Neues Familienzentrum im Egger Dorfkern
«Wir warten noch auf die grosse Lieferung mit den Spielsachen», sagt Nadia Mills. Doch wirklich Sorge scheint ihr dieser Umstand nicht zu machen. Aufgeregt lässt sie ihren Blick durch die Räume des Familienzentrums «Luus Muus» in Egg schweifen, wo momentan noch fleissig eingerichtet und vorbereitet wird. Denn am Wochenende soll alles für die grosse Eröffnung bereit sein. «In der Stadt gibt es viele Gemeinschaftszentren», sagt Mills, die vor fünf Jahren mit ihrer Familie von Zürich nach Egg zog. «Doch gerade hier, wo die Gemeinschaft noch wichtiger ist, gibt es weniger Angebote.» Darum will sie mit «Luus Muus» eine Begegnungszone für alle Generationen schaffen.
«Wunderbare Freundschaften»
Das Angebot reicht von Senioren-Yoga über Kung Fu bis zu Kunst- und Theaterlektionen. Nadia Mills wird vor allem in der zweisprachigen Spielgruppe beschäftigt sein. Die Tochter einer Schweizerin und eines Iren wuchs in einem zweisprachigen Haushalt in Kalifornien auf. Vor 10 Jahren kam sie in die Schweiz und unterrichtete an der Intercommunity-School in Zumikon, bevor ihre beiden Töchter auf die Welt kamen. «In dieser Schule durfte ich einen Hort eröffnen. Dabei stellte ich fest, dass Kinder verschiedensten Alters wunderbar miteinander spielen können», sagt sie. Dort standen allen Kindern die gleichen Spielsachen zur Verfügung. «Es braucht gar nicht für jedes Alter eigenes Material», ist Mills überzeugt. «Durch das gemeinsame Spielen entstehen wunderbare Freundschaften.»
Dies soll auch im «Luus Muus»-Familienzentrum möglich sein. Jeweils am Nachmittag wird das Zentrum für einen Unkostenbeitrag als grosser Spielplatz dienen mit Bastel-, Mal- und Puppenecke. Obwohl das Angebot zweisprachig ist, sind sowohl in der Spielgruppe als auch bei den restlichen Kursen Personen willkommen, die kein Englisch sprechen. «Gerade bei den Kindern macht es gar nichts aus, wenn sie mit einer Sprache in Berührung kommen, die sie eigentlich nicht verstehen», sagt die Expertin in Didaktik und Kinderpsychologie. «Dadurch entwickeln sie ein natürliches Sprachgefühl und werden später fremde Sprachen schneller lernen können.»
Mehr als ein Café
In Egg gebe es viele Familien, die zuhause Englisch sprechen. «In Zumikon gehen 800 Schüler in die Intercommunity-School, von denen kommen zahlreiche auch aus Egg», sagt Mills. Zudem würden in der Gemeinde weiterhin viele neue Wohnungen entstehen, die bestimmt auch Expats anziehen werden. «Für solche Familien soll «Luus Muus» ein Ort zum Kontakte knüpfen sein.»
Das zum Familienzentrum gehörende Café wird vom Neuseeländer Samuel Steevens geführt, der seit einigen Jahren in Zürich lebt. Zwar gäbe es mehr als nur Kaffee und Kuchen, doch die Atmosphäre soll so locker wie möglich sein. «Mehr als nur familienfreundlich», sagt Steevens. Darum habe man sich auf die Bezeichnung Café geeinigt. Am Wochenende sollen auch Brunch-Menüs angeboten werden. Wo auch immer möglich, würden die Zutaten von Lieferanten aus der Region bezogen.
Auch für Samuel Steevens ist die Sprache ein wichtiges Thema. «Ich kann ein bisschen Deutsch», sagt er mit einem Strahlen im Gesicht. Trotzdem wird er im Deutschkurs, der im Familienzentrum bald angeboten wird, der erste Schüler sein, fügt er auf Englisch hinzu.
Das «Luus Muus»-Familienzentrum und -Café feiert am Samstag und Sonntag, 9. und 10. September, je ab 9 Uhr Eröffnung. Für die Spielgruppe gibt es noch freie Plätze. www.luusmuus.ch
