Politik

Nach Kündigung: Gemeinde sucht neuen Pächter

Wirt Ismet Cungu verlässt das Gasthaus zur Tanne. Die Gemeinde als Eigentümerin muss einen Nachfolger finden. Was das für die Durchführung der Gemeindeversammlung in der «Tanne» bedeutet, ist noch nicht ganz klar.

Nach Kündigung: Gemeinde sucht neuen Pächter

Wie es mit dem Gasthaus zur Tanne in Bauma weitergeht, ist derzeit unklar. Kürzlich hat der Wirt Ismet Cungu seinen Pachtvertrag gekündigt. Die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate. Der Betrieb läuft noch bis Ende Juli. Die Gemeinde Bauma, der die Liegenschaft gehört, muss jetzt einen Nachfolger finden, sonst droht der Leerstand. 

Völlig überraschend kam die Kündigung von Cungu nicht. «Wir hatten das befürchtet», sagt Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos). Aus der Presse habe er erfahren, dass der «Tanne»-Wirt seit neustem ein zweites Standbein hat. Im Oktober übernahm Cungu den Gasthof Gemeindehaus im schaffhausischen Wilchingen. In den «Schaffhauser Nachrichten» war zu lesen, dass der 61-jährige Wirt mit montenegrinischen Wurzeln «aktuell noch» das Restaurant zur Tanne in Bauma führe. «Derzeit pendle ich zwischen den Lokalen hin und her. Langfristig werden wir uns aber auf des Restaurant in Wilchingen konzentrieren», wurde Ismet Cungu im Artikel zitiert. Gegenüber dem ZO/AvU wollte der Wirt keine Stellung nehmen. 

Suche nach neuem Pächter ist bereits angelaufen

Sudler bedauert den Wegzug. «Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit der Familie Cungu.» Bevor sie die «Tanne» vor fünf Jahren übernahm, habe es im Gasthaus mehrere Wirtewechsel und teils jahrelange Leerstände gegeben. Dennoch glaubt Sudler an die Zukunft des alten Gasthauses. «Ich bin überzeugt, dass sich die Gastwirtschaft rentabel führen lässt.» Soweit er wisse, seien die Gründe für die Kündigung von Ismet Cungu auch nicht wirtschaftlicher Natur.

 
So schwierig wie in der Vergangenheit werde es hoffentlich nicht, einen Nachfolger zu finden, sagt Sudler. «Wir streben eine nahtlose Nachfolgelösung an.» Bevor der Pachtvertrag im Januar öffentlich ausgeschrieben werde, wolle man intern nach einem potenziellen Nachfolger suchen. «Am liebsten wäre uns jemand aus der Gemeinde oder zumindest jemand, der in Bauma gut vernetzt ist.» Wünschenswert wäre auch eine Person, die bereits Erfahrung in der Gastronomie hat. 

Eine Herausforderung für jeden neuen Betreiber dürfte die Grösse des Hauses sein. Neben dem Restaurant gibt es in dem Haus den Tannen-Saal, zwei kleinere Säle sowie mehrere Hotelzimmer. «Eine teilweise Vermietung der Räumlichkeiten kommt für die Gemeinde vorerst nicht in Frage», sagt Sudler. 

Wohin mit der Gemeindeversammlung

Ein Leerstand in der «Tanne» hätte auch Auswirkungen auf die Gemeindeversammlungen. Erst vor wenigen Monaten hatte der Gemeinderat beschlossen, diese statt in der Kirche im «Tanne»-Saal abzuhalten. Mit dem Umzug wollte er die Ausnützung der gemeindeeigenen Liegenschaft verbessern. 

Die erste Gemeindeversammlung in der «Tanne» fand letzte Woche statt. Ob es dabei bleibt, muss sich zeigen: Laut Sudler sei man für die Durchführung der Gemeindeversammlung nicht auf einen Pächter angewiesen. «Im Notfall können wir das auch selber machen. Einzig für den Apéro müssten wir eine Alternative finden.» 

Doch auch von politischer Seite weht Gegenwind. Rund 90 Baumer fordern per Initiative die Rückkehr in die Kirche. Sofern die Initiative gültig ist, wird die Gemeindeversammlung im März darüber abstimmen – jedoch nicht im «Tanne»-Saal, sondern in der Mehrzweckhalle Altlandenberg. Denn im März steht auch die Revision der Bau- und Zonenordnung auf der Traktandenliste, weshalb der Gemeinderat mehr Stimmberechtigte erwartet, als in der «Tanne» Platz hätten. 

Die «Tanne» soll dem Dorf erhalten bleiben

Und noch ein anderes Thema beeinflusst die Zukunft des Gasthauses. Derzeit überarbeitet der Gemeinderat seine Liegenschaftenstrategie. Es geht darum abzuklären, welche Liegenschaften die Gemeinde behalten oder verkaufen soll. Auch beim Gasthaus zur Tanne stellt sich diese Frage. «Es stimmt schon: Ein Restaurant zu betreiben, gehört nicht zu den Kernaufgaben einer Gemeinde», sagt Sudler. Dennoch fände er es schade, wenn die Liegenschaft verkauft würde. «Dann hätten wir keinen Einfluss mehr darauf, was damit passiert.» Die Chancen wären gross, dass die Gemeinde so ein weiteres Restaurant verlieren würde. «Vor 20 Jahren gab es in Bauma noch doppelt so viele Restaurants wie heute», sagt Sudler. Die «Tanne» als Gastwirtschaft zu erhalten, sei ihm darum sehr wichtig. 

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