Ein weiteres Jahr ohne Stars
Morgen beginnt das Open Air am Greifensee. Dem Vernehmen nach lief der Vorverkauf nicht so berauschend. David Karrer, Sie sind für das Booking zuständig: Beunruhigt Sie das?
David Karrer: Wir haben nichts anderes erwartet. Weil es keine grosse Namen im Programm gibt, haben die Leute keine Angst, dass es ausverkauft ist. Ich selber mache das ja auch so, wenn ich an kleine oder mittelgrosse Festivals gehe: Da bin ich spontan und schaue, wie das Wetter ist. Zuletzt lief der Vorverkauf ohnehin recht gut.
Sie haben es angesprochen: Auch dieses Jahr fehlen die grossen Namen. Hat es Sie nicht gereizt, einen internationalen Act nach Greifensee zu holen?
Natürlich, solche Überlegungen waren da, und wir hatten auch die eine oder andere Option, haben uns letztlich aber dagegen entschieden.
«Wenn man eine bekannte Band buchen will, ist das unglaublich kompliziert.»
David Karrer, Open Air am Greifensee
Sitzt euch noch der Verlust in den Knochen, den das Open Air mit Künstlern wie Sinead O’Connor oder Patent Ochsner eingefahren hat?
Das war zwar vor meiner Zeit, aber ja, solche bekannten und auch teuren Musiker erhöhen das finanzielle Risiko natürlich massiv. Und auch der Aufwand ist grösser. Wenn man eine bekannte Band buchen will, ist das unglaublich kompliziert – ein dauerndes Hin und Her. Und dann muss man Hotels organisieren und bekommt eine lange Liste mit den Wünschen der Musiker. Gleichzeitig haben wir uns gesagt: Es gibt so viele gute Bands in der Schweiz, wieso sollen wir denen nicht eine Chance geben?
Letztes Jahr kamen mit diesem Konzept an zwei Tagen rund 5000 Leute ans Open Air. Daran wollen Sie anknüpfen?
Ja, die diesjährige Ausgabe wird im ähnlichen Rahmen ablaufen. Die Seebühne, auf der letztes Jahr während der Umbaupause verschiedene Künstler aus dem Bereich Singer/Songwriter gespielt haben, ist zum Beispiel sehr gut angekommen. Wir sind aber auch nicht enttäuscht, wenn diesmal weniger Leute kommen. 2016 war mit der Jubiläumsausgabe 15 Jahre Open Air am Greifensee schon etwas besonderes.
Nach wie vor ist der Freitag kostenpflichtig und der Samstag gratis. Bleibt es auch in Zukunft dabei?
Das ist Tradition am Open Air Greifensee. Wir diskutieren, ob wir das ändern wollen. Wir könnten an beiden Tagen Eintritt verlangen – oder gleich das ganze Festival gratis machen. Denn der Eintritt macht nicht den grössten Teil der Einnahmen aus, sondern der Umsatz mit Getränken und Essen sowie das Sponsoring.
Programm: So viele Bands wie noch nie
16 Bands und Solokünstler werden am Freitag und Samstag auf zwei Bühnen am Open Air am Greifensee auftreten – so viele wie noch nie. Die Headliner am Freitag sind die soulige Alina Amuri und die Rätoromanen-Rapper Liricas Analas. Am Samstag drücken The Souls indiemässig aufs Gas und De Luca & The Dubby Conquerors verbreiten italo-karibische Stimmung. Am Samstagnachmittag tritt zudem der französische Akrobat Michel auf. Dazu gibt es diverse Foodstände und eine Chillout-Lounge. Weitere Infos gibt es hier.

