pinto: Ein 14-Tage-Rhythmus ist durchaus üblich bei lokalen Zeitschriften. Der Gemeinderat sitzt ebenfalls alle zwei Wochen zusammen und kann so seine Beschlüsse in jeder Ausgabe publizieren. Mit diesem Intervall bleibt den zuständigen Redaktionsmitgliedern genügend Zeit, gründlich zu aktuellen Themen zu recherchieren. Gleichzeitig bietet die Lokalinfo AG ein Onlineangebot an, das auf alle Kanäle abzielt und die Aktualität dadurch gegeben ist. Sie hat zudem als einzige Teilnehmerin im Submissionsverfahren die Möglichkeit einer speziell für Volketswil entwickelten App präsentiert. 

Die Medienwelt verändert sich, Print verliert an Wichtigkeit, vieles läuft nur noch online. Wollen sie sich durch diese Verlagerung mehr auf die jüngeren Generationen konzentrieren?

Mit der neuen Lösung versuchen wir allen Altersgruppen gerecht zu werden. Ich habe viele Anfragen erhalten von Personen, die sich eine bessere Bedienung für Smartphone und Tablet wünschen. Gleichzeitig werden wir auf keinen Fall auf eine gedruckte Form des amtlichen Publikationsorgans verzichten, wofür die ältere Generation dankbar ist. Gemäss neuem Gemeindegesetz wären wir nicht mehr dazu verpflichtet. Ein Mittelweg ist das Ziel. Wichtige Meldungen wie Bestattungsanzeigen oder Baugesuche werden weiterhin in der gedruckten Ausgabe erscheinen. Zusätzlich werden Bestattungsanzeigen in den Schaukästen der Gemeinde und in den Altersinstitutionen ausgehängt.

Die Diskussion um das neue Publikationsorgan läuft bereits seit längerem, unter anderem in Leserbriefen. Da wird oft das Argument aufgeworfen, dass mit dem neuen Angebot weniger Leistung für mehr Geld eingekauft wird...

Es ist wichtig, dass man den Vergleich korrekt macht. Den momentanen Vertrag haben wir schon immer als Übergangslösung bezeichnet. Die Umstellung auf das heutige Konzept war eine sehr kurzfristige Angelegenheit, darum war die Neuausschreibung bereits in den Jahreszielen des Gemeinderates für das Jahr 2017 enthalten. Zwar sind für uns die Kosten dadurch um rund 50’000 Franken auf 165’000 Franken gesunken, doch damit schrumpfte die Anzahl der Seiten massiv und somit auch der Informationsgehalt. Das Angebot der Lokalinfo AG ist mit 180’000 Franken zwar teurer als der aktuelle «Volketswiler», aber immer noch günstiger als vor der Übergangslösung mit rund 250’000 Franken. Zudem wird der künftige Volketswiler mehr Seiten enthalten und das Onlineangebot ist eigens für Volketswil konzipiert. Die Aussage, dass Informationen teurer werden, stimmt also nicht. 

Was stimmt denn am aktuellen «Volketswiler» nicht?

Dass die Redaktion zuerst nach Dübendorf und danach nach Wetzikon abgezogen wurde, spürt man in der Berichterstattung. Zudem erhalte ich viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung von Personen, die unzufrieden sind, dass ihre eingesandten Berichte und Leserbriefe nicht veröffentlicht oder gekürzt wurden. Daneben wird das Leben in der Gemeinde zu wenig abgebildet. Man merkt, dass von Aussen über Volketswil geschrieben wird.

Eine Tatsache, die bereits von Ihrem Vorgänger Bruno Walliser angekündigt und in Kauf genommen wurde: Mit der Umstellung gibt es weniger Platz für eingesandte Texte.

Darum sollte der aktuelle Volketswiler auch nur als Übergangslösung dienen. Wir können momentan keinen Einfluss auf das redaktionelle Konzept nehmen. Das amtliche Publikationsorgan sollte von Volketswilern für Volketswiler gemacht werden. Wir zahlen jetzt zwar für ein Produkt, aber können nicht mitreden. Darum ist für den neuen Volketswiler auch ein Redaktionsausschuss aus Vertreter diverser Interessensgruppen geplant, dem ein Mitspracherecht zukommt. 

Leidet hier die betont wichtige redaktionelle Freiheit nicht in gewissem Masse? Inwiefern würde dieser Ausschuss in die Berichterstattung eingreifen?

Eingreifen nicht direkt, aber es soll jährlich drei bis vier Sitzungen geben, in denen der Grundtenor der Berichterstattung im Sinne einer Blattkritik besprochen wird. Daneben wird auch über das redaktionelle Konzept und Ideen für neue Formate und Inhalte diskutiert werden können. Zudem kann das Gremium einen Stichentscheid fällen, sollte es jemals Bedarf geben. Der Redaktionsausschuss macht aber keine Zeitung. Es werden weder Artikel geändert, noch zurückgehalten. 

Dann können Sie garantieren, dass der Gemeinderat nie einen Artikel verhindern wird?

Wir wollen keine Artikel verhindern, die Pressefreiheit ist uns sehr wichtig. Es wird auch nur einen Vertreter des Gemeinderates im Ausschuss vertreten sein, der Rest setzt sich aus Mitgliedern von Vereinen, Parteien und Gewerbe zusammen. Der Gemeinderat wird einen öffentlichen Aufruf hierzu machen. Kritische Stimmen sind ebenfalls gefragt. 

Mit der Lokalinfo AG als Herausgeber fallen die Berichterstattungen im hinteren Teil des «Volketswilers» weg, die heute ebenfalls durch die Zürcher Oberland Medien AG verfasst werden. Inwiefern werden Themen aus anderen Gemeinden, die aber für Volketswil relevant sind, noch Niederschlag im Blatt finden?

Es wird ein verantwortliches Redakionsmitglied für Volketswil geben, der auch in der Gemeinde arbeitet. Das war eine der wichtigsten Bedingungen im Submissionsverfahren. Natürlich wird der neue Volketswiler auf die Gemeinde selber konzentriert sein, doch dazu gehört auch, gemeinderelevante, übergeordnete Themen aufzugreifen. Doch das Ziel kann nicht sein, ein Interview mit dem Stadtpräsidenten von Dübendorf zum Thema Flugplatz auf der Titelseite im «Volketswiler» zu haben. 

Was wären die nächsten Schritte, wenn sich die Gemeindeversammlung im Juni gegen den Antrag des Gemeinderates entscheiden sollte?

Dann läuft der aktuelle Vertrag mit der Zürcher Oberland Medien AG weiter. Danach könnte er auf Ende Dezember 2019 gekündigt werden. Jetzt liegt es am Stimmbürger, einen Entscheid zu treffen. Es gibt ein Ja oder ein Nein, Änderungsanträge etwa zum Publikationsrhythmus sind aufgrund des Submissionsrechts nicht möglich. 

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