Gemeinsam eingesperrt
Am Sonntagnachmittag braute sich ein Sturm im Musikcontainer Uster zusammen, auch wenn zunächst nichts darauf hindeutete. Die Theatergruppe des Vereins Prointegras Uster, der junge Migranten und Migrantinnen während ihrer Ausbildung begleitet und ihre Integration in die Schweiz fördert, feierte an diesem Abend die Premiere ihres neuen Stücks.
Die Produktion entstand im Rahmen des vom Miller’s Studio organisierten «Laien Lab». Vier Laientheatergruppen aus dem Kanton Zürich erarbeiteten ein Stück zum Thema «global vs. lokal». Das Miller’s unterstützte die Gruppen durch von Profis geleitete Workshops und förderte den Austausch unter den Teilnehmern. Während sie Tipps bekamen, wie sie selber verschiedene Inszenierungsmöglichkeiten erarbeiten können, gestalteten sie das ihre Stücke aber selbstständig.
Laien Lab am Miller’s
Das Laien Lab am Miller’s gibt den Laientheatergruppen im ganzen Kanton eine eigene Plattform. Dazu geht es jedes Jahr eine Kooperation mit vier Gruppen ein. Diese werden im Probenprozess durch verschiedene Workshop-Inputs mit professionellen Theaterschaffenden begleitet. Sie produzieren aber nach wie vor selbstständig und bleiben in ihren künstlerischen Entscheidungen autonom. So entstanden vier Theaterprojekte, die sowohl in den Gemeinden der Gruppen als auch am Laien Lab-Theatertreffen im Miller’s gezeigt werden.
Weitere Infos: www.millers-studio.ch/laien-lab/
Auf die Minute genau wurde das Publikum, das inzwischen im Musikcontainer seine Plätze eingenommen hatte, ganz ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm war im ganzen Saal zu spüren. Und ohne Verzögerung betraten auch die ersten Schauspieler die Bühne. Begleitet von Klavierklängen wurden die einzelnen Personen eingeführt, die verschiedener nicht sein könnten. Vom älteren Schweizer, der verzweifelt seinen Hund sucht, über den junge Araber, der im alten Mann seinen verstorben Vater sieht, bis zur Spanierin, die weder ihren Mann und ihren Sohn erreichen kann.
Auch die Schauspieler kamen über unterschiedlichste Wege in die Prointegras-Theatergruppe. Die Mitglieder sind zwischen 17 und 75 Jahre alt und kommen aus sieben verschiedenen Ländern. Auch wenn es auf Grund der verschiedenen Kulturen auch einmal zu Meinungsverschiedenheiten bei den Proben kam, war davon auf der Bühne nichts mehr zu spüren. Die Schauspieler harmonierten, auch bei den choreografischen Einschüben, welche die Aufführung abrundeten. Ebenfalls eine eindrückliche Veranschauung für die Diversität der Gruppe war, dass jeder Schauspieler während des Stücks ein Lied in seiner Muttersprache sang und so seine Herkunft würdigen konnte.
Zufall oder Schicksal
Obwohl die Figuren im Stück so unterschiedlich sind, trafen sie durch Zufall — oder Schicksal? — auf dem Marktplatz zusammen. Sie ahnten noch nicht, dass sie länger zusammenbleiben würden. Seit Tagen redeten alle nur noch von einem gewaltigen Sturm, der über die Stadt hereinbrechen soll. Doch nicht alle nahmen die nahende Bedrohung gleich ernst. Nachdem ein ohrenbetäubender Alarm durch den Musikcontainer gehallt war, hatte sich die ganze Gruppe in einen Zivilschutzkeller gerettet.
Menschen, die aus der ganzen Welt stammen, mussten in einem kleinen Schweizer Luftschutzkeller schauen, dass ihnen die Decke nicht auf den Kopf fällt. Gemeinsam eingesperrt liessen die ersten Konflikte nicht lange auf sich warten. Doch nicht alle waren gleich bereit, an sich zu arbeiten und als Gemeinschaft zu denken.
Nach kurzweiligen 75 Minuten ging die erfolgreiche Premiere zu Ende. Unter tosendem Applaus liessen sich die Schauspieler gebührend feiern. Die Schauspielgruppe hatte sichtlich Freude an ihrem Stück und feierte auch die durch diese Zusammenarbeit entstandenen Freundschaften. «Sturm» ist ein Stück über Integration, das auch neben der Bühne zeigt, wie erfolgreiche Integration gelebt werden kann. (Lukas Keller)
Weitere Spieldaten:
4. Mai, 20 Uhr im Miller’s Studio
18. Mai, 20 Uhr im Musikcontainer Uster
17. Juni, 14 Uhr im Kirchgemeindehaus Kreuz Uster
