Neuer Anlauf für öffentliches WC in Egg
Karl Dülli-Loher beschreibt die momentane Situation in Egg als unhaltbar. «Es wird ein neuer, zentraler Platz in der Gemeinde gebaut – aber ohne öffentliches WC», sagt er. «Damit wird die Zentrumsfunktion nicht wahrgenommen.» Er stimmte an der Gemeindeversammlung im September 2015 für den Kredit für den neuen Chilbiplatz in der Höhe von 1,97 Millionen Franken plus 240'000 Franken für eine öffentliche WC-Anlage. Der Kredit für den Chilbiplatz wurde trotz grosser Diskussionen angenommen, die WC-Anlage jedoch mit 287 Nein- zu 120 Ja-Stimmen abgelehnt. Die Hauptargumente gegen das öffentliche WC waren damals hohe Kosten für den Unterhalt und Sorgen wegen Vandalismus.
Mittlerweile sind die Bauarbeiten am Platz schon weit vorangeschritten, die Einweihung soll im Frühling erfolgen. Karl Dülli-Loher hofft, dass bei dieser trotz Nein an der Gemeindeversammlung ebenfalls ein öffentliches WC präsentiert werden kann. Denn er hat eine Einzelinitiative eingereicht, die erneut eine öffentliche WC-Anlage auf dem Chilbiplatz fordert. Das Geschäft ist bereits für die Versammlung im Dezember traktandiert.
Für Senioren und Familien
Eine Umfrage bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen habe gezeigt, dass ein grosses Bedürfnis nach einer öffentlichen Anlage auf dem Chilbiplatz bestehe. «Vor allem Senioren oder Familien mit Kindern sind auf dieses Angebot angewiesen», sagt Dülli-Loher. «Manche Senioren können nicht mehr weit laufen und bei Familien muss es zum Teil auch schnell gehen.» Zwar gebe es etwa im Gemeindehaus oder im nahe gelegenen Restaurant Hirschen die Möglichkeit, eine Toilette zu benutzen, aber diese Angebote seien nicht immer zugänglich. «Auch das neue Café Luusmuus, das direkt am Chilbiplatz liegt, ist nicht immer geöffnet», sagt der Egger.
«Der Gemeinderat hat wohl nur darauf gewartet, dass jemand das Thema wieder aufgreift.»
Eine Nachfrage bei der Bauherrenvertretung habe ergeben, dass ein WC ohne Probleme nachträglich eingebaut werden könnte, da die nötigen Wasseranschlüsse bereits erstellt worden seien. «Der Gemeinderat hat wohl nur darauf gewartet, dass jemand das Thema wieder aufgreift», sagt Karl Dülli-Loher. Er hat zudem den Kontakt zu Vertretern der Stadt Zürich gesucht. Deren Erfahrungen mit den anfallenden Kosten für den Unterhalt würden sich nicht mit der Summe von jährlich 26'000 Franken decken, die vor zwei Jahren vom Egger Gemeinderat genannt wurden. «Sie berichten von einem günstigeren Unterhalt, und sie betreiben hunderte solcher Anlagen», sagt Dülli-Loher. Auch in Greifensee koste der Unterhalt weniger, habe er recherchiert.
Investitionskosten gesunken
Obwohl Dülli-Loher davon überzeugt ist, dass die Unterhaltskosten für eine öffentliche Toilette tiefer sind, als vom Gemeinderat budgetiert, nennt er in seinem Initiativtext keinen Kostenrahmen. In Absprache mit dem Egger Gemeinderat hat er zugestimmt, dass für die Initiative von den Angaben für das abgelehnte Projekt von 2015 ausgegangen werden soll. Durch diverse Vorarbeiten, die bereits getätigt wurden, reduzieren sich aber die Investitionskosten. Darum musste der Gemeinderat die Zahlen trotzdem neu erheben.
Neu wurden als Investitionskosten 150'000 Franken berechnet, was eine um 90'000 Franken tiefere Summe als 2015 ergibt. Als Folgekosten werden durch die reduzierten Abschreibungen mit 47'000 Franken statt 59'600 Franken gerechnet.
So soll der Chilbiplatz nach seiner Fertigstellung aussehen. (Visualisierung: zvg)
Die Unterstellung von Karl Dülli-Loher, der Gemeinderat habe nur darauf gewartet, dass jemand das Thema wieder aufgreift, weist Gemeindeschreiber Tobias Zerobin bestimmt zurück. «Für das Dach des Pavillons auf dem Chilbiplatz brauchte es einen Aufbau. Darin untergebracht ist auch ein Disponibler Raum, der mit einem Wasseranschluss versehen ist und zum Beispiel von einem Hausabwart genutzt werden kann.» Theoretisch könnte darin auch eine öffentliche Toilette eingerichtet werden. Von einer geplanten Vorbereitung für dieses Angebot will er aber nicht sprechen.
Gemeinderat an Entscheid gebunden
Obwohl dem Gemeinderat seit der Versammlung vor zwei Jahren einige Klagen wegen fehlender WC-Gelegenheiten zu Ohren gekommen seien, verzichtet er auf eine ausführliche Stellungnahme zur Initiative von Dülli-Loher. «Der Gemeinderat ist an den Willen der Gemeindeversammlung gebunden, welche das Vorhaben bereits verworfen hat», sagt Zerobin. Es werde darum auf die Fakten verwiesen. «Es gibt gute Gründe für und gegen die WC-Anlage.» In der Gemeinde Egg stehen diverse, kostspielige Bauprojekte an. Deshalb müsse man alle neuen Investitionen auf ihre Notwendigkeit überprüfen.
«Wir müssen uns auf reale Zahlen abstützen.»
Die von Dülli-Loher kritisierten Reinigungskosten seien aufgrund von Erfahrungen einer bereits bestehenden, öffentlichen Toilette ermittelt worden. «Es ist möglich, dass der Unterhalt eines WCs im Zentrum günstiger ausfällt als in Esslingen», sagt Zerobin. «Aber wir müssen uns auf reale Zahlen abstützen.»
Stimmt die Gemeindeversammlung im Dezember der Einzelinitiative zu, müsste die Installation zügig voranschreiten, um gleichzeitig mit dem Chilbiplatz eingeweiht werden zu können. «Das wäre dann die Vorgabe, die eingehalten werden muss», sagt Tobias Zerobin. «Vom Zeitplan her sollte dies möglich sein.»
