Tierärztin ohne Apparate und Medikamente
Mancher Tierbesitzer kennt die kleinen oder grossen Dramen. Wenn sich ihm sein Hund oder seine Katze mit ganzem Körpereinsatz widersetzt, dann steht meist ein Besuch beim Tierarzt an – wo sich Schmerzen und Angst mitunter noch verstärken. Auch Franziska Hauswirth ist dies nur zu vertraut. Lange hat sie als Kleintierärztin gearbeitet, das Problem damit von dieser Seite her gekannt. Mitunter spürte sie dann, dass sie als Schulmedizinerin keine zufriedenstellende Hilfe bieten konnte und an ihre Grenzen stiess. Dabei wurde ihr Interesse an komplementären Behandlungsmethoden geweckt. Das Gefühl, dass «mehr machbar sein müsste», trieb sie an. Doch wie? Die Antwort kam durch den Hinweis ihrer Schwester, einer Palliativmedizinerin, und schlug ein «wie der Blitz».
Osteopathie war das Zauberwort. Eine Therapieform mit dem Credo: Krankheit entsteht, wo Bewegung gestört ist. Hauswirth absolvierte eine auf Veterinäre zugeschnittene Ausbildung. Mangels geregelter Lehrgänge in der Schweiz reiste damals regelmässig ins deutsche Frankfurt. Seit zwei Jahren ist die 47-Jährige nun ausschliesslich als Osteopathin tätig. Vor kurzem hat sie ihre Praxis von Schwerzenbach nach Maur verlegt.
Tier entspannt sich
Ein Besuch in den Räumlichkeiten an der Rellikonstrasse soll die Frage klären, was Osteopathie überhaupt ist. Patientin ist die belgische Kurzhaarschäferhündin Laska. Ihre Bewegungen seien nicht ganz rund, sagt ihre Besitzerin, die Männedörflerin Manuela von Muralt. Eine Kürzung des Schwanzes als Folge eines Unfalls und eine lange Karriere im Agility gehören zur Vorgeschichte des Tiers. Dieses setzt sich ohne Aufforderung auf den Behandlungstisch – ein erster frappanter Unterschied zum schulmedizinischen Untersuch. Weitere folgen: Keine Apparate und Medikamente kommen zum Einsatz. Dafür umso mehr die Hände Hauswirths: Sie suchen den ganzen Tierkörper nach blockiertem Bindegewebe ab.
Statt von Blockaden spricht Hauswirth lieber von verklebten Faszien. Als das Gewebe, das «wie das Weisse bei einem Braten» Muskeln, Knochen und Sehnen überzieht, könne man die Faszien beschreiben. Würde man sie aus dem Körper entfernen, würde er in sich zusammenfallen. «Verklebte Faszien fühlen sich an wie ein Falt in einem Stoff», erklärt Hauswirth. Folge man mit den Händen diesem Gefühl des Falts, dann gelange man an den Punkt, der die Verspannungen bewirke. Dieser könne weit weg von der schmerzenden Stelle sein und diesen gelte es, zu lösen. Wie gut das tut, kommentiert Laska mit eigentümlichen Brummlauten. Sie streckt und dreht sich sichtlich wohlig auf den Rücken, lässt ihre Pfoten hängen. Hauswirth nimmt Verspannungen bis zum obersten Halswirbel wahr – weit entfernt also vom schmerzenden Schwanzende.
Limitierter Aufgabenbereich
Nicht nur muskuläre Leiden liessen sich so lösen. «Traumatisierte Tiere zeigen eine Daueranspannung; durch Ausgleichshaltungen können dann körperliche Symptome entstehen», sagt Hauswirth. Entzündungen indes, akute Krankheiten und Notfälle gehörten nicht zum Aufgabenbereich von Osteopathen. Es sei wichtig, mit der Schulmedizin anderen Fachrichtungen zusammenzuarbeiten, betont sie. Wie ein Jungtier springt die 10-jährige Laska nach der gut stündigen Behandlung auf. Dies zu sehen, sei für sie das grösste Kompliment, sagt Hauswirth. (Andrea Baumann)
Weitere Informationen zur Arbeit von Franziska Hauswirth auf ihrer Website www.tiop.ch.
