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Hinter jedem Farbmuster steckt die innere Logik

Ab heute stellt die Ustermer Künstlerin Marianne Theis in der Villa am Aabach aus. Als roter Faden durch ihr vielschichtiges Werk zieht sich die Liebe zum Konstruktiven – auch bei ihren Reiseimpressionen.

Marianne Theis in ihrem Atelier in Uster. (Bild: Seraina Boner), Marianne Theis in ihrem Atelier in Uster. (Bild: Seraina Boner)

Hinter jedem Farbmuster steckt die innere Logik

Eine zweiwöchige Reise durch den hohen Norden: Manche kommen davon mit einem Koffer voller Souvenirs nach Hause. Marianne Theis aber kehrt mit einer schier endlosen Quelle an Inspiration zurück. Inspiration, die die Künstlerin daheim in Uster als Malerei umsetzt. So jedenfalls ist es ihr ergangen, als sie die zweiteilige Bilderserie «Nordische Geheimnisse» geschaffen hat.

Wie zwei Erzählungen in hieroglyphischer Sprache sehen die beiden Acrylbilder auf den ersten Blick aus: In einer strengen Linie hat Theis unzählige Tier- und andere Symbole angeordnet – mal in einer kreisförmigen, mal in einer eckigen Spirale. «Die Symbole habe ich auf meiner Reise gesammelt», sagt Theis. Es seien dies die Symbole des Volks der Samen, der traditionellen Rentierzüchter aus dem Norden Skandinaviens. «Durch meine Begeisterung für die Kalligrafie bin ich darauf aufmerksam geworden», sagt sie.

Die «nordischen Geheimnisse» von Theis sind ab heute in der Villa am Aabach in Uster zu sehen. Dort stellt die 71-Jährige bis Sonntag ihre neusten Bilder aus. Form und Farbe, im Stil des Konstruktiven zum Ausdruck gebracht – dies sind die Nenner, auf die sich die Kunst von Theis kürzen lässt. Und das bei aller Vielschichtigkeit, die ihr Schaffen charakterisiert.

Muster mit Bedeutungen

Die nach streng geometrischen Gesetzmässigkeiten gruppierten Elemente von Form und Farbe, die sich durch Theis‘ Werk ziehen, scheinen das Kunstwerk an sich auszumachen. Eine Bedeutung, die sich hinter den abstrakten Motiven verbirgt, lässt sich erst nicht erahnen. Genau dies ist aber bei vielen von ihren Werken der Fall – und macht deren Vielschichtigkeit zum einen aus. Die Künstlerin spricht hierbei von «konstruktiver Poetik». Wie die «nordischen Geheimnisse» erzählt das Ölbild «Silk Road» – es ist jenes, das Theis für die Einladungskarte zu ihre Ausstellung gewählt hat – von Reiseeindrücken. «Die Ornamente innerhalb der Ellipsen nehmen die Muster der islamischen Bauten von Usbekistan auf», sagt sie. Symbole in blauen Kreisen wiederum stehen für Baumwolle – ein in dem asiatischen Land wichtiges Produkt. Und die perforierte Optik dieser Symbole referiere auf besondere Stempel: Solche, wie sie die usbekischen Familien benützen, um damit ihre selber gebackenen Fladenbrote zu kennzeichnen.

Aber auch in den konstruktiven Werken, die ganz auf Flächen und Linien reduziert sind, folgen Abstände, Farbverläufe und Raumeinteilungen einer bestimmten Logik. An Entwürfen aus Packpapier tüftle sie so lange, bis Form und Farbe für sie optimal zusammenpassen. «Dafür brauche ich absolute Ruhe und Konzentration», sagt die gelernte Grafikerin, die erst Fotografin werden wollte.

Wechsel im Medium

Zehn Jahre hat Theis als Grafikerin in der Werbung gearbeitet, ehe sie sich 1978 ganz für die Kunst entschied. 1982 gründete sie mit anderen die Künstlergruppe Uster, der sie bis 2008 angehörte. Heute ist sie unter anderem Mitglied der Künstlervereinigung Zürich und von Visarte Zürich.

Die Grafikerin ist freilich auch in ihrem Kunstschaffen noch präsent. Dieses zeigt seine Vielschichtigkeit darin, dass es nicht einer einzigen Gattung zuzuordnen ist. «Ich liebe das Wechselspiel zwischen den Medien», sagt Theis. Hoch-, Tiefdruck und Fotografie sind Bereiche, mit denen sie sich neben der Malerei häufig beschäftigt. Die Linoldruckserie «Diario Peruano y Boliviano» etwa nimmt Reiseimpressionen auf eine ganz andere Art auf als die eingangs erwähnten Malereien. Theis zeigt in der Bearbeitung von bekannten und weniger bekannten Motiven der südamerikanischen Länder, dass sie eigentlich überall auf Inspiration stösst. «Ich bin noch voller Ideen», sagt sie denn auch mit einem Lachen.

Das Unbekannte im Bekannten aufspüren – dies war etwa ihre Idee während längeren Aufenthalten in Paris, der Stadt, «in der mich alles fasziniert». Plätze, die Seinebrücken und die Gemäuer berühmter Sehenswürdigkeiten hat sie aus ungewohnter Perspektive fotografiert und künstlerisch bearbeitet, so dass sie die Verschiedenartigkeit von Strukturen offenbaren. Diese älteren Arbeiten stellt sie in der Villa am Aabach zwar nicht aus. Dafür aber die Serie «Verano rojo»: In ihr rückt sie die sonst gern übersehenen Blütenstände von Mohnblumen auf originelle Weise in den Fokus. (Andrea Baumann)

Die Ausstellung dauert noch bis Sonntag, 1. Oktober. Mittwoch bis Freitag: 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr in der Villa am Aabach an der Brauereistrasse 13.

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