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«Jetzt besteht die Chance, dass ein Neuanfang möglich ist»

An der Kirchgemeindeversammlung der Katholischen Kirche Egg hat Pfarrer Fulvio Gamba kommuniziert, dass er nicht zu den Neuwahlen im Frühling antreten wird und sein Amt im Sommer niederlegen. Dabei wurde er erst vor einem Jahr zum Pfarrer gewählt.

Die katholische Kirche St. Antonius in Egg. (Archivbild: Seraina Boner)

«Jetzt besteht die Chance, dass ein Neuanfang möglich ist»

Kurz nach der Wahl von Fulvio Gamba zum neuen Pfarrer der Katholischen Kirche Egg im November 2016 wurde von verschiedenen Seiten Kritik an seiner Person laut. Ihm wurde von einigen Mitarbeitern übles Mobbing vorgeworfen. Schliesslich musste sich sogar die Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche mit dem Thema befassen, die ihn schliesslich von jeglichen Vorwürfen entlastete.

Neuorientierung angestrebt

Nun hat Fulvio Gamba an der Kirchgemeindeversammlung von dieser Woche angekündigt, dass er seine Arbeit in Egg niederlegen wird, wie die Kirchenpflege in einer Mitteilung schreibt. Im nächsten Jahr stehen die Bestätigungswahlen der Pfarrer für die Amtsdauer 2018 bis 2024 an. In einem persönlichen Statement teilte Gamba mit, dass er «nach reiflicher Überlegung» entschieden habe, nach Ablauf der ordentlichen Amtsdauer nicht mehr für eine Pfarrwahl zur Verfügung zu stehen. Nach 15 Jahren in der Gemeinde – unter anderem sieben Jahre als Pfarradministrator – wolle er sich neu orientieren. 

«Der Freispruch von allen Vorwürfen von Seiten der Rekurskommission erleichtert mir diese Neuorientierung», sagte er. Angesichts des grossen und anspruchsvoll zu leitenden Seelsorgeraums hoffe er, dass sich «auch in Zeiten einer dünnen Personaldecke ein geeigneter Kandidat für die Nachfolge finden lässt». Kirchgemeindepräsident Louis Landolt bedauert den Entscheid und betonte an der Kirchgemeindeversammlung, als Behörde habe sie Pfarrer Gamba voll überzeugt und man hätte ihn gern zur Wiederwahl vorgeschlagen. 

Wechsel nach 15 Jahren «normal»

Für Jürg Simeon, der im März die Aufsichtsbeschwerde bei der Rekurskommission einreichte, gibt sich erleichtert: «Jetzt besteht die Chance, dass das Vertrauen wieder in unsere Kirche zurückkehrt, dass ein Neuanfang möglich ist.» Er hatte in der Vergangenheit die Katholische Kirche in Egg als gespalten bezeichnet. «Die Kirchenpflege hat die Probleme ständig verdrängt und damit ihre Glaubwürdigkeit verloren.» Mehrere Kirchengänger, darunter auch seine Familie, hätten seit der Pfarrwahl im November 2016 auf den Besuch in der Kirche Egg verzichtet und seien auf andere Gemeinden ausgewichen. «Nun können wir bald wieder in ‹unsere› Kirche.» Er hofft, dass sich mit dem Abgang des Pfarrers die Probleme nicht einfach auf eine andere Kirchgemeinde verlagern. 

Die Kirchenpflege betont in einer schriftlichen Stellungnahme, die Vorwürfe und die Aufsichtsbeschwerde hätten mit dem Entscheid des Pfarrers nichts zu tun. Im Auftrag des Generalvikars habe Gamba die anforderungsreiche Aufgabe, den Seelsorgeraum St. Antonius-St.Franziskus Egg-Maur zu errichten, erfolgreich umgesetzt. «Mittlerweile 58 Jahre alt, ist er zum Entschluss gekommen, vor Erreichen des Pensionsalters noch einmal eine andere Aufgabe anzupacken.» Es sei normal, dass jemand nach 15 Jahren an der gleichen Arbeitsstelle für den nächsten Abschnitt im Berufsleben noch einmal eine Herausforderung suche, so die Kirchenpflege. 

Intensivierter Gedankenaustausch

Obwohl die Rekurskommission die Vorwürfe entkräftete, empfahl sie der Kirchenpflege, Massnahmen zu ergreifen, um Konflikte in Zukunft zu vermeiden. Diese sind laut der Kirchenpflege auch umgesetzt worden. «Es hat etwa eine grosse Gesprächsrunde mit allen Angestellten stattgefunden.» Zudem würden neben wöchentlichen Teamsitzungen mit anschliessendem Mittagessen sowohl Pfarrer Gamba als auch die Kirchenpflege als Behörde mit allen Angestellten Einzelgespräche führen. «Der direkte Gedankenaustausch ist intensiviert worden und baut Vertrauen auf.»

Fulvio Gamba wirkt noch bis Ende seiner Amtsdauer im Juni 2018 als Pfarrer und wird anschliessend übergangsweise als Pfarradministrator zur Verfügung stehen – und bei Bedarf die Aufgaben des neuen Pfarrers übernehmen, sollte dieser verhindert sein oder die Stelle vakant bleiben. 

Im November 2016 wurde Fulvio Gamba mit 88 Ja- zu 52 Nein-Stimmen zum neuen Pfarrer der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Egg gewählt. Zuvor arbeitete er zweieinhalb Jahre als Pfarradministrator. Zur Kirchgemeinde gehören auch die Orte Maur, Oetwil am See und Mönchaltorf.

Kurz nach der Wahl wurde von verschiedenen Seiten Kritik am neu gewählten Pfarrer laut. Die Vorwürfe reichen von Mobbing über Demütigung bis hin zu jähzornigen Ausbrüchen. Es sei darum in der Kirchgemeinde bereits zu Kündigungen von Mitarbeitern des Pfarramts gekommen. Auch Kirchenpflegepräsident Louis Landolt geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Dieser ist bereits seit fast 40 Jahren im Amt – zu lange, finden einige. Er würde die Augen vor der Situation verschliessen und den Pfarrer schützen, indem er das Problem verleugne. Sowohl Gamba als auch Landolt weisen die Vorwürfe zurück.

Der Mönchaltorfer Jürg Simeon reichte im März eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Kirchgemeinde bei der Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Zürich ein. Diese beinhaltet die Anträge, sowohl Fulvio Gamba als Pfarrer als auch Louis Landolt als Kirchenpflegepräsident ihres Amtes zu entheben. 

Ende Juni schloss die Rekurskommission die Untersuchungen ab und entkräftete sämtliche Vorwürfe von Mobbing und verletzter Fürsorgepflicht. Zwar hätten die befragten aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter offen und teilweise mit Nachdruck Kritik geäussert. Hinweise auf aufsichtsrechtlich relevante Hinweise hätten sich jedoch nicht ergeben. Somit sei kein Einschreiten der Aufsichtsbehörde nötig.

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