«Reaktion auf Glockenlärm ist ähnlich wie die auf Fluglärm»
Sie haben 2011 mit Forschungskollegen eine viel beachtete Studie zum Einfluss von Glockenlärm auf das Schlafverhalten gemacht. Jetzt hat das Bundesgericht in einem Leiturteil festgehalten, die Studie sei nicht aussagekräftig genug, um darauf abzustellen. Widersprechen Sie?
Mark Brink: Das Problem ist, dass unsere Untersuchung die einzige zum Thema ist, die es gibt. Es ist auch nie eine andere gemacht worden. In der Umweltepidemiologie wäre es eigentlich üblich, sich auf mehrere Studien abzustützen, diese Möglichkeit war hier nicht gegeben. Darum war das Bundesgericht wohl der Meinung, die empirische Basis sei zu schmal. Diese Feststellung hat aber aus meiner Sicht nichts mit der Qualität der Studie an sich zu tun.
Sie hatten damals 27 Probanden, warum hat man keine grössere Stichprobe gewählt?
Unsere Studie war explorativ ausgelegt, sie ging neue Wege. Wenn man in einem wissenschaftlichen Feld der Erste ist, der etwas untersucht, macht man zuerst ein sogenanntes Proof of concept, also eine kleine Untersuchung, um die Idee zu testen. Die Ergebnisse reichen dann nicht notwendigerweise, um grössere Entscheide darauf abzustützen. In der Umweltepidemiologie ist dieses Vorgehen völlig normal. Eine einzelne Studie ist noch keine Basis, aber normalerweise verdichtet sich dann die Evidenz, wenn weitere Studien dazukommen.
Wurde Ihre Studie missverstanden?

