Neues Geschäft für Kunsthandwerk
Wäre diese Schildkröte ein lebendiges Exemplar – sie ginge wohl besonders erhaben durchs Leben. Kommt ihr Panzer doch einer reich verzierten Krone gleich, einem Gebilde aus geometrisch gemusterten Türmchen. Nicht die Natur hat das Tier erschaffen, sondern die Ustermerin Aleith Koh – in aufwendiger Arbeit aus einer Modelliermasse.
Diese und weitere fantasievolle Kreationen machen einen guten Teil des Sortiments aus, das Koh und ihre Geschäftspartnerin Ivi Signer seit März zum Verkauf anbieten. «Nr. 13» steht schlicht und einfach über dem Eingang zu ihrem Geschäft in Uster – in Anlehnung an die Hausnummer an der Talackerstrasse.
Auch Kurse im Angebot
Auf den ersten Blick sind Kohs modellierte Werke lediglich nicht alltägliche Dekorationsobjekte. Auf den zweiten Blick aber offenbaren viele von ihnen ein überraschendes Innenleben, entpuppen sich als Aufbewahrungsdosen. Die genannte Schildkröte etwa verbirgt unter ihrem Panzer neun Fächer – gerade so gross, um Fingerringe oder andere Schmuckstücke aufzubewahren.
Modellierte Gegenstände, die sich symbiotisch mit einer Wurzel oder einem Stück Holz verbinden, sind eine weitere Spezialität von Kohs Schaffen, wie auch Spiegel, die von modellierten Tieren umrandet sind – 63 Fische hat die Ladeninhaberin etwa für den Rahmen eines Wandspiegels kreiert. Daneben bietet sie Tusch- und Bleistiftzeichnungen, Stoffbilder und weitere Werke an.
Täglich vorbeispaziert
Koh verkauft aber nicht nur, sie unterrichtet auch. Sei dies im Modellieren, Zeichnen oder in einer anderen Technik, für Anfänger oder Fortgeschrittene – sie richte ihre Kurse nach den Vorstellungen der Interessenten aus. Und nicht nur Koh bietet diese Möglichkeit, auch die am Geschäft beteiligte Ivi Signer. Die Finnin ergänzt Kohs Sortiment mit Tischen, Lampen und weiteren Gegenständen, die in der Mosaiktechnik gearbeitet sind, mit Kunstproduktionen aus Recyclingmaterial und mit einer Abteilung für erlesene Secondhandkleider. Dazu kommen weitere Artikel, die auf Kommission verkauft werden.
Mit dem Laden hat sich Koh einen seit Längerem gehegten Wunsch erfüllt. «Jeden Tag bin ich auf meinem Arbeitsweg an dieser Lokalität vorbei gegangen», sagt sie, «und dabei dachte ich mir, hier ein Geschäft für Kunsthandwerk zu eröffnen, wäre toll.» Ein schöner Zufall sei es gewesen, als der Laden dann tatsächlich zur Miete frei stand und sich zudem die Zusammenarbeit mit Signer ergab. «Allein wollte ich das Geschäft nicht tragen, vor allem aus finanziellen Gründen», sagt Koh – sei doch der Nachteil der Ladenlage ihre schwache Frequentierung.
Endlich der Kunst widmen
Bis zu ihrer Pensionierung im nächsten Juni hat Koh «Nr.13» nur auf Anfrage geöffnet. Dass sie die danach frei werdende Zeit mit Kreativität ausfüllen wird, ist fast schon eine logische Folgerung ihres Lebenslaufs, der seit Kindheit durch die Leidenschaft Zeichnen geprägt war und der dann mit der Ausbildung zur Fashion-Designerin an der Kunsthochschule Zürich und einer mehrjährigen Tätigkeit im Modeeinkauf seine Fortsetzung fand. Nicht immer in ihrem weiteren Berufsleben hat sich die zweifache Mutter und früh Verwitwete indes auch noch der Kunst widmen können. Das soll sich nun mit «Nr.13» wieder ändern, und nicht zuletzt möchte Koh mit dem Geschäft einen Beitrag an die Ladenvielfalt von Uster leisten. (Andrea Baumann)
