Bäume überlebten «Burglind» – und werden doch gefällt
Am 15. Januar soll es losgehen: Während zweier Tage führt die Stadt Uster einen gross angelegten Holzschlag am Burghügel durch. Rund ein Fünftel der Bäume soll gefällt werden; ein Helikopter steht im Einsatz, das Gebiet um die Burg wird nur beschränkt zugänglich sein (siehe Plan).
Als Grund für den Holzschlag gibt die Stadt Sicherheitsbedenken an. «Die Bäume sind alt und schwer», sagt Philipp Jucker, Leiter der Abteilung Natur, Land- und Forstwirtschaft. Aufgrund des grossen Gefälles am Burghügel und der Beschaffenheit des Bodens drohten sie umzufallen. «Sie gefährden Mensch und Infrastruktur.»
Kritik aus Naturschutzkreisen
Nicht alle in Uster sind jedoch mit dieser Einschätzung einverstanden. Die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz (GNVU) etwa spricht in einer Mitteilung von einem «nicht notwendigem Kahlschlag». Als die Stadt im vergangenen Juli die Fällaktion ankündigte, sagte GNVU-Präsident und Gemeinderat Paul Stopper (BPU): «Hier wird der Begriff der Sicherheit für eine unverständliche Aktion missbraucht.»
«Keine Sturmschäden – das zeigt, dass die Sicherheit am Burghügel gewährleistet ist.»
Paul Stopper, Präsident Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster
Besonders stört den Natur- und Vogelschutzverein, dass auch die Esche neben dem Schloss gefällt werden soll – «die grösste und schönste in Uster». Sie sei von Fachleuten als «kerngesund» eingestuft worden und diene den Dohlen der Brut-Kolonie im Schloss als Aufenthaltsgelegenheit. Generell sei der jetzige Wald am Burghügel ein idealer Ort für Vögel.
Nicht jeder Sturm ist gleich
Die Ereignisse der vergangenen Tage bestätigten den Präsidenten des GNVU in seinem Urteil. Der Sturm «Burglind», der am 3. Januar über die Schweiz zog, hat am Burghügel keinen Schaden angerichtet, während ihm andernorts auch in Uster zahlreiche Bäume zum Opfer fielen. «Das zeigt, dass die Sicherheit am Burghügel gewährleistet ist», sagt Stopper.
«Der geplante Jungwald erhöht die Sicherheit.»
Philipp Jucker, Leiter der Abteilung Natur, Land- und Forstwirtschaft der Stadt Uster
Philipp Jucker von der Abteilung Natur, Land- und Forstwirtschaft widerspricht ihm jedoch: «Dass dieser Sturm am Burghügel keine Bäume fällte, ändert nichts an der Gesamtlage.» Zum einen sei jeder Sturm anders, würden die Windböen jeweils aus anderer Richtung kommen. Zum anderen sei am Burghügel die Topographie das Problem. «Die Gefahr ist, dass die alten, schweren Bäume auf dem steilen Untergrund umkippen könnten.»
Jungwald geplant
Anstelle der alten Bäume will die Stadt neue, junge Bäume anpflanzen. «Langfristig ensteht am Burghügel eine leichtere Waldform, die wiederum diversen Tierarten als Nist- und Rückzugsort dienen wird», sagt Jucker. Vorgesehen sind Eiben, Buchen und Bergahorn. Vor allem für die Eibe biete die Topographie und die Bodenbeschaffenheit des nördlichen Burghügels eine geeignete Grundlage. Der seltene Baum bilde ein weit verzweigtes Wurzelsystem und biete darum einen guten Schutz vor Erosion. Der geplante Wald erhöhe deshalb die Sicherheit, und die Kosten um ihn zu bewirtschaften würden reduziert.
Kritik an Kosten für Helikopter
Paul Stopper rechnet derweil der Stadt die Kosten für den Holzschlag vor. Laut dem öffentlich einsehbaren Stadtratsbeschluss betragen sie 35‘000 Franken. Der Helikoptereinsatz allein kostet 28‘000 Franken. «Unnötige Ausgaben», findet der GNVU-Präsident. Philipp Jucker hingegen sagt: «Fällung mit Hilfe eines Helikopters ist eine schonende Methode. So müssen nur die Bäume herausgenommen werden, die eine Gefahr darstellen. Zufahrtswege zu schlagen, ist nicht nötig.»

