Eine Schnitzelbank zum «Tanne»-Dilemma
Es waren unerfreuliche Neuigkeiten, die der Baumer Gemeinderat kurz vor Weihnachten verkünden musste. Nach fünf Jahren im Gasthaus zur Tanne hat der aktuelle Wirt per Ende Juli gekündigt. Nun muss die Gemeinde, der das Restaurant gehört, einen Nachfolger suchen. Die jüngere Geschichte des Restaurants ist geprägt von langen Leerständen und häufig wechselnden Wirten. Keiner hatte es geschafft, die «Tanne» langfristig rentabel zu betreiben. Als Besitzerin muss die Gemeinde das Defizit decken.
Diese Situation ärgert manche Baumer. Einer der Kritiker ist Alex Sommer. In einer Schnitzelbank, die er in der «Baumerziitig» abdrucken liess, geht er mit den Wirten und der Gemeinde hart ins Gericht. «Sit 30 Jahr haut eus ide Tanne jede Beizer gäch i’d Pfanne. Und jede Baumer gaht go schaffe, fürs Defizit vo denä Affe.» Und weiter: «Isch zwar satirisch die Schnitzelbank, doch was passiert isch eifach chrank. Mer frögt sich langsam wer befielt, s’Lokal verschänkt, eus Stüre stielt.»
«Jede Baumer gaht go schaffe, fürs Defizit vo denä Affe.»
Vers aus der Schnitzelbank von Alex Sommer
Kritik in humoristischer Form
Mit seinen Versen hat Sommer bei vielen Baumern einen Nerv getroffen. «Ich habe ausschliesslich positive Rückmeldungen bekommen», sagt der Unternehmer, der in Bauma ein Geschäft für Strassen- und Gartenbau besitzt. Das Thema beschäftige ihn schon lange. «Bisher habe ich mich aber zurückgehalten.» Als Unternehmer wolle er es sich mit der Gemeinde nicht verscherzen. «Mit Humor kommt man oft weiter. Statt einem Leserbrief habe ich darum eine Schnitzelbank geschrieben. So kann ich meine Kritik hoffentlich anbringen, ohne Leute vor den Kopf zu stossen.»
Der Baumer Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) zeigt sich aber wenig erfreut. «Ich finde den Tonfall von Sommers Schnitzelbank unangebracht. Fasnacht hin oder her.» Die Kritik, vor allem auch gegenüber seinen Vorgängern im Gemeinderat, sei harsch. «Sie haben sicher nicht alles falsch gemacht», sagt Sudler. Auch für die Suche nach einem neuen Wirt seien diese Äusserungen sehr kontraproduktiv.
Schwierig zu betreiben
Angefangen hätten die Probleme mit der «Tanne» in den 1990er-Jahren, sagt Alex Sommer. Damals liess die Gemeinde die alte Wirtschaft umbauen und sanieren. Neben dem Restaurant wurden sieben Hotelzimmer und diverse Säle und Sitzungszimmer eingebaut. «Das war ein Fehler. Mit diesem Konzept ist es schwierig die Tanne profitabel zu betreiben», ist Sommer überzeugt. Das sei wohl der Grund, warum die Gemeinde solche Mühe habe, einen guten Beizer zu finden.
Sudler ist anderer Meinung. «Ich bin überzeugt, dass ein Wirt die Tanne profitabel führen kann.» Für die Gemeinde werde das Haus aber wohl nie viel Gewinn abwerfen. «Unser primäres Ziel ist es, dieses schöne Restaurant im Dorfzentrum zu erhalten und ein weiteres Beizensterben in der Gemeinde zu verhindern.»
«Tanne» als Gemeindehaus?
Sommer findet hingegen nicht, dass die «Tanne» unbedingt ein Restaurant bleiben müsse. In seiner Schnitzelbank schreibt er dazu: «Wie chan mer dennä Lüt no troue, wänn gsesch wies jetzt wänd s’Gmeindshuus boue. Und zmitzt im Dorf staht d’Hütte läär, wo so perfekt fürs Gmeindshus wär.» Doch dafür ist es nun sowieso zu spät. Die Sanierung des bestehenden Gemeindehauses ist beschlossene Sache. Anfang nächster Woche zieht die Verwaltung ins Provisorium beim Werkhof, damit die Bauarbeiten beginnen können. «Ich muss mich selber an der Nase nehmen, dass ich nicht früher etwas gesagt habe», sagt Sommer. Soviel er wisse, habe man die «ewig defizitäre Tanne» nie als Standort für das Gemeindehaus in Betracht gezogen.
«Und zmitzt im Dorf staht d’Hütte läär, wo so perfekt fürs Gmeindshus wär.»
Vers aus der Schnitzelbank von Alex Sommer
«Das stimmt nicht», entgegnet Sudler. «Die Tanne wurde zusammen mit anderen Optionen als Standort für das Gemeindehaus geprüft.» Man entschied sich aber dagegen, da die Umbaukosten ähnlich hoch ausgefallen wären, wie beim Umbau des jetzigen Gemeindehauses. «Und auch sonst gab es keine Vorteile. Denn zudem hätten wir nebenbei ein leeres und dringend renovationsbedürftiges, denkmalgeschütztes altes Gemeindehaus gehabt», sagt Sudler.
Somit wird die «Tanne» wohl auf absehbare Zeit ein Gasthaus bleiben. Doch eines ist für Alex Sommer in seiner Schnitzelbank klar: «Nur wänn de Bürger öpis seit, chas sie dass eine s’Rueder dreit.»

