Politik

LGBT-Party als Kontrapunkt im Winterthurer Nachtleben

Walter Scheppach setzt sich für die LGBT-Community ein. Um deren Nachtleben zu fördern, organisiert er am kommenden Samstag, 17. März, eine Party in Winterthur für Transgender, Homo- und Bisexuelle.

LGBT-Party als Kontrapunkt im Winterthurer Nachtleben

Das Party- und Ausgehangebot in Winterthur ist vielfältig – für Walter Scheppach aber nicht vielfältig genug. «Es fehlt an Partys für die LGBT-Community», so der 55-Jährige. LGBT ist die englische Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.

Walter Scheppach ist selber homosexuell und Mitglied im Verein «wilsch – Winterthurer Lesben und Schwule». Nun organisiert er in Zusammenarbeit mit dem Label QueerCollective am Samstag, 17. März, die erste LGBT-Party des Jahres im Neuwiesenhof in Winterthur. «Das Publikum für solche Events ist auf jeden Fall vorhanden», ist sich der Bülacher sicher.

Eine Plattform für jeden
Walter Scheppach möchte Homo- und Bisexuellen wie auch Transgendern einen Ort bieten, an dem sie sich selbst sein können. Im sonstigen Partyleben gestalte sich dies nämlich schwierig. «Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man  als homosexuelle Person im ‹normalen› Partyleben aneckt.» Die Gäste würden tuscheln oder sich offensichtlich über eine homosexuelle Person lustig machen.

«Das Klima an Hetero-Partys ist oft angespannt. Ich habe es schon erlebt, das eine junge Männergruppe mir aufgrund meiner sexuellen Orientierung aggressiv gegenübertrat.» Solche Ereignisse würden dazu führen, dass sich Personen aus der LGBT-Community aus dem Nachtleben zurückziehen. «Ich möchte mit der LGBT-Party einen Kontrapunkt in Winterthur setzen», so Walter Scheppach.

Ziel sei es, Personen jeden Alters anzulocken und ihnen eine Kennenlernplattform zu bieten. «Egal, ob man sich schon lange in dieser Szene bewegt oder die ersten Erfahrungen sammelt: bei uns wird jeder ohne Vorurteile aufgenommen.»

Ein spätes Coming-Out
Abgesehen von negativen Erfahrungen im Nachtleben fühlt sich Walter Scheppach als Homosexueller in der Schweiz wohl. Das sei nicht immer so gewesen. Der Bülacher merkte im Alter von 19 Jahren, dass bei ihm «etwas anders ist als bei anderen». Er sei sich bewusst geworden, dass er an Frauen nie grossen Gefallen finden würde.

«Als ich begann, mich mit dieser Tatsache zurecht zu finden, wurde Aids zum Gesprächsthema in allen Medien.» Von der «Schwulen-Seuche» sei damals die Rede gewesen. «Aufgrund dieses schlechten Rufs entschied ich, mich nicht mehr mit meiner sexuellen Orientierung auseinanderzusetzen. Mein richtiges Coming-Out hatte ich erst vor circa sechs Jahren», erzählt Walter Scheppach. 

Seither geht er offen damit um und versucht auch anderen Mut zu machen. «Jene Leute, die über mich tuscheln, haben sich noch nie gross mit der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinandergesetzt.» Das würde ihn aber nicht weiter stören – für ihn zähle nämlich nur sein eigenes Wohlbefinden. Er rate deshalb jenen, die eine homosexuelle Neigung in sich spüren, diese zu erforschen und mehr darüber rauszufinden.

«Ob man das an Partys oder im Internet macht, spielt keine Rolle.» Wichtig sei, dass man sich selber nicht belügt. «Früher oder später gewinnen die Gefühle die Oberhand.» 

«QueerSphere», LGBT-Party am Samstag, 17. März, 22 Uhr. Neuwiesenhof, Wartstrasse 15 in Winterthur. www.queercollective.lgbt

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