«Diskretion ist alles»
Mein Wecker klingelt kurz vor Neun. Da mein Unternehmen Perfekta Reinigung Privathaushalte und Alterswohnungen reinigt, kann ich nicht früher in die Wohnung. Das Reinigen selbst, ist nichts Verrücktes. Aber beim Putzen geht es um so viel mehr als um Reinigungsmittel. Wir müssen auf so viele Dinge achten. Dürfen wir schon in die Wohnung oder ist der Besitzer vielleicht noch unter der Dusche? Sollen wir Lüften und das Paket raufbringen – oder lieber nicht?
Diskretion ist alles. Wir vergessen nie unsere Lappen, schletzen die Fenster nicht zu. Beim Reinigen geht es um Hygiene und auch um Kosmetik: Ich muss das Haus schöner verlassen, als ich es angetroffen habe. Das Erscheinungsbild muss genau stimmen. Ich winkle die Türen im 45 Grad-Winkel an, lege den Kugelschreiber gerade auf das Pult. Ja, selbst das Spiralkabel des Telefons entwickle ich.
Die Reinigungsbranche hat leider einen schlechten Ruf. Sie hat ihn aber ganz zu recht. Manche Reinigungsarbeiter kommen zu spät, sind ungepflegt, halten sich nicht an Abmachungen. Sie kommen mit der Zigi im Mund oder stehen auf das Pult, weil sie keine Leiter benutzen wollen.
Bei uns ist klar abgesprochen, was wir reinigen und was nicht. Haben wir mit dem Kunden abgemacht, dass wir nur die freien horizontalen Flächen reinigen, dann putzen wir beispielsweise nur das Pult und nicht mehr. Wir sprechen sogar ab, ob wir um die Sachen herumputzen oder sie aufräumen. So können wir systematisch vorgehen, unsere Leistung ist genau überprüfbar und es gibt keine Diskussionen.
Eklige Sachen putzen, musste ich in meiner Karriere natürlich auch. Zum Beispiel das Konfetti-Bier-Gemisch nach einem Polterabend. Bei Drogenabhängigen traf ich auf Messie-Schränke, vollgestopft mit Zeugs, und einmal sogar auf Milchpackungen, die halb mit Urin gefüllt waren. Heute arbeiten wir vorwiegend für Industrie und Privathaushalte, da sehen wir solche Sachen zum Glück nicht mehr.
Putzroboter sind für mich keine Konkurrenz. Ich finde sie sogar eine gute Sache. Unsere Branche muss sich im Bereich der Maschinen noch viel mehr entwickeln. Wir müssen viel effizienter werden. Handarbeit ist kostspielig.
Der Branche geht es aber gut. Personal, das eine hohe Qualität liefert, hat eher zu viel als zu wenig Arbeit. Denn einerseits schätzen immer mehr Kunden saubere Tastaturen und Arbeitsplätze. Andererseits gibt es nur wenige Profis mit einer Lehre als Gebäudereinigungsfachmann.
Brauchen tut es sie aber immer mehr. Die Objekte werden immer komplizierter. Designermöbel, teure Teppiche oder fugenfreie Badfliessen sind schwierig zu reinigen. Der Reinigungsberuf erfordert immer mehr Hintergrundwissen. Hat man früher noch für alles Javelwasser verwendet, muss man heute über Hygienevorschriften, PH-Wert und umweltfreundliche Mittel Bescheid wissen. Ameisensäure kann man jetzt vergessen. (Aufgezeichnet: Lukas Elser)
Serie Berufsalltag: Menschen aus der Region berichten in unregelmässigen Abständen aus ihrem beruflichen Alltag.

