«Es schien gerade so, als würde in Uster nicht mehr gestorben», sagt Silvia Trüssel, Pfarrerin in der Reformierten Kirchgemeinde Uster. «Dabei zeigten die Beerdigungen doch klar ein anderes Bild.» Silvia Trüssel spricht damit den Entscheid des Stadtrats an, die amtlichen Bestattungsanzeigen nicht mehr im ZO/AvU zu publizieren, sondern nur noch online auf der Website der Stadt. Mit dieser Massnahme verbunden waren Einsparungen von 20‘000 Franken pro Jahr. Anfang Juli wurde der Entscheid umgesetzt.
«Wir haben diverse Rückmeldungen von unseren Gemeindemitgliedern im Zusammenhang mit Beerdigungen oder an Altersheimgottesdiensten erhalten», sagt Silvia Trüssel. Die Leute hätten sich darüber geärgert, dass die Bestattungsanzeigen nicht mehr in der Zeitung veröffentlicht wurden. Und sie wie auch die anderen Mitglieder des Kollegiums hätten die Aufregung verstehen können.
In einem Leserbrief im ZO/AvU schrieben die reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer von Uster deshalb: «Die Nennung der Namen ist auch ein letztes Zeichen der Wertschätzung gegenüber unseren verstorbenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Das braucht eine gewisse Öffentlichkeit und kann nicht einfach dem Rotstift zum Opfer fallen.» Weitere Leserbriefschreiber bezeichneten den Entscheid als «Bieridee» oder «Schildbürgerstreich». Und auch auf der Stadtverwaltung gingen mehrere Beschwerden ein.
« Abschied nehmen ist wichtig »
«Es gibt halt immer noch viele Senioren, die sich mit Computer und Internet nicht auskennen», sagt Silvia Trüssel, und die Bestattungsanzeigen seien online tatsächlich schwer zu finden. «Dabei ist es für die Menschen sehr wichtig zu erfahren, wer gestorben ist. So ist es möglich, Abschied zu nehmen, selbst wenn jemand aufgrund von Altersbeschwerden nicht mehr an Beerdigungen gehen kann.»

