Das Angebot von fairen Produkten in Uster ist gross, darin sind sich das Ustermer Parlament und der Stadtrat eigentlich einig. Doch nicht alle ziehen daraus die gleichen Schlüsse. In einer Motion forderte Patricio Frei (Grüne) den Stadtrat dazu auf, die Auszeichnung «Fair Trade Town» anzustreben und die dafür nötigen Massnahmen so rasch wie möglich umzusetzen. «In vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben werden heute schon Fair-Trade-Produkte angeboten», schreibt Frei in seiner Motion.
Auch die Stadt werde sich zunehmend ihrer Verantwortung bei der Beschaffung bewusst. Es gebe aber immer Luft nach oben. Die Stadt könne ohne Hilfe aber nicht zur Fair Trade Town werden. «Es braucht die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gewerbe, Gastronomie und schliesslich auch den Konsumenten.» Bereits hätten auch der Claro-Laden und die beiden Ustermer Kirchen ihr Interesse in einem Brief an die Gemeinderäte kundgetan.
Ohne Auszeichnung fair
Für die Auszeichnung «Fair Trade Town» muss eine Stadt fünf Kriterien erfüllen: Sie bekennt sich offiziell dazu, das Label anzustreben; eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Umsetzung der Ziele; lokale Läden bieten Fair-Trade-Produkte an; Institutionen und Unternehmen werden dazu bewegt, faire Produkte zu verwenden; durch Öffentlichkeitsarbeit wird der faire Handel der Bevölkerung nähergebracht. In der Schweiz gibt es aktuell fünf Fair Trade Towns: Glarus Nord, Bern, Zweisimmen, Frutigen und Carouge.
Patricio Freis Motion wurde bereits vor einem Jahr vom Gemeinderat an den Stadtrat überwiesen. Dieser sah jedoch keinen Handlungsbedarf, wie er in seiner Antwort schrieb. Zwar sei die Schaffung und Erhaltung von guten Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern ein berechtigtes und zentrales Anliegen. Aber der Stadtrat sei der Meinung, dass die Auszeichnung «nicht der einzige und richtige Weg ist, um den fairen Handel in Uster zu fördern». Auch ohne diese Auszeichnung unternehme die Stadt bereits einiges, um fair und nachhaltig hergestellte Produkte einzukaufen.

