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Mike Müller schlägt Uster vor, mit Dübendorf zu fusionieren

Eine Gemeindeversammlung der besonderen Art hat am Mittwoch in Uster stattgefunden: Der Schauspieler Mike Müller gab mit seinem neusten Einmannstück eine Karikatur der Schweizer Lokalpolitik zum Besten.

Mike Müller gab an seinem Auftritt diverse Parodien zum besten. (Bild: Seraina Boner), Dabei ging es durchaus hin und wieder auch politisch ganz inkorrekt vor sich – nicht nur mit Habeggers Burka-Gebot. (Bild: Seraina Boner), Das überzeichnete Geschehen der Schweizer Lokalpolitik hatte die Unterhaltung des Publikums zum Ziel. (Bild: Seraina Boner)

Mike Müller schlägt Uster vor, mit Dübendorf zu fusionieren

Eine weisse Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger auf orangem Grund und in schwarzer Schrift: «heute Gemeindeversammlung» – wer kennt sie nicht, die nüchtern gestalteten Plakate. Landauf landab rufen sie die Bürgerpflicht in Erinnerung. Am Mittwoch war dies auch in Uster der Fall. Vor dem Kulturhaus Central stand eines dieser Plakate und tat seinen Dienst – nicht ohne Wirkung. In hoher Zahl, wie sie für eine Gemeindeversammlung wohl eher ungewohnt ist, drängten sich die Leute geradezu in das Innere des Gebäudes und füllten den Saal im Erdgeschoss bis auf den letzten Platz.

Ungewöhnlich war nicht nur der Andrang – ganz abgesehen davon, dass in Uster überhaupt eine Gemeindeversammlung über die Bühne ging, wo die Stadt ja eigentlich einen Gemeinderat kennt. Ungewöhnlich war aber auch, was Neuzuzüger Habegger kurz nach Eröffnung der Versammlung als ausserordentlichen Antrag einbrachte: Ein Burkatrag-Gebot. Damit man wieder wisse, mit wem man es eigentlich zu tun habe, nachdem die Einheitsmode jegliche Unterscheidung verschwimmen lasse.

Gewiss – es war dies keine wirkliche Gemeindeversammlung. Die 176 Anwesenden waren denn auch nicht erschienen, um Usters Politik mitzubestimmen, sondern um das neuste Soloprogramm des Schauspielers Mike Müller zu sehen.

Verschiedene Charaktere

Müller, bekannt etwa aus den Fernsehformaten «Der Bestatter» oder «Giacobbo/Müller», hatte von der ersten bis zur letzten Minute das Publikum ganz auf seiner Seite. Das lag freilich wesentlich an seiner Kunst, die unterschiedlichsten Charaktere zu parodieren: Allen voran den gewichtig auftretenden Präsidenten einer nicht näher bestimmten Gemeinde, Raoul Furler. In einer Rückschau liess dieser seine letzte Gemeindeversammlung – die ihm schliesslich das Amt gekostet hat – Revue passieren.

Und in dieser Gemeindeversammlung kamen sie alle vor, wie sie aus dem alltäglichen Leben eben nicht ganz so unbekannt sind. Der ewig besserwisserische Habegger, der mit seinen Anträgen und Einwänden nichts wollte, als seine Teilhabe an der Demokratie einzufordern – koste es, was es wolle. Die schüchtern-verschupfte Antragstellerin, die subventionierte Kindergeburtstage vorschlug, damit kein Kind mehr wegen Ungleichheiten leiden müsse. Die Finanzchefin vom Typ nüchtern-kühle Businessfrau, die mit spitzen Lippen Rechnungsmodelle von ihren Powerpointpräsentationen vortrug.

Politisch inkorrekt

Aber auch sein Talent, zwischen den verschiedenen Dialekten hin- und herzuwechseln, lebte Müller in seinem Programm voll und ganz aus. In der Figur des einbürgerungswilligen Serben Stojadinovic etwa, der – im Lorrainequartier der Bundeshauptstadt aufgewachsen – mit breitestem Berndeutsch eine unerwartete Aussprache hatte. In dieser Rolle kam Müller bei den Zuschauern besonders an. Wie er den Serben vom Gemeindeschreiber, seines Zeichens italienischer Abstammung und mit Basler Zunge, befragen liess, sorgte für viel Lachen und manchen Szenenapplaus. Dies wurde nur noch überboten, als er einen geschäftigen Walliser mimte, der für sein Fiesch als Standort für das geplante Ferienlager warb – im Wettstreit mit einem mürrischen Muotataler.

Dabei ging es durchaus hin und wieder auch politisch ganz inkorrekt vor sich – nicht nur mit Habeggers Burka-Gebot. Die «#metoo»-Debatte fand ihren Niederschlag ebenso wie Stereotype zu diesen und jenen Kantonsbewohnern, Amtsträgern oder Nationalitäten. Das überzeichnete Geschehen der Schweizer Lokalpolitik hatte denn auch die Unterhaltung des Publikums zum Ziel und keine feinsinnige Auseinandersetzung – wie es denn auch von den Zuschauern nicht anders erwartet wurde.

Fusion von Uster und Dübendorf

Sein Stück sei denn auch reine Fiktion, sagte Müller, der bis anhin lediglich einer einzigen Gemeindeversammlung beigewohnt hatte. Gleichwohl hatte er Hintergründe zu der thematisierten Gemeindefusion in Illnau-Effretikon und für den lokalen Anstrich in Uster recherchiert. So schlug er als Furler schliesslich die Fusion von Uster vor – etwa mit Dübendorf. Denn «eine rechte Stadt braucht auch ein Ghetto». Es war dies – dem Lachen nach – der Höhepunkt seiner Pointen. (Andrea Baumann)

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