Politik

Ein Roboter für die Rütner Bahnhofpraxis

Mit einem modernen Rohrpostsystem hat die Praxis am Bahnhof in Rüti Abläufe vereinfacht. Ein Roboter findet nun in Sekundenschnelle das gewünschte Produkt.

Ein Roboter für die Rütner Bahnhofpraxis

Mit einem leisen Rumpeln kündigt sich die Rohrpost an: Nur wenige Sekunden nachdem die Praxiassistentin am Computer im Warteraum den Auftrag ausgelöst hat, fällt das bestellte Medikament sanft in den Auffangbehälter neben ihr. Seit einigen Monaten nutzt die «Praxis am Bahnhof» in Rüti ein hochmodernes Rohrpostsystem und würde es nicht mehr hergeben.

«Die Rohrpost übertrifft unsere kühnsten Erwartungen: Die Abläufe funktionieren sehr viel schneller», sagt der stellvertretende Geschäftsleiter, Markus Irniger, «das verkürzt die Wartezeiten für die Patienten und reduziert unseren Arbeitsaufwand.»

«Die Rohrpost übertrifft unsere kühnsten Erwartungen: Die Abläufe funktionieren sehr viel schneller»

Markus Irniger, stellvertretender Geschäftsleiter Praxis am Bahnhof

Er geht eine Treppe nach unten und steht vor dem Herz der Anlage: Ein hochmoderner Roboter findet hier in Sekundenschnelle unter den rund 8000 Medikamenten das gewünschte Produkt. Zudem verwaltet der Roboter das Lager, indem er vollautomatisch neue Medikamente einsortiert oder über Nacht neu ordnet, um anderntags das gewünschte Präparat schnellstmöglich zu finden.

Investition lohnt sich

«Früher dauerte es Stunden, bis Lieferungen einsortiert waren. Heute verstaut der Roboter bis zu 200 Packungen in einer halben Stunde», so Irniger weiter. Bei all der Begeisterung: Ist diese moderne Technik nicht sehr fehleranfällig?

Der stellvertretende Geschäftsführer winkt ab: «Natürlich gab es am Anfang Kinderkrankheiten, grosse Packungen blieben beispielsweise stecken. Aber die wenigen Fehler sind jetzt ausgemerzt.» Selbstverständlich würden die Abgaben aber weiterhin nach dem Vier-Augen-Prinzip kontrolliert, denn das Denken nehme einem der Roboter nicht ab.

Über die Kosten schweigt sich Irniger aus, verrät aber so viel: «Die Investition hat sich mehr als gelohnt. Wir müssen, gerade bei unserer Betriebsgrösse mit rund 25 praktizierenden Ärzten, konkurrenzfähig bleiben.» Hätten sie die Rohrpost nicht installiert, müssten sie Medikamente mehrfach in den Geschäftsräumen einlagern – das entspräche etwa der Grösse von vier Kleinapotheken. Dies, da in der Gruppenpraxis von Dermatologie über ambulante Operationen und einer breiten Allgemein Medizin verschiedenste Bereiche abgedeckt werden.

Dorfstrasse als Hindernis

Die Planung für das Rohrpostsystem hat sich einfach gestaltet: Nach wenigen Wochen stand fest, wo die Rohre durchführen würden, so dass in jedem Stock ein Ausgang vorhanden ist. Nur zwei Monate später konnte das System in Betrieb genommen werden.

Auch für die Mitarbeiter sei die Handhabung einfach, sagen die Praxisassistentinnen unisono und Irniger ergänzt : «Vor eine Herausforderung stellte uns einzig der Rütner Fels unter der Dorfstrasse, den wir mühsam wegspitzen mussten.»

Die Dorfstrasse war es auch, die die Geschäftsleitung auf die Idee brachte, ein Rohrpostsystem zu installieren: Seit 2006 wird die Praxis am Bahnhof an der Dorfstrasse 43 geführt; vor einem Jahr baute man aus, da man die Räume  des ehemaligen Kleidergeschäfts Wörner vis-à-vis übernehmen konnte. Nur: Jetzt lag die Dorfstrasse zwischen den rund 100 Räumen der Praxisgemeinschaft. Zu Fuss war der Weg zum Medikamentenlager im zweiten Stock des ursprünglichen Gebäudes sehr lang – schneller ging es unter der Strasse hindurch.

Inspiriert wurde die Ärztegemeinschaft durch Apotheken, die auf ähnliche, wenn auch nicht ganz so komplexe Rohrpostsysteme zurückgreifen. Auch das alte Lager der Medikamente wird heute sinnvoll genutzt: Hier werden heute Infusionen durchgeführt.

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