Flinke Pelzträger im Fokus der Forschung
Es ist die erste Studie dieser Art in der Schweiz: Das Projekt Wilde Nachbarn sammelt in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen Daten, um die Fellfarbe von Eichhörnchen zu untersuchen. «Seit einigen Jahren sind wir daran, Beobachtungen von Wildtieren zentral zusammen zu tragen», sagt Anouk Taucher vom Projekt Wilde Nachbarn. Mit den Daten werden Verbreitungskarten erstellt für den neuen Säugetieratlas der Schweizer Gesellschaft für Wildtierbiologie. «Der letzte Atlas wurde 1995 erarbeitet, weist aber viele lückenhafte Karten auf», sagt Taucher. Damals sei der Bestand unter anderen aus den Daten von Jagdstatistiken errechnet worden. «Heute haben wir dank des Internets und somit der Mithilfe der Bevölkerung viel die grösseren Chancen, ein vollständiges Bild aller einfach bestimmbaren Arten zu zeichnen.»
Erste Hypthese
Ein Teilprojekt davon ist die Studie über die Fellfarbe der Eichhörnchen, der 1995 noch gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Seit letztem Oktober wird auf der Meldeplattform gezielt danach gefragt, welche Farbe die gesichteten Tiere haben. «Wir wissen fast nichts über die Farbverbreitung der Eichhörnchen. Bisher gibt es nur Theorien, wieso innerhalb der Tierart die unterschiedlichsten Farbtypen von fuchsrot bis braunschwarz existieren», sagt Anouk Taucher. Es werde vermutet, dass die Farbe mit der Höhenlage zusammenhängt, in der das Tier zu Hause ist: Je höher der Lebensraum, desto dunkler das Fellkleid.
Dieses Konzept sei etwa auch bei Reptilien zu beobachten. «Dunkles Fell oder dunkle Schuppen wärmen sich an der Sonne schneller auf», erklärt Taucher. Die Alternativtheorie lautet, dass die Farbe schlicht Zufall ist. «Vielleicht gibt es sogar Würfe, bei denen die Jungtiere verschiedene Farben haben», sagt die Zoologin. Komplett graue Eichhörnchen gibt es indes sehr selten. Das Grauhörnchen, das aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde, ist eine eigene Spezies, die den typisch weissen Bauch des Eichhörnchens nicht haben.
Grauhörnchen nur langsam auf dem Vormarsch
Die grösste Gefahr für das Eichhörnchen lauert in der eigenen Familie: das Grauhörnchen. Etwa in Grossbritannien gibt es bereits fast keine Europäischen Eichhörnchen mehr, sondern nur noch ihren grauen Verwandten, die ursprünglich vom Menschen von Nordamerika nach England gebracht wurden.
Diese sind für die einheimischen Tiere einerseits Nahrungskonkurrenten und setzen sich durch ihre grössere und kräftigere Statur auch gegen sie durch. Andererseits sind die Grauhörnchen Träger des Parapoxvirus. Gegen diesen sind sie selber immun, für einheimische Hörnchen ist es jedoch tödlich. Darum wurde das Grauhörnchen 2016 sogar in die «Liste der unerwünschten Spezies» für die Europäische Union aufgenommen.
Foto: Sandra Gloor/Stadtwildtiere
In der Schweiz gibt es derzeit noch keine Grauhörnchen. «In Italien ist es bereits bis weit in den Norden vorgedrungen», sagt Anouk Taucher. «Diese Tiere gehen auf Aussetzungen zurück.» Eigentlich habe man schon seit längerer Zeit damit gerechnet, dass bereits erste Tiere ihren Weg in die Schweiz gefunden haben. «Doch nun hat der Einmarsch rund 50 Kilometer vor der Schweizer Grenze gestoppt und die dortige Population stabil geblieben.» Dass das Grauhörnchen doch irgendwann einmal in die Schweiz kommt, sei aber klar. «Darum ist es wichtig, das Gebiet gut zu überwachen.»
Auf der Übersichtskarte der Meldeplattform werden die Sichtungen mit einem braunen Punkt für braune Tiere und einem roten Punkt für rote Tiere gekennzeichnet. Da das Projekt «Eichhörnchen, welche Farbe hat dein Pelz?» erst im Oktober anlief, sind die meisten Punkte aber schwarz, diese Beobachtungen wurden somit bereits zu einem früheren Zeitpunkt ohne Bild eingetragen, sodass die Farbbestimmung im Nachhinein nicht möglich war. Im Kanton Zürich wurden vor allem in den grossen Städten Zürich und Winterthur fleissig Beobachtungen eingetippt.
Foto: Cornelia Hürzeler/Stadtwildtiere
Im Bezirk Uster und allgemein im Oberland ist die Karte in grossen Bereichen komplett leer. Doch bereits zeigt sich: Wo sich farbige Punkte befinden, sind diese zum Teil braun und zum Teil rot. «Wir gehen davon aus, dass beide Farbtypen auch nebeneinander existieren – zumindest in unseren Höhenlagen», sagt Anouk Taucher. Momentan befinde man sich noch in der Phase der Datensammlung, Ergebnisse liegen noch keine vor. «Wir sind weiterhin auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen», sagt Taucher. Andere Instrumente als diese Meldungen, haben die Forscher momentan nicht. Bei der Bestimmung von schwer bestimmbaren Arten – zum Beispiel bei Kleinsäugern oder Fledermäusen – werde dies zwar bereits eingesetzt. Aber: «Die Untersuchung von Farbmorphemen von Eichhörnchen in DNA-Proben wäre zwar aufschlussreich, ist aber sehr aufwendig und momentan zu teuer.» Finanziert werde der Säugetieratlas von diversen Stiftungen und Spenden.
Aus den gesammelten Beobachtungen aller Säugetiere würden sich dann weitere Projekte entwickeln. Bereits am laufen ist die Untersuchung von Fledermäusen. Denn alleine in den letzten 15 Jahren wurden in der Schweiz drei neue Fledermausarten nachgewiesen.
Nicht füttern
Momentan würden aber speziell viele Sichtungen von Eichhörnchen gemeldet. «Sie bedienen sich gerade vermehrt an Futterstellen für Vögel», sagt Anouk Taucher. Dies als ein Zeichen von Unterernährung zu verstehen, sei jedoch falsch. Gezielten Fütterungen seien nicht nötig. «Die momentane Kälte macht den Tieren kaum etwas aus, sie sind bestens angepasst – früher gab es schliesslich noch viel kältere Winter in der Schweiz.»
Weitere Informationen zum Projekt sind auf der Meldeplattform www.säugetieratlas.wildenachbarn.ch zu finden.
