Politik

«Grüningen soll kein zweites Volketswil werden»

Die Bewohner der Einfamilien-Häuser des Haufland-Quartiers werden in Bälde dutzende neue Nachbarn bekommen. Dagegen regt sich Widerstand.

«Grüningen soll kein zweites Volketswil werden»

Beat Wieser steht auf seinem Balkon im Haufland-Quartier in Grüningen. In jeder Himmelsrichtung blickt er auf Kräne, die in den Himmel ragen. Schon bald wird auch einer direkt vor seiner Nase platziert werden. Wie die meisten Bewohner des Quartiers wohnt Wieser in einem Einfamilienhaus. Auf dem Grundstück der ehemaligen Schreinerei Wyler wurden vor einigen Tagen Baugespanne aufgestellt. Die Metallstangen überragen die umliegenden Gebäude. Vier Wohnblöcke sollen hier gebaut werden. Ein Projekt, das auf Unmut im Quartier stösst.

«Haben wir noch nie erlebt»

«Die Gebäude passen nicht in das Landschaftsbild», sagt Wieser. Insgesamt 30 Wohnungen sind angedacht. Dies geht aus den Bauplänen hervor. Bauherr der Überbauung ist die Firma Haufland Immobilien AG. Die Bewohner des Haufland-Quartiers haben sich zusammengesetzt und beschlossen, ihre Sorgen in Form von Briefen auszudrücken und diese an die Gemeinde zu adressieren.  Gleichzeitig sollen möglichst viele den Baurechtsbeschluss anfordern, sagt Wieser. Gemeindeschreiberin Yvonne Cassol bestätigt den Erhalt der Schreiben.

«Wir haben es noch nie erlebt, dass die Bürger Briefe wegen eines Bauvorhabens schreiben», sagt sie. Der Gemeindeingenieur prüfe das Bauvorhaben im Haufland momentan. «Wenn alles den gesetzlichen Vorgaben entspricht, können wir nichts dagegen unternehmen», sagt Cassol. «Momentan werden in Grüningen ungefähr 200 Wohnungen gebaut», sagt sie. In den letzten drei, vier Jahren sei es in diesem Bereich eher ruhig gewesen. Nun wollen plötzlich viele bauen.

«An die Zukunft denken»

Das Grundstück liegt auf einer Wohnzone 2. Hier dürfen gemäss der Bau- und Zonenordnung Häuser zweistöckig und mit zwei Dachgeschossen gebaut werden. De facto werden die geplanten Gebäude also mit dem Erdgeschoss, fünfstöckig sein. «Als die neue Bau- und Zonenordnung 2015 an der Gemeindeversammlung verabschiedet wurde, gab es keine Einsprachen», sagt Cassol. Wieser vermutet, dass sich die Quartierbewohner zu wenig damit auseinandergesetzt haben.

Im Quartier habe praktisch niemand diesen Spielraum für das eigene Haus ausgenutzt. Überdies sei die Strasse Hansenburg der Wohnzone 1 zugeteilt, die nur zwei Stockwerke zulasse. «Wenn die vorderen Reihen alle in die Höhe schiessen, verschwindet die Einfamilienhauszone Hansenburg bald einmal hinter fünfstöckigen Blöcken», sagt Wieser. «Dass das Bauprojekt jetzt noch verhindert werden kann, ist eher unwahrscheinlich», sagt er. Vielmehr sei momentan wichtig, dass man sich Gedanken über die Zukunft macht.

«Wir wollen nicht, dass aus Grüningen ein zweites Volketswil wird.» Wieser spricht dabei den Bauboom und die Verdichtung Volketswils an. Wenn das so weiter gehe, verwandle sich Grüningen schon bald in ein stadtähnliches Konstrukt, sagt er. «Und das Stedtli, umzingelt von Grossbauten, wird bald nur noch wie eine Disneyland-Kulisse wirken.» Als Attraktion wird es eine Reminiszenz an das sein, was Grüningen einst gewesen ist.

Gemeinde nicht anprangern

Solche Grossüberbauungen würden nicht zu einer Landsgemeinde wie Grüningen passen, sagt er. Wieser denkt dabei an eine Regulierung der Bauzonenordnung im Bereich der Wohnzone 2. «Optimal wäre es, wenn es hier Abstufungen gäbe, sodass je nach baulicher Umgebung eine differenziertere Anwendung der Zonenordnung möglich wäre», sagt er.

«Uns sind da die Hände gebunden», sagt Cassol. Die Stimmbürger des Kantons Zürich haben sich klar für das verdichtete Bauen ausgesprochen. «Die Vorgaben des Kantons sind entsprechend gestaltet», sagt Cassol. Beat Wieser kann das nachvollziehen. «Klar ist die Gemeinde an zusätzlichen Steuereinnahmen durch Neuzuzüger interessiert», sagt er. «Allerdings ist es falsch, die Gemeindebehörde für den noch nie dagewesenen Bauboom verantwortlich zu machen.» Daher prangere  das Quartier die Gemeinde Grüningen in ihren Schreiben nicht an, sondern mache auf seine Bedenken aufmerksam. «Die Briefe sollen als Stellungnahme betrachtet werden», sagt er. Durch die Einforderung des Baurechtsbeschlusses des geplanten Projekts könne man auf faire Art und Weise ein wenig Druck aufbauen.

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