Uster soll 2019 zur «Fair Trade Town» werden
Ende Januar entschied sich der Ustermer Gemeinderat dafür, dass die Stadt das Label «Fair Trade Town» anstreben soll. Mit 18 zu 15 Stimmen wurde die Motion von Patricio Frei (Grüne) genehmigt, in der er die dafür erforderliche engere Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gewerbe, Gastronomie und schliesslich auch den Konsumenten forderte.
Manche Kriterien bereits erfüllt
Nun hat der Stadtrat eine entsprechende Weisung ausgearbeitet. Wie er bereits vor einem Jahr geschrieben hatte, ist er der Meinung, dass die Stadt Uster bereits einiges unternimmt, um fair und nachhaltig hergestellte Produkte einzukaufen. Speziell erwähnt werden die Heime Uster und das Hallenbad. «In der Abteilung Bildung werden die Kriterien für die Auszeichnung womöglich bereits erfüllt», heisst es weiter. Die SV Group, welche die Hauptmahlzeiten für die Schulergänzenden Tagesstrukturen liefert, achte laut eigenen Aussagen bereits auf Fair-Trade-Produkte.
Was unabhängig von Patricio Freis Motion bereits feststand: Im Jahr 2018 sollen Einkaufsempfehlungen für die Stadtverwaltung Uster erarbeitet werden, die der Nachhaltigkeit verpflichtet sind und bei denen neben ökonomischen und ökologischen auch soziale Kriterien berücksichtigt werden. «Die Berücksichtigung des Fairen Handels soll darin explizit erwähnt werden», schreibt der Stadtrat.
Evaluation nach 5 Jahren
Die nächsten Schritte für das Anstreben der Auszeichnung «Fair Trade Town» seien nun die Bildung einer Arbeitsgruppe sowie die Kontaktaufnahme mit potenziell teilnehmenden Detailhändlern, Gastrobetrieben, Institutionen und Unternehmen. Die Leistungsgruppe Abfall und Umwelt soll die Bildung und die Koordination der Arbeitsgruppe übernehmen und ihr Leistungsauftrag bei den Zielen, Leistungen und Indikatoren mit dem Thema «Fair Trade Town» ergänzt werden. Ebenfalls soll die Leistungsgruppe Standortförderung als Koordinationsstelle zum Gewerbe in der Arbeitsgruppe vertreten sein. «Es ist damit zu rechnen, dass die für die Auszeichnung geforderten Kriterien im Verlauf des Jahres 2019 erfüllt werden können», heisst es im Bericht.
Der Stadtrat rechnet mit Initialkosten von 10’000 Franken, danach mit wiederkehrenden Kosten von jährlich 5000 Franken. Die Stadt soll sich vorerst für fünf Jahre am Projekt beteiligen und dann aufgrund einer Evaluation über das weitere Vorgehen entscheiden.
«Direkt loslegen»
Motionär Patricio Frei kann der Antwort des Stadtrates viel Gutes abgewinnen. «Nachdem der Stadtrat zuerst eher zurückhaltend reagiert hat, freue ich mich natürlich, dass er sich nun ebenfalls für Fair Trade Town engagieren will – gemeinsam mit lokalen Unternehmen, Institutionen und anderen Interessierten. Die Stadt soll wie ein Katalysator einen Prozess in Gang setzen. Es soll eine gemeinsame Dynamik entstehen.» Über den Fahrplan ist er etwas enttäuscht. «Wen der Gemeinderat zustimmt, könnte man mit der Umsetzung direkt loslegen, ein weiterer Aufschub macht dann keinen Sinn.»
Erst fünf Städte sind zertifiziert
Für die Auszeichnung «Fair Trade Town» muss eine Stadt fünf Kriterien erfüllen: Sie bekennt sich offiziell dazu, das Label anzustreben; eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Umsetzung der Ziele; lokale Läden bieten Fair-Trade-Produkte an; Institutionen und Unternehmen werden dazu bewegt, faire Produkte zu verwenden; durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht. In der Schweiz gibt es aktuell fünf «Fair Trade Towns»: Glarus Nord, Bern, Zweisimmen, Frutigen und Carouge. Weltweit gibt es 1850 «Fair Trade Towns» in 31 Ländern. zo
