Die «Slamily» trifft sich in Winterthur
«Es war ernst, es war lustig und alles zwischen drin – und am Ende bleibt ein richtig gutes Gefühl», so beschreibt Etrit Hasler einen gelungenen Slam. Der St. Galler gilt als Pionier der Schweizer Poetry-Slam-Szene. Schon seit 18 Jahren steht er auf der Bühne. Bei den Schweizermeisterschaften im Poetry Slam, die in diesem Jahr im Casinotheater Winterthur stattfinden, tritt er als Co-Organisator und Moderator auf.
Beim Poetry Slam handelt es sich um einen Dichterwettbewerb. Regeln gibt es nur sehr wenige: Die Slammer müssen die Texte selbst verfasst haben und dürfen beim Vortragen ein vorgegebenes Zeitlimit nicht überschreiten. Ansonsten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Unkonventionelles und Neues ist sogar äusserst erwünscht. Einzige Bedingung: Keine Requisiten, Instrumente und Verkleidungen – und die Kleider müssen an bleiben. So steht es im Regelwerk.
Eine Parodie auf den Literaturwettbewerb
Bereits zum neunten Mal treffen sich die Schweizer Slampoeten zu nationalen Meisterschaften. Die besten Bühnendichter des Landes treten dabei in den Kategorien U20, Team und Einzel gegeneinander an. Obwohl es sich um eine Meisterschaft handelt, relativiert Etrit Hasler den Wettkampfgedanken. Gewinnen sei Nebensache, hat er vor einigen Jahren einmal geschrieben. Es handle sich vielmehr um eine Parodie auf den klassischen Literaturwettbewerb. Anstelle einer Fachjury beurteilt beim Poetry Slam das Publikum mit Applaus oder eine Punktejury aus Laien die Texte. Denn eigentlich sei es gar nicht möglich, solch unterschiedliche Werke zu vergleichen, meint Hasler. Vieles sei Geschmacksache. Ein fachunkundiges Publikum könne deshalb mindestens so gut urteilen wie Experten.
Preise wie sie klassische Literaturwettbewerbe kennen, gibt es folglich nicht beim Poetry Slam. Oft erhalten die Sieger eher symbolisch eine Flasche mit mehr oder minder hochprozentigem Inhalt, die sie sogleich mit ihren Mitstreitern teilen. Ein schöner Nebeneffekt: So nimmt auch die Aftershowparty gleich an Fahrt auf.
Das gemeinsame Feiern sei auch wichtiger als der Konkurrenzkampf, streicht Hasler heraus. Man kennt und mag sich in der Szene. Viele Slampoeten treffen sich über das Jahr regelmässig und stehen gemeinsam auf der Bühne. Oft wird von einer grossen Familie gesprochen – der «Slamily». Dies sei zwar häufig als Witz gemeint, der Begriff habe aber doch einen wahren Kern, meint Etrit Hasler.
Das Publikum entscheidet
Schon zum zweiten Mal nach 2012 ist in diesem Jahr das Casinotheater Gastgeber der Schweizermeisterschaften. Das Interesse an der Veranstaltung ist gross. Sowohl das U20- als auch das Einzelfinale sind bereits ausverkauft. Über 40 Slampoeten starten in den Einzelvorrunden. Acht von ihnen qualifizieren sich für das Einzelfinale, welches im KO-Modus ausgetragen wird. Unter den Teilnehmern finden sich viele Grössen der Schweizer Poetry-Slam-Szene. Auch der letztjährige Sieger Dominik Muheim ist wieder dabei.
Zusammen mit Co-Moderator Patrick Armbruster wird Etrit Hasler durch das Finale führen. Im Gegensatz zur Vorrunde, in der die Texte von einer Punktejury beurteilt werden, entscheidet im Finale der Applaus des Publikums. Für die Moderatoren ist es eine Herausforderung. Doch Hasler ist überzeugt, dass sie mit ihrer Erfahrung und gutem Gehör einen fairen Sieger küren werden.
Die Poetry Slam Schweizermeisterschaften finden vom 22. bis 24. März in Winterthur statt. Tickets sind beim Casinotheater erhätlich.