Das Fotomuseum Winterthur unter neuer Leitung
Sie ist das neue Gesicht des Fotomuseums Winterthur. Nadine Wietlisbach (35) übernahm Anfang Jahr die Leitung der kulturellen Institution an der Grüzenstrasse. Sie folgt auf den Direktor Thomas Seelig, der dieses Amt rund ein halbes Jahr lang ad Interim ausführte. Er wird dort künftig als Kurator tätig sein.
Für Nadine Wietlisbach ist es ein Traumjob. «Das Fotomuseum Winterthur ist eine der bedeutendsten Institutionen in Europa», sagt sie. Aber auch die Stadt und deren reiche Kulturlandschaft hätten ihr Interesse geweckt.
Gesellschaftsrelevante Themen kritisch beleuchten
Bevor die 35-Jährige für ihre neue Aufgabe mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann nach Winterthur zog, war sie unter anderem in Kulturinstitutionen in Biel, Stans, Luzern, Chicago und Südafrika tätig. Seit über zehn Jahren realisiert sie Ausstellungen – arbeitet nach eigenen Angaben sehr recherchelastig, mit Blick auf aktuelle Themen und in intensivem Austausch mit den Künstlern. Sie sagt: «Allein in dieser Hinsicht wird sich für mich hier in Winterthur nicht viel ändern.»
Für ihren neuen Arbeitsort hat sich Nadine Wietlisbach schon einiges vorgenommen. «Das Fotomuseum und die Fotostiftung sollen das Gravitationszentrum für bildinteressierte Menschen sein.» Damit dies gelingt, will die neue Direktorin das Netzwerk im Ausland, insbesondere aber auch in Winterthur ausbauen. Die hiesige Bevölkerung soll künftig teils auch dialogisch miteingebunden werden. Nadine Wietlisbach ist überzeugt: «Es ist wichtig, dass die Institution hier gut verankert ist.»
Was die Ausstellungen betrifft, plant die frischgebackene Winterthurerin mehr in deren Informationsvermittlung zu investieren. «Ich will nicht alles neu erfinden. Aber die Besucher sollen sich mit den Bildern noch mehr auseinandersetzen.» Damit dies möglich wird, sollen auch gesellschaftlich relevante Themen wie die sozialen Medien, der Umgang mit Fake News oder mit dem Smartphone kritisch beleuchtet und auch für ein jüngeres Publikum aufbereitet werden.
Auf Besucherrückgang reagieren
Das Fotomuseum Winterthur braucht auch neue Besuchergruppen, denn es hat seit Jahren mit rückläufigen Gästezahlen zu kämpfen. Eine Herausforderung für die neue Direktorin. Wie sie diesem Trend entgegenhalten will? Nadine Wietlisbach antwortet: «Ich bin überzeugt, dass wir diese Abnahme unter anderem mit einer Erhöhung des Ausstellungsrhythmus verbessern können.»
Keine Angst hat Nadine Wietlisbach davor, dass sich Leute künftig hauptsächlich über Facebook, Instagram und Co. informieren werden. Die sozialen Medien seien keine Bedrohung für das Fotomuseum. Die Institution werde ihren Reiz behalten, sagt sie. «Die Erfahrungen, die man in einem Ausstellungsraum macht, sind mit der digitalen Informationsbeschaffung nicht vergleichbar.»
Zudem will Nadine Wietlisbach im Fotomuseum ein Zentrum für Bild- und Medienkompetenz aufbauen, in dem inspirierende Vermittlungsangebote konzipiert werden. In diesem Jahr – dem 25. Jubiläumsjahr des Fotomuseum Winterthur – soll im Herbst ein weiteres Highlight folgen. Es wird eine grosse Sammlungsausstellung zum Geburtstag geben.

