«Ich kämpfe dafür, in der Schweiz bleiben zu können»
Dzejla Ledinic aus Winterthur ist am Boden zerstört. Die 17-Jährige soll Ende September, zusammen mit ihrer Mutter und zwei jüngeren Geschwistern, aus der Schweiz ausgewiesen werden. Grund: Die Mutter bezog über zwei Jahre zu viel Sozialhilfe. Dies wurde kürzlich durch «20 Minuten» bekannt, nun sprach auch «Züriost» mit der jungen Winterthurerin.
Keinen Bezug zum Geburtsland
Ein Rückblick. Dzejla Ledinic kam als Dreijährige, zusammen mit ihrer Mutter Sakeca Ledinic 2003 in die Schweiz nach Winterthur. Der Vater verstarb, als Dzejla Ledinic noch nicht auf der Welt war. Sie besuchte hier den Kindergarten und die Volksschule. Nach Abschluss der Sekundarschule machte die 17-Jährige das zehnte Schuljahr und absolvierte ein Praktikum zur Fachfrau Betreuung.
Mittlerweile befindet sich Dzejla Ledinic im ersten Lehrjahr auf diesem Beruf und wird in wenigen Monaten volljährig. «In der Schweiz kann ich mir eine Zukunft vorstellen, denn hier habe ich mein soziales und berufliches Umfeld. Zu Montenegro habe ich keinen Bezug», berichtet die Winterthurerin.
Der Lebensmittelpunkt ist hier
Wie konnte es so weit kommen? Im Jahr 2008 und 2010 wurde Sakeca Ledinic noch einmal schwanger, von einem Montenegriner. Die Beziehung hielt nicht, der Mann hat heute keinen Kontakt zu seinen zwei Kindern. In der Schweiz heiratete Sakeca Ledinic einen Schweizer, liess sich aber von diesem scheiden.
2015 kam der Brief, der über die Ausweisung informierte. Dzejla Ledinic las diesen ihrer Mutter vor. «Als ich merkte, worum es ging, brach ich in Tränen aus», erzählt die Lernende.
Eine Welt bricht zusammen
Für die 17-Jährige brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Sie weine fast jeden Tag und wisse nicht, wie mit der Situation umzugehen sei. «Ich habe meinen Lebensmittelpunkt hier in der Schweiz. Das hier ist mein Heimatland, nicht Montenegro.»
Sie spreche kaum serbisch, Deutsch sei ihre Landessprache. «Ich wüsste nicht, wie ich mich dort zu Recht finden soll», fügt Dzejla Ledinic mit Tränen in den Augen an.
Vormundswechsel wurde beantragt
Die Hoffnung hat sie aber noch nicht ganz aufgegeben. Entscheidet das Obergericht, dass es sich beim Fall Ledinic um einen Härtefall handelt, darf die 17-Jährige hier bleiben. Wird dies nicht der Fall sein, liegt die letzte Hoffnung bei der KESP. «Wir haben eine Vormundschaftsübergabe beantragt» so Dzejla Ledinic.
Eine Freundin der Mutter habe sich bereit erklärt, den Vormund über Dzejla Ledinic zu übernehmen – dann könnte sie in der Schweiz bleiben. Ihre Mutter wisse, dass es für sie selber und die zwei kleinen Geschwister von Dzejla unmöglich sei, hier zu bleiben. Deshalb kämpfe sie umso mehr für den Verbleib ihrer Tochter.
«Meine Mama wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ich hier bleiben und meine Ausbildung abschliessen kann», berichtet die Lernende. Und fügt an: «Die Schweiz ist meine Heimat. Ich kämpfe dafür, hier bleiben zu können.»
«Eine menschenfeindliche Praxis»
Der Fall von Dzejla Ledinic beschäftigt unter anderem auch die JUSO Winterthur. Auf Facebook machte die Partei ihrem Ärger Luft. «Die geplante, völlig willkürliche Ausschaffung einer 17-Jährigen aus Winterthur schockiert und erzürnt uns zu tiefst», postete die Jungpartei am Donnerstag, dem 31. August.
Sie wolle an der Vollversammlung, welche am selben Abend stattfand, darüber diskutieren, was gegen « diese menschenfeindliche Praxis» unternommen werden kann. Dzejla Ledinic zeigt sich erfreut über die Unterstützung. «Es bedeutet mir sehr viel, dass so viele Menschen hinter mir stehen.»

