«Wie die Ärzte – nur geiler!»
Es ist eng und heiss im Kühlraum der ehemaligen Käserei Roth in Uster. Denn anstatt Käse ist hier heute schweres Equipment gelagert: Gitarren, Computer und Musikboxen prägen die Szenerie. Dazwischen vier Männer, die den kleinen Raum mit ihrer Rockmusik aufheizen. Die Ustermer Band «El Rey» probt hier zwei Mal pro Woche für ihre Auftritte. Alex Hauser und Daniel Hugentobler spielen schon seit zehn Jahren zusammen in diversen Formationen. Ihre letzte Band löste sich 2011 auf, da der Gitarrist wegzog. Bassist Hugentobler spielte damals bereits mit Juri Hotz einige Jam-Sessions, den er an der Aushebung für das Militär kennen lernte. Mit Hotz an der Gitarre und Hauser am Schlagzeug war die Formation wieder komplett.
Noch eine Schicksalsstory
Obwohl Hauser seit Jahren den Part des Sängers übernimmt, war der Wunsch nach einem Frontmann, der nicht von einem Schlagzeug verdeckt wird, immer präsent. «Wir suchten lange nach einem passenden Kollegen», sagt Hauser, der als Marketingfachmann arbeitet. «Es kamen einige zum Probesingen, eine Zeit lang hatten wir auch eine Sängerin, aber irgendwie hat es nie richtig geklappt.» So begruben die Drei die Idee eines Sängers bereits wieder, als Hotz bei seiner Arbeit als Pfleger im Wagerenhof Uster Tobias Herrmann kennen lernte. «Wieder so eine Schicksalsstory», sagt Hotz und lacht. «Wir spielten gemeinsam für die Bewohner des Wagerenhofs in einer Band.»
Nachdem Hermann, der ebenfalls als Pfleger arbeitet, doch noch zum Probesingen kam, war schnell klar, dass es für alle passte. Noch immer singt Hauser bei vielen Liedern mit – als Verstärkung oder zweite Stimme. «Wir müssen die Ressourcen nutzen, die wir haben», sagt Hotz. «Quasi wie ‹Die Ärzte› – nur geiler!»
Zu viert nahmen sie Anfangs 2016 drei Lieder als Demo-Versionen auf. Die Songs, die «El Rey» heute noch spielt, stammen alle aus der gemeinsamen Zeit. «Bei uns schreiben alle an den Liedern mit», sagt Hugentobler, der als Informatiker arbeitet. «Viele Grundideen für die Musik bringt Juri, die Texte kommen eher von Alex und mir.» Im Kollektiv wird daran gefeilt. «Wenn die Leute unsere Musik hören, sind sie oft überrascht», sagt Hotz und lacht. «Wir erhalten immer wieder die Rückmeldung, dass wir für unser Aussehen viel zu bösen Sound machen!»
Plötzlich Frontmann
Der erste gemeinsame Auftritt fand im Frühling statt. «Wir mussten uns zuvor als Band erst finden», sagt Hugentobler, der als einziger nicht in Uster, sondern in Winterthur wohnt. Nach der Zeit der Suche nach einem Sänger hätten alle wieder neuen Anlauf für die Herausforderungen auf der Bühne sammeln müssen. «Es ist natürlich nicht der einfachste Einstieg, in eine bereits bestehende Band zu kommen, die genau weiss was sie will, und dann gleich Frontmann sein», sagt Hotz. Für Sänger Herrmann zudem eine spezielle Situation, da er selber eigentlich Gitarre spielt. «Ich musste mich daran gewöhnen, ohne Instrument auf der Bühne zu stehen. Aber vielleicht kommt das ja wieder.»
Seit dem ersten Gig im Frühling treten sie regelmässig an verschiedenen Veranstaltungen auf – oftmals mit der befreundeten Band «Aby’s Dice» zusammen. «So eine gegenseitige Unterstützung ist schon cool, das gibt einfach mehr Zuschauer», sagt Hugentobler. «Sie unterstützten uns an Konzerten, die wir organisieren, und umgekehrt.» So etwa morgen Freitag im gRaum in Uster, wo beide Bands je ein Konzert spielen.
In Sparte gefangen
Der Konkurrenz in der Schweiz sind sich die Vier bewusst, es sei denn auch nicht das Ziel, von der Musik leben zu können. «Wir wollen uns zwar mehr etablieren, aber das ist mit unserem Stoner-Rock schwierig. Da stecken wir schon zu fest in einer Sparte», sagt Hugentobler. Es soll einfach Spass machen, da sind sich alle einig. «Im Hallenstadion zu spielen wär zwar schon cool – vielleicht mal als Vorband», sagt Hauser und lacht. Lea Chiapolini
«El Rey» spielt morgen Freitag um 20.30 Uhr im gRaum Uster an der Florastrasse 49. Danach folgt das Konzert von «Aby’s Dice».
