Käthi Weber, Sie sind Pilzkontrolleurin in Uster und können dank ihrer Spezialausbildung Ärzte bei Notfällen unterstützen. Hatten Sie selber auch schon mal eine Pilzvergiftung?
Ich hatte mal eine Lebensmittelvergiftung, aber nicht wegen Pilzen, sondern wegen einem verdorbenen Fisch.
Heuer ist ein aussergewöhnlich gutes Pilzjahr, gab es auch besonders viele Vergiftungen?
Es kommen tatsächlich massiv mehr Leute in die Pilzkontrolle Uster, an manchen Tagen werde ich fast schon überrannt. Wegen einer möglichen Vergiftung wurde ich dieses Jahr allerdings erst ein Mal aufgeboten: Ein kleines Mädchen hatte Pilze in der Hand und die Mutter wusste nicht, ob es davon gegessen hatte. Aufgrund von zugeschickten Fotos und dem Ausbleiben von Symptomen bis zu jenem Zeitpunkt konnte ich schliesslich Entwarnung geben. In einem anderen Fall wurde ich hinzugezogen, weil das gesamte Personal eines Restaurants mit Verdacht auf eine Pilzvergiftung im Spital war. Aufgrund von Rüstabfällen stellte sich heraus, dass die Leute, denen sterbensübel war, einen sehr guten Speisepilz gegessen hatten. Nur hat der Küchenchef nicht gewusst, dass man den Pilz mindestens 20 Minuten kochen muss.
Was tun Sie, wenn Sie wegen Vergiftungssymptomen kontaktiert werden?
Wenn keine Reste der verspeisten Pilze vorhanden sind und Brechdurchfälle erst nach vier Stunden oder später auftreten, gehen wir immer vom schlimmsten Fall aus, also einer Vergiftung durch Knollenblätterpilze. So verliert man keine wertvolle Zeit bei der Behandlung. Es gibt zwar einen Test, der das Gift im Urin nachweist, aber bis das Ergebnis vorliegt, kann die Niere bereits geschädigt sein. Knollenblätterpilze werden nicht nur von unkundigen Sammlern gerne mit Täublingen oder Wiesenchampignons verwechselt.
Wie werden Pilzvergiftungen behandelt?
Zur Entgiftung wird Aktivkohle verabreicht und, wenn sinnvoll, wird der Magen und eventuell der Darm entleert. Anschliessend wird so lange mit Silibinin behandelt, bis der Giftnachweis negativ ist.
Wie merkt man, dass man eine Pilzvergiftung hat?
Die meisten Vergiftungen äussern sich durch starkes Erbrechen und Durchfall. Andere Symptome können Schweissausbrüche, Schwindel, Atembeschwerden, Sinnestäuschungen oder Herzrasen sein. Leichtere bis mittelschwere Vergiftungen machen sich bereits nach 30 Minuten bis zwei Stunden bemerkbar. Bei schwereren Fällen beträgt die Latenzzeit sechs Stunden bis mehrere Tage.

