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«Der Hof gibt mir mehr, als ich ihm»

Die Zürcherin Raffaela Zaugg arbeitet einen Nachmittag pro Woche auf dem «Hof Narr» in Hinteregg. Bei den Tieren auf dem Hof findet sie Ruhe und Inspiration.

Hauptsache nahe bei den Tieren: Raffaela Zaugg geniesst die Zeit bei den Ziegen – auch wenn die Arbeit nicht glamourös ist. (Bild: Seraina Boner), Hauptsache nahe bei den Tieren: Raffaela Zaugg geniesst die Zeit bei den Ziegen – auch wenn die Arbeit nicht glamourös ist. (Bild: Seraina Boner), Hauptsache nahe bei den Tieren: Raffaela Zaugg geniesst die Zeit bei den Ziegen – auch wenn die Arbeit nicht glamourös ist. (Bild: Seraina Boner), Hauptsache nahe bei den Tieren: Raffaela Zaugg geniesst die Zeit bei den Ziegen – auch wenn die Arbeit nicht glamourös ist. (Bild: Seraina Boner)

«Der Hof gibt mir mehr, als ich ihm»

Excusez-moi madame.» Sanft schiebt Raffaela Zaugg die grosse Ziege, die vor ihr steht, zur Seite. Doch diese bleibt unbeeindruckt und streckt nur den Kopf nach den Händen der 27-Jährigen. «Das gehört eben auch zur Arbeit», sagt diese, lacht und beginnt die Ziege zu kraulen. «Die Tiere brauchen Zuneigung.» Die Ziege schliesst derweil ihre Augen und geniesst die Streicheleinheiten. 

Seit dem Sommer arbeitet Zaugg einen Nachmittag pro Woche als eine von zahlreichen Helferinnen ehrenamtlich auf dem «Hof Narr» in Hinteregg, wo das Wohl der Tiere an erster Stelle steht. «Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal vom Hof gehört», erzählt sie. Gemeinsam mit ihrer Schwester, mit der sie in Zürich wohnt, setzte sie sich schon lange mit dem Thema Veganismus und dem rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt auseinander. Auf dem «Hof Narr» fanden sie vor zwei Jahren Gleichgesinnte. 

Müde, aber glücklich

Hier haben viele Tiere ein sicheres Zuhause gefunden – fernjeder Nutzlogik. Die Ziegen, Hühner, Pferde und Schweine wurden teilweise direkt von der Schlachtbank gerettet. «Alle, die hier mit anpacken, sind auf einer Wellenlänge», sagt Zaugg. Sie schätze den Austausch mit den anderen Freiwilligen und den Hofbetreibern, Sarah und Georg Heiligtag, von denen sie viel lernen könne. Egal ob zum Thema Ernährung, Ethik oder das Leben im Allgemeinen. «Oft habe ich das Gefühl, dass der Hof mir mehr gibt, als ich ihm.»

«Ich bin die ganze Zeit im Freien, in der Kälte, im Dreck – das ist wunderbar.»

Raffaela Zaugg lebt schon seit ihrer Geburt in der Stadt Zürich, arbeitet als Assistentin für den Forschungsschwerpunkt Sprache und Raum an der Universität. Die Einsätze in Egg sind für sie ein wertvolles Kontrastprogramm. «Wenn ich jeweils am Abend nach Hause komme, bin ich zwar todmüde, aber glücklich», sagt Zaugg. Sie versuche, generell in ihrem Leben so oft wie möglich in der Natur zu sein. Die Arbeit auf dem Hof gehöre auch dazu. «Ich bin die ganze Zeit im Freien, in der Kälte, im Dreck – das ist wunderbar.» 

Tiere mit Persönlichkeiten 

Bei einem Einsatz mit der Tierschutzorganisation «NetAP», bei der sie auch schon bei diversen Aktionen mithalf, nahm sie zum ersten Mal an einem Helfertag auf dem Hof teil. «Es ist unglaublich, wie viel Arbeit auf dem Hof anfällt. Als Aussenstehende kann man das gar nicht einschätzen», sagt sie. Heute steht sie bei den Ziegen im Gehege – «die nutzen jede Gelegenheit, um Schabernack zu treiben» – füttert sie mit Heu und wischt den Mist zusammen. Die Nähe zu den Tieren ist es, die sie immer wieder in den Bann ziehe. «Durch die Arbeit lerne ich sie immer besser kennen.» Es sei faszinierend, die verschiedenen Persönlichkeiten immer stärker zu erkennen. «Sie sind unterschiedlich wie wir Menschen auch.» Besonders aufgefallen sei ihr, dass die Ziegen im Vergleich zu den Tieren in Streichelzoos extrem ruhig sind. Kaum einmal meckert eine – im Gegenteil: Sie schmiegen sich an die Besucher heran. 

uch bei anderen Tieren hilft sie mit, mistet bei den Pferden aus oder sammelt die Eier bei den Hühnern ein, die danach den Hühner-Paten überlassen werden. Der Hühnerstall hat für Zaugg dabei eine spezielle Bedeutung. «Diese Geburtsstätte ist ein magischer Ort», sagt sie, als sie zwischen den einzelnen Nischen steht und ihren Blick schweifen lässt. «Hier herrscht eine spezielle Ruhe.» Manchmal seien die Eier noch warm, wenn sie eingesammelt werden. «Jedes Ei ist ein Geschenk des Lebens, die Hühner müssen dafür viel Energie aufbringen.» Kaufe man Eier im Laden, gehe das Bewusstsein oft verloren, dass es für die Hühner in der Industrie eine Tortur sei, möglichst viele Eier legen zu müssen. «Hier können sie runterfahren und die Energie für sich selber brauchen.» 

Master in Nonprofit-Management

Obwohl sich Raffaela Zaugg seit Kindesbeinen den Tieren verbunden fühlt, hat sie bisher einen akademischen Weg gewählt. Nach ihrem Bachelor-Studium in Englischer Sprach- und Literaturwissenschaften absolvierte sie einen Master in Public and Nonprofit Management. Momentan beschränkt sich ihr Engagement aber noch auf diverse Einsätze für Umwelt- und Tierschutzorganisationen und den Hof in Hinteregg. «Hätte ich mehr Zeit, würde ich auch öfters hier arbeiten», sagt sie. Unangenehme Arbeiten gebe es für sie nicht. «Ich miste sogar gerne aus – so lange ich Kontakt zu den Tieren habe, stört mich nichts.»

Auf dem «Hof Narr» an der Güetlistrasse 45 in Hinteregg gibt es regelmässige Veranstaltungen zu Themen wie Ernährung oder Tierwohl, auch Hofführungen werden durchgeführt und Helfertage organisiert. Weitere Informationen online unter www.hof-narr.ch

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