Politik

Ein Strassenbau führte zum Kleinkrieg

Peter Niederhäuser hat die Geschichte der Rychenbergstrasse in Winterthur in einem Buch aufgearbeitet. Deren Bau sorgte damals für Widerstand bei den Rebbergbesitzern.

Ein Strassenbau führte zum Kleinkrieg

Die Stadt Winterthur gegen die reichen Rebbergbesitzer vom Goldenberg. Etwa so sah die Situation im Jahr 1863 aus. Das hat Peter Niederhäuser bei den Recherchearbeiten für sein neues Buch «Die Geschichte der Rychenbergstrasse» herausgefunden.

Der Winterthurer Historiker erzählt: «Als die Bauplaner der Stadt Winterthur damals die Rychenbergsstrasse in Angriff nahmen, wehrten sich viele Rebbergbesitzer. Die Strasse sollte nämlich direkt durch ihre Rebberge- und Häuschen gebaut werden.» Dieser Widerstand habe zu einem erbitterten Kleinkrieg zwischen den beiden Parteien geführt.

«Zum Teil kapitulierte die Stadt, die Strasse wurde  schliesslich um die Trotten oder Häuschen herumgebaut», so der 53-Jährige. Wie zum Beispiel bei der Bühler-Trotte, die heute als Wohnhaus dient. Sie steht auf der Höhe der Kantonsschule Im Lee, direkt an der Rychenbergstrasse. 

Schon 1926 störte der Verkehr
Diese Ablehnung der Bevölkerung sei unter anderem daran Schuld gewesen, dass sich die Bauphase der Rychenbergstrasse dermassen in die Länge zog. «Es dauerte 80 Jahre, bis die Strasse vom Lindspitz bis nach Oberwinterthur ging. Keine andere Winterthurer Strasse hat eine so lange Bauphase hinter sich.»

Eine logische, aber für einige Bewohner ärgerliche Folge dieses Strassenbaus sei der aufkommende Verkehr gewesen. «Bereits 1926 beklagten sich Anwohner über den zunehmenden Lastwagenverkehr im Zusammenhang mit dem Bau der Kantonsschule Lee.» Bis heute sei die Strasse ein beliebter Weg, um schnellstmöglich von Veltheim nach Oberwinterthur zu gelangen, ohne sich mit dem Stossverkehr auf der Hauptverkehrsachse rumzuschlagen.
 

«Die Geschichte der Rychenbergstrasse» von Peter Niederhäuser erschien am 15. Januar. Das Buch ist in der Buchhandlung Obergass, Obergasse 2A, in Winterthur erhältlich. 

Baukultur findet man vor der Tür
Ein weitere interessante Entwicklung war auch die Namensgebung der Rychenbergstrasse. Durch die lange Bauphase von 80 Jahren trug die Strasse nicht weniger als fünf Namen, bis sie schliesslich 1922 zur Rychenbergstrasse wurde.

«1873 war sie in drei Abschnitte unterteilt. Die Tachlisbrunnenstrasse führte vom Lindspitz zum Haldengut, die Rychenbergstrasse bis zur Pflanzschulstrasse und die Leestrasse erschloss dann das Gebiet bis zur Stadtgrenze. Eine Besonderheit im hiesigen Strassenwesen.»
 
Solche Fakten würden zeigen, dass sich auch hinter einer heute gewöhnlichen Strasse ein interessantes Stück Winterthurer Geschichte verstecken kann. «Baukultur kann man oft auch vor der eigenen Haustür finden. Man muss nur genau hinschauen», so Peter Niederhäuser. 

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