Politik

Waffen sorgen für heisse Debatte

Die geplante Verschärfung des Schweizer Waffengesetzes sorgt für Unstimmigkeiten. Chantal Galladé, SP-Nationalrätin, fordert vom Bundesrat noch härtere Massnahmen als geplant. Stephan Schori hingegen, Präsident des Schützenverein Veltheim, würde auf Aufklärung statt Gesetzesänderungen setzen.

Waffen sorgen für heisse Debatte

Zukünftig sollen in der Schweiz alle halbautomatischen Waffen  verboten sein. Dies geht aus den Massnahmen der EU zur Bekämpfung von Terrorismus hervor. Als Schengen-Staat muss die Schweiz bis Ende Mai 2019 nachziehen. Tut sie das nicht, droht der Ausschluss aus dem Schengen/Dublin-Abkommen.

Wie SRF schreibt, sei der Bundesrat bei Ausnahmen vom Besitz halbautomatischer Waffen grosszügiger als die restlichen EU-Staaten. So können Sportschützen durch einen regelmässigen Nachweis ihrer Tätigkeit im Schiessverein eine solche Waffe trotzdem behalten, diese müsse aber sicher aufbewahrt werden. Der Schweizer Schiesssportverband hat ein Referendum angekündigt, falls es zur Annahme der Verschärfung des Waffengesetzes kommt. 

Auch in Winterthur beschäftigt das Thema. Stephan Schori, Präsident des Schützenvereins Veltheim und die Winterthurer SP-Nationalrätin Chantal Galladé nehmen Stellung. 

Fehlende Ressourcen beim Staat
Stephan Schori sieht eine Benachteiligung der Sport- und Hobbyschützen durch die drohenden Massnahmen. «Die Verschärfung des Waffengesetzes trifft die falsche Zielgruppe. Nämlich jene Bürger, die sich schon ein halbes Leben mit Waffen beschäftigen», so der 48-Jährige. Seiner Meinung nach sei es ein Ding der Unmöglichkeit, die geplanten Massnahmen praktisch umzusetzen. «Der damit verbundene Aufwand ist riesig.

In der Schweiz sind schätzungsweise etwa drei Millionen Waffen im Umlauf. Wie will der Bundesrat für jede einzelne eine sichere Aufbewahrung überprüfen? Wie und von wem soll kontrolliert werden, ob ein Schütze regelmässig im Schiessverein tätig ist? Dazu fehlen doch die Ressourcen», so der Präsident. 
 

«Waffen sind keine Spielzeuge.»

Chantal Galladé, SP-Nationalrätin

Aufklärung statt strenges Gesetz 
Stephan Schori würde statt auf eine Verschärfung des Gesetzes auf Aufklärung setzen. «Die Menschen sollen an Waffen und ihre Funktion herangeführt werden. Ein Gewehr ist erst dann gefährlich, wenn es der Mensch dahinter falsch verwendet. Bei uns im Schützenverein gibt es klare Regeln zur Waffenbedienung.»

Es sei für ihn beispielsweise fragwürdig, weshalb Menschen beim Anblick eines Schweizer Soldaten mit Gewehr bereits in Panik geraten. «Das ist eine Reaktion, die durch Angst ausgelöst wird. Und diese Angst wird stärker, wenn Waffen als Tabuthema gehandhabt werden.»

Das Wichtigste sei für ihn jetzt aber, dass die Details der Waffengesetzverschärfung offen gelegt werden. «Wir wissen immer noch nicht, wie die Massnahmen genau aussehen. Bevor man sich für oder gegen etwas entscheiden kann, müssen die Bedingungen auf dem Tisch liegen.»

Noch mehr Verschärfungen
Anderer Meinung ist die SP-Nationalrätin Chantal Galladé. Geht es nach ihr, sollte der Bundesrat sogar noch einen Schritt weitergehen. «Die Waffengesetzverschärfung ist gut, aber minimal. Ich finde es eine Zumutung, dass die Armeewaffen trotz Verschärfung des Gesetzes noch zu Hause aufbewahrt werden dürfen», so die Winterthurerin.

Dies sei eine Gefahr für die Familie, die Nachbarn und die Bevölkerung. Sie sei ausserdem der Meinung, dass Menschen, die eine Waffe kaufen wollen, zuerst von einem Psychologen überprüft werden sollten. «Im Militär ist das jetzt bereits der Fall. Pro Jahr erhalten über 1000 Soldaten kein Gewehr, weil sie nicht in der richtigen Verfassung für dessen Handhabung sind. Weshalb soll das bei Privatpersonen anders sein? Waffen sind keine Spielzeuge.» 

«Das Gesetz zielt auf die falschen.»

Stephan Schori, Präsident Schützenverein Veltheim
 

An die Vernunft appelieren
Den Ansatz, dass Schützen ihre Tätigkeit mit einer Waffe zukünftig offenlegen müssen, begrüsst Chantal Galladé. Jedoch sieht sie auch dort Verbesserungspotenzial. «An einem Tag im Jahr mit einer halbautomatischen Waffen zu schiessen reicht, damit der Schütze diese die restlichen 364 Tage zu Hause haben darf. Diese häusliche Aufbewahrung stellt meiner Meinung nach ein grosses Sicherheitsrisiko dar.»

Trotz der offenen Baustellen sei es vorerst wichtig, die geplante Verschärfung umzusetzen und das Schengen/Dublin-Abkommen nicht zu gefährden.  
Kommt es zum angekündigten Referendum des Schweizer Schiesssportverbands, appelliert  Chantal Galladé an die Vernunft der Schweizer Bürger. «Sie sollen für die Sicherheit in unserem Land stimmen. Ohne Schengen/Dublin ist diese hoch gefährdet.» 

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