Wo bleibt die Fehlertoleranz?
Wöchentlich, und immer in abwechselnder Parteireihenfolge, äussert sich in der Rubrik «O-Ton» eine Politikerin oder ein Politiker aus Winterthur über ein aktuelles Thema.
Heute – Barbara Huizinga-Kauer, Gemeinderätin EVP Winterthur
Wie viele Fehler verträgt es in der Politik? Wie viele auf dem Fussballrasen? Wie viele im Job und wie viele im persönlichen Umfeld?
Keine – sagt unsere Leistungsgesellschaft und wenn welche passieren, sollen sie möglichst unbemerkt bleiben.
Bereits eine unbedarfte Äusserung oder ein Fehlentscheid werden teils genüsslich ausgeschlachtet. Als Folge davon verwenden viele Menschen einen Grossteil ihrer Energie darauf, ja keinen Fehler zu machen. Das führt zu Stillstand, Duckmäusertum und im schlimmsten Fall zu Denkverboten.
Den Kindern bringen wir voller Liebe bei: geh deinen Weg, trau dich was!
Als Pflegefachfrau begegne ich häufig Menschen die in einer Krise stecken und höre dann: «Ach hätt ich doch…, wär ich nur mutiger gewesen…»
Alles «Hätte-wäre-wenn-Sätze».
Um mutig, produktiv und innovativ zu sein, braucht der Mensch die Freiheit, dass Fehlentscheide passieren dürfen und manchmal auch nötig sind.
Sind Fehler im Rückblick nicht oft Erfahrungen, die uns im Leben in irgendeiner Art und Weise weiterbrachten?
Wo kommen wir hin, wenn es keine Lernwiese mehr gibt? Darum gilt es, dem Gegenüber und sich selbst mit mehr Grossmut zu begegnen, um mutig, stark und entschlossen vorwärtszugehen.

