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Mit Langustinos und Gangstern am Tisch

Im Restaurant Hola in Dübendorf werden spanische und portugiesische Spezialitäten angeboten. Vier Redaktoren haben sich durch die Speisekarte gegessen – einige etwas mutiger als andere.

Das Wirtepaar Inés Navia und André Da Costa führen das spanisch-portugiesische Restaurant und Take Away Hola in Dübendorf. (Foto: Nathalie Guinand), Tapas zur Vorspeise: Aceitunas und Patatas Bravas. (Foto: Lea Chiapolini), Tapas zur Vorspeise: Tortilla. (Foto: Lea Chiapolini), Tapas zur Vorspeise: Jamón Serrano. (Foto: Lea Chiapolini), Die Paella ist sowohl für die Augen als auch für die Geschmacksknospen eine Wohltat. (Foto: Nathalie Guinand), Crema Catalana zum Dessert. (Foto: Lea Chiapolini)

Mit Langustinos und Gangstern am Tisch

Ferien. Das wärs jetzt. Sich in einem warmen Land von der Sonne verwöhnen lassen, sich in der Wärme am Strand räkeln... An der Zürichstrasse in Dübendorf gibts die Low-Budget-Version für über den Mittag. Neben dem Lucky-Sun-Solarium befindet sich das spanisch-portugiesische Restaurant Hola. Auf den Solarium-Besuch verzichten wir, aber im Restaurant wollen wir uns zumindest kulinarisch in den Ferien fühlen. Wir haben per Telefon reserviert – dass am anderen Ende nur gebrochen Deutsch gesprochen wurde, deuten wir als gutes Zeichen: Wenn das Personal iberisches Blut hat, lohnt sich ein Besuch bestimmt. 

Als wir das Restaurant betreten, sind wir die einzigen Gäste. Der kleine Raum ist ohne viel Chichi eingerichtet: Einige Bilder zeigen mediterrane Motive, auf den Tischen stehen einzelne Kerzen, im Flatscreen an der Wand läuft ein portugiesischer Sender, dem aber sofort der Ton gekappt wird, als wir uns auf unsere Plätze setzen. 

Quer durch die Speisekarte

Die sympathische Bedienung – und wir – geben uns Mühe, uns mit diversen Sprachen zu verständigen. Die Speisekarte ist zum Glück auf Deutsch. Zwar wird darauf ein Tagesmenü für 17.50 Franken aufgeführt, doch das überlesen wir gekonnt. Denn als nächstes auf der Liste steht Paella. Während sich die beiden Männer wegen «schlechten Erfahrungen mit Meeresfrüchten» extrem zieren, kennen meine Kollegin und ich keine Berührungsängste. Paella mit Crevetten, Muscheln und extra Poulet – jawoll! 

Wenn man auf der Speisekarte weiter liest, tauchen die üblichen Verdächtigen Pizza sowie Cordon Bleu mit Pommes auf. Völlig überflüssig unserer Meinung nach. Dafür sind wir nicht hier. 

 

«Wehe jemand ist morgen krank», brummt der ranghöchste Kollege in der Runde, läuft dann aber zur Hochform auf, als er stellvertretend für uns alle die Tapas bestellt: Aceitunas (Oliven, 5 Franken), Albóndigas (Fleischbällchen, 8.50 Franken), Chorizo al vino (Paprikawurst an Weinsauce, 8.50 Franken), Patatas bravas (scharfe Kartoffelschnitze, 8.50 Franken), Jamón Serrano (Serranoschinken, 18 Franken) und Tortilla (8.50 Franken). Zusammen mit der Paella für zwei Personen (je 30 Franken) sollte niemand hungrig vom Tisch. Wir werden darauf hingewiesen, dass die Zubereitung der Paella 30 Minuten dauert. Kein Problem, wir haben ja genügend Tapas, um uns die Wartezeit zu versüssen. 

Lange Wartezeit

Dachten wir zumindest. Denn auch auf die Tapas warten wir 30 Minuten. Während wir an unseren Getränken nuckeln – hausgemachte Limonade, die wie ein Virgin Caipirinha schmeckt – kommen die beiden Kollegen ins Schwadronieren. Sie rezitieren Gesprächsfetzen aus spanischsprachigen Narcos-Serien und lassen uns damit immer tiefer in die Vorstellung versinken, tatsächlich mit einigen Landsleuten  – wenn auch zwielichtigen Drogenbossen – am Tisch zu sitzen. Dass diese Serien in Südamerika spielen, ignorieren wir gekonnt. 

 

Als die Tapas dann bei uns ankommen, ist aber schnell Ruhe. Die Chorizos kochen noch in der Weissweinsauce und verströmen einen himmlischen Duft. Wir greifen beherzt zu. Die Wurst ist wunderbar würzig, der Serranoschinken zergeht auf der Zunge und die Kartoffeln bringen durch die Paprikaschärfe einen gewissen Pfiff in den Mix. 

Ich muss mich mit der Paella im Hinterkopf zusammenreissen, nicht zu viel zu essen, was mir aber schwer fällt. Kaum sind die Tapas verputzt, wird uns die Paella an den Tisch gebracht. Mir stockt der Atem, denn diese ist einerseits wunderschön angerichtet: Um den Rand verteilt in Reih und Glied die Miesmuscheln, in der Mitte ganze Gambas und Langostinos. Andererseits ist sofort klar, dass diese Portion, die für zwei Personen gedacht ist, locker für vier reicht. Doch die Männer in der Runde stellen sich weiter quer. Ihr Pech.

 

Meine Kollegin und ich stürzen uns auf das Gericht. Nachdem wir uns versichert haben, dass wir die Reste mitnehmen können, lassen wir noch genügend Platz für dasDessert in unseren bereits gut gefüllten Bäuchen. Wir bestellen zweimal Crema Catalana, einmal Cheesecake und einmal Schoggimousse (alle je 7 Franken), die wir mit einem Kaffee geniessen. 

Preiswerte Schlemmerei

Mittlerweile sitzen wir rund eineinhalb Stunden im Restaurant. Während dieser ganzen Zeit hat sich kein weiterer Gast ins «Hola» verirrt. Ist es einfach zu unbekannt? Läuft am Abend mehr? Hat niemand die Zeit für einen ausgedehnten Mittag? Ein Besuch lohnt sich allemal, denn unsere ganze Schlemmerei hat insgesamt gerade einmal 180 Franken gekostet. Und dabei sprangen mit der Take-Away-Paella noch zwei weitere Menüs heraus – übrigens ganz ohne Nebenwirkungen. 

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