«3,2 Promille - nöd schlächt!»
Man hört schon von weitem die Schlagermusik, die aus der Landihalle Uster dröhnt. Am Oktoberfest Züri-Oberland fliesst auch in diesem Jahr das Bier in Strömen. Matthias, ein strammer Bursche aus Fehraltorf, hat um 20 Uhr bereits zwei Mass intus. Den Alkoholgehalt in seinem Blut schätzt er auf 0,8 Promille.
Hüpfend mit 0,23 Promille
Corinne aus Bauma, die wohl nur halb so viel wiegt wie er und bereits wild herumhüpft und mit den Schlagern mitsingt, schätzt ihren Pegel nach einem Mass allerdings nur auf 0,1 Promille ein. Während das Gerät bei Matthias sogar 1,2 Promille anzeigt, scheint Corinne tatsächlich abgehärteter zu sein mit 0,23 Promille. «Denn isch ja alles guet», ruft sie fröhlich und hüpft wieder von dannen.
Michi aus Hittnau, der dem Körperbau von Matthias entspricht, scheint nicht allzu oft über den Durst zu trinken. Nach nur eineinhalb Mass glaubt er, bereits ein Promille Alkohol im Blut zu haben. Ein Wert, der nicht normal für ihn sei, aber einem Oktoberfest gerecht. Wir müssen ihn fast enttäuschen, bei ihm wir ein Wert von 0,83 angezeigt. Er darf also noch munter weitertrinken. «Das mache ich sowieso!», sagt er und lacht.
Das Reporterteam von Züriost nahm die Festbesucher unter die Lupe. (Video: Simon Grässle)
Caroline erzählt, dass sie vor einer Woche in eine Polizeikontrolle gekommen ist, und nach zwei Gläsern Weisswein ein Wert von 0,1 Promille angezeigt wurde. Demnach schätzt die Greifenseerin ihren Pegel heute nach einem normalen Bier und zwei grossen Mass Panache auf 0,3 Promille. Wohl etwas zu optimistisch: 0,7 Promille werden angezeigt.
Höchstwerte nach einem Schluck
Jennifer aus Wetzikon hält eine kleine Mass mit einer klaren Flüssigkeit in der Hand. Wasser? «Ja genau», sagt sie und lacht. «Gsprützte Wisse!» Es sei ihr erstes Oktoberfestbesuch, doch bleibe sie dem Bier abgeneigt. Bei ihrer Messung wird ein Wert von 1,34 Promille angezeigt. Der Schock ist ihr ins Gesicht geschrieben. Sie hatte selber 0,3 Promille geschätzt.
Aber hier eine Entwarnung: Wer gerade einen Schluck genommen hat, erreicht Höchstwerte, die man wohl kaum überleben würde. Jennifer bietet uns darum an, in einer halben Stunde noch einmal bei ihr vorbei zu kommen – verwirft die Idee aber wieder, als ihr bewusst wird, dass sie dann 30 Minuten nicht trinken darf.
Auto bleibt zu Hause
Wohl verzerrte Werte messen wir bei David aus Jona, der zuerst behauptet, erst eine Mass getrunken zu haben. «Oder zwei, drei, vier – ich weiss es nicht mehr.» Er schätzt seinen Pegel auf «schüüchi 1,3 Promille». Er habe zwar schon länger keinen Schluck Bier mehr genommen, trotzdem zeigt das Gerät 3,2 Promille an. «Nöd schlächt!», sagt er stolz. Er wird wohl den Schluck, den er gerade vor einer halben Minute genommen hat, bereits vergessen haben…
Auch der Züricher Nationalrat Mauro Tuena hat sich an diesem Abend unter das Volk in der Landihalle gemischt. Er habe schon drei Jägermeister getrunken, aber kaum Bier. Seinen Pegel schätzt er auf 0,3 Promille ein. «Ich habe eigentlich vor, am Schluss des Abends noch gehen zu können», sagt er. Die gemessenen 0,54 Promille lassen ihn zwar kurz das Gesicht verziehen. Aber: «Das liegt ja noch drin, denn ich bin selbstverständlich nicht mit dem Auto da», sagt er und lacht.
Mit dem Auto geht heute sicher niemand mehr nach Hause. Aber für diese Erkenntnis braucht es am Oktoberfest nicht extra einen Alkoholtest.
