Polizeihund beisst Redaktorin
Schwanzwedelnd begrüsst mich der holländische Schäferhund Rocky auf dem Zivilschutzgelände in Winterthur. Sein Führer und Besitzer Stephan Matt ruft ihn zu sich und belohnt ihn mit einem Leckerli. Rocky ist fünf Jahre alt und steht seit seiner Geburt im Dienst der Stadtpolizei Winterthur.
Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem das Ergreifen eines flüchtenden Einbrechers. Diesen hält Rocky so lange fest, bis sein Führer vor Ort ist und ihm befielt, loszulassen. Ich wage den Selbsttest und nehme die Rolle des Einbrechers an mich.
Wie es dazu kommt? Ich liebe Adrenalinkicks. Und als mich Stephan Matt vor zwei Wochen bei unserem letzten Interview fragte, ob ich nicht einmal einen Hundeeinsatz erleben möchte, kam mein «Ja» wie aus der Pistole geschossen.
So sieht es aus, wenn ein Polizeihund einen Angriff startet:
Video: Simon Grässle
«Fass!»
Schaue ich mir den Hund jetzt so an, steigt meine Nervosität. Rocky ist rund 40 Kilogramm schwer und geht mir bis zu den Knien. «Kommen Sie, ich instruiere Sie», sagt Stephan Matt. Er hilft mir in meinen dicken, viel zu grossen Schutzanzug. «Wehren Sie sich nicht, wenn Rocky zubeisst. Gehen Sie einfach mit seinen Bewegungen mit», erklärt mir der Stadtpolizist.
Ich nicke und positioniere mich auf der Wiese. Mittlerweile klopft mir das Herz bis zum Hals. Als Stephan Matt mit Rocky auf die Wiese kommt, ist dieser schon Feuer und Flamme. Der Vierbeiner erkennt den Anzug und weiss, dass er mich jetzt dann gleich angreifen darf – in diesem Moment bin ich der Feind.
«Sind Sie bereit?», fragt mich Stephan Matt. Ich atme tief durch, schaue dem Hund noch einmal in die Augen und nicke. Dann höre ich nur noch den Befehl «Fass!»
Hunde, die bellen, beissen auch
Die Wucht des ersten Angriffs von Rocky haut mich wortwörtlich um. Während ich auf dem Boden liege, schüttelt der Holländische Schäfer mein Bein und verbeisst sich darin. Ich verspüre keine Schmerzen, es fühlt sich mehr wie ein Kneifen an. «Aus» befielt Stephan Matt. Rocky lässt von mir ab und zieht sich bellend zu seinem Führer zurück.
Ich rapple mich auf und merke einen Adrenalinschub. «Los, gleich noch einmal», fordere ich Stephan Matt auf. Dieses Mal soll mich Rocky in den Arm beissen. Bei diesem Angriff erwischt der Hund etwas mehr Haut als beim ersten Mal, jedoch kann ich auf beiden Beinen stehen bleiben.
Den Hund abschütteln oder herumschwingen? Unmöglich. Je mehr ich mich zu wehren versuche, desto mehr verbeisst er sich in meinem Arm. Erst als sein Besitzer es befiehlt, lässt er mich los.
«Das wird wohl ein paar blaue Flecken geben», sagt Stephan Matt schmunzelnd. Wieder in meinen normalen Kleidern darf ich Rocky noch einmal sehen. Und der Vierbeiner leckt mich ab, als wäre ich nie ein Bösewicht gewesen.

