Eine weisse Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger auf orangem Grund und in schwarzer Schrift: «heute Gemeindeversammlung» – wer kennt sie nicht, die nüchtern gestalteten Plakate. Landauf landab rufen sie die Bürgerpflicht in Erinnerung. Am Mittwoch war dies auch in Uster der Fall. Vor dem Kulturhaus Central stand eines dieser Plakate und tat seinen Dienst – nicht ohne Wirkung. In hoher Zahl, wie sie für eine Gemeindeversammlung wohl eher ungewohnt ist, drängten sich die Leute geradezu in das Innere des Gebäudes und füllten den Saal im Erdgeschoss bis auf den letzten Platz.
Ungewöhnlich war nicht nur der Andrang – ganz abgesehen davon, dass in Uster überhaupt eine Gemeindeversammlung über die Bühne ging, wo die Stadt ja eigentlich einen Gemeinderat kennt. Ungewöhnlich war aber auch, was Neuzuzüger Habegger kurz nach Eröffnung der Versammlung als ausserordentlichen Antrag einbrachte: Ein Burkatrag-Gebot. Damit man wieder wisse, mit wem man es eigentlich zu tun habe, nachdem die Einheitsmode jegliche Unterscheidung verschwimmen lasse.
Gewiss – es war dies keine wirkliche Gemeindeversammlung. Die 176 Anwesenden waren denn auch nicht erschienen, um Usters Politik mitzubestimmen, sondern um das neuste Soloprogramm des Schauspielers Mike Müller zu sehen.
Verschiedene Charaktere
Müller, bekannt etwa aus den Fernsehformaten «Der Bestatter» oder «Giacobbo/Müller», hatte von der ersten bis zur letzten Minute das Publikum ganz auf seiner Seite. Das lag freilich wesentlich an seiner Kunst, die unterschiedlichsten Charaktere zu parodieren: Allen voran den gewichtig auftretenden Präsidenten einer nicht näher bestimmten Gemeinde, Raoul Furler. In einer Rückschau liess dieser seine letzte Gemeindeversammlung – die ihm schliesslich das Amt gekostet hat – Revue passieren.

