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«Die Prinzessin vertraute mir»

Vor 20 Jahren starb Lady Diana, Princess of Wales, in Paris bei einem Autounfall. Damals war der Ustermer Jason Steele ihr Fitnesstrainer. Im Interview blickt er auf die Zeit mit Lady Di zurück und welche Folgen ihr Tod für ihn hatte.

Jason Steele arbeitet noch heute als Personal Trainer. (Bild: Nicolas Zonvi), Jason Steele arbeitet noch heute als Personal Trainer. (Bild: Nicolas Zonvi), Jason Steele arbeitet noch heute als Personal Trainer. (Bild: Nicolas Zonvi), Jason Steele arbeitet noch heute als Personal Trainer. (Bild: Nicolas Zonvi)

Nicolas Zonvi

«Die Prinzessin vertraute mir»

Wie wird man Personal Trainer von Lady Diana?
Jason Steele: Sie besuchte das Fitnesscenter in London, in dem ich arbeitete. Ich kümmerte mich eigentlich um einen anderen Kunden, der wie sie vor den offiziellen Öffnungszeiten ins Training kam, um mehr Privatsphäre zu haben. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Da das Center aber relativ klein ist, waren wir jeweils nicht weit voneinander entfernt und es kam auch oft zu Gesprächen. Wir hatten es immer lustig miteinander und ich hatte mich gefreut, als ich die Anfrage erhielt, ihr Personal Trainer zu werden. Das erste gemeinsame Training war dann schon etwas spezieller. 

Waren Sie nervös?
Im normalen Training nicht. Wir hatten einen normalen Umgang und ich nannte sie nicht etwa Lady, sondern beim Vornamen, wie in meiner Branche üblich. Erst später gab es Situationen, die mich etwas ins Schwitzen brachten. So schauten wir etwa manchmal während des Trainings Fernsehen und da wurde natürlich auch über das Königshaus berichtet. Wenn im Beitrag ein Kommentar über Dianas Figur fiel, war ich schon angespannt und wartete ihre Reaktion ab, bevor ich etwas sagte. Doch sie nahm solche Nachrichten immer mit Humor. Da wurde mir erst richtig bewusst, wie vorsichtig man sein muss, wenn man die ganze Zeit beobachtet wird. 

«Damals hatte noch nicht jeder ein Handy in der Hosentasche, mit dem man Bilder machen kann.»

Mussten Sie eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, als Sie mit dem Training begannen?
Bei anderen Kunden gab es solche Verträge, bei Diana aber nicht. Sie vertraute mir. Vertrauen wird in meinem Beruf gross geschrieben. Bei unserem ersten Treffen wartete ihr Fahrer und Bodyguard noch bei der Reception des Fitnessstudios, danach blieb er jeweils im Auto. 

Wer wusste überhaupt von Ihrer prominenten Kundin?
Neben dem Besitzer des Fitnesscenters und einigen Mitgliedern nur meine Eltern. 

Und die Paparazzis?
Die standen natürlich immer vor der Tür. Aber es kam nie zu Zwischenfällen. Damals hatte noch nicht jeder ein Handy in der Hosentasche, mit dem man Bilder machen kann. Es wäre schwierig gewesen, eine richtige Kamera an der Reception vorbei zu schmuggeln. Wir hatten verschiedene Celebrities als Kunden, welche die familiäre Atmosphäre in unserem Studio schätzten. Das war auch der Grund, warum Diana in unser Studio wechselte. Zuvor trainierte sie in einem Luxus-Fitnesscenter, doch nachdem Fotos von ihr beim Training dort veröffentlicht wurden, war sie nicht mehr zufrieden und kam zu uns. 

Haben Sie auch andere Mitglieder des Königshauses kennen gelernt?
Die Prinzen William und Harry habe ich einmal kurz getroffen, aber da waren sie ja noch sehr klein. Hätte ich Diana länger trainieren können, hätte es vielleicht weitere Treffen gegeben. 

«Im Studio bin ich der Trainer und somit der Chef, das passt nicht allen immer gleich.»

Wie unterschied sich das Training mit Diana vom Training mit anderen Kunden?
Vom Inhalt her gar nicht. Durch ihren vollen Kalender wurden lediglich unsere Trainingsstunden jeweils spontan geplant. Da musste ich flexibel sein. Was nicht ging, war ein Training im Freien, etwa in einem Londoner Park. Das wäre ein Wunsch von ihr gewesen. Doch das war aufgrund der Paparazzi und dem ganzen Trubel um ihre Person nicht möglich gewesen. 

Welche anderen Promis haben Sie schon trainiert?
Eine, die ich nennen kann, ist Claudia Schiffer. Sie war damals noch mit David Copperfield zusammen, der in London seine Show hatte. In unserem Fitnessstudio war ich der einzige, der Deutsch konnte, darum arbeitete ich mit ihr zusammen. Es sind meist Zufälle, die mich und meine Kunden zusammen bringen. Dann muss nur noch die Chemie stimmen. Doch das stellt sich beim ersten Gespräch meist schnell raus. Im Studio bin ich der Trainer und somit der Chef, das passt nicht allen immer gleich. 

Was sah Dianas Trainingsprogramm aus? 
Zuerst wärmte sie sich auf dem Laufband auf. Danach ging es weiter mit Krafttraining. Da sie oft unterwegs war und nicht immer auf Trainingsgeräte zurückgreifen konnte, stellten wir einen Plan zusammen, der viele Übungen mit dem eigenen Körpergewicht beinhaltete. Das ist zwar jetzt ein Trend, gibt es aber schon seit Langem. Es ging ihr dabei um ihre generelle Fitness aber auch, um auf Fotos gut auszusehen. Zudem gab ihr das Training neue Energie und ein Gegenpol zum täglichen Stress. 

Inwiefern spielte das Thema Ernährung eine Rolle? Dass Diana an Bulimie gelitten hatte, ist kein Geheimnis. 
Das Thema Ernährung haben wir nie angepackt. Das hätte ich gerne noch getan aber dafür sahen wir uns zu wenig. Zu dieser Zeit hatte sie ihre Bulimie aber bereits überwunden, daher drängte das Thema nicht. Dazu kommt, dass es mit all den Gala-Dinners und dem ständigen Reisen schwierig gewesen wäre, einen Ernährungsplan umzusetzen – auch wenn für sie gekocht wurde. Aber zum Glück hatte sie gute Gene (lacht).

«Ich habe sehr negative Erfahrungen mit den Englischen Medien gemacht.»

Wie haben Sie vom Tod von Lady Di erfahren?
Ich ging wie jeden Morgen zur Arbeit. Als ich beim Studio ankam, lagen bereits Blumen vor der Türe, doch da dachte ich mir noch nichts dabei. Meine Vermutung war, dass es auf der stark befahrenen Strasse einen Unfall mit einem Todesopfer gegeben hatte. Doch als ich im Studio ankam, läutete das Telefon Sturm. Ich weiss nicht mehr, wer es war, der mir die Nachricht überbracht hat, aber ich schaltete sofort den Fernseher ein. Danach ging ich nach Hause. Ich konnte nicht mehr arbeiten an diesem Tag. 

Nahmen Sie an der Beerdigung teil?
Ja, ich sass sogar sehr weit vorne. Da ein Grossteil der Stadt abgeriegelt war, kam ich mit der U-Bahn zur Westminster Abbey, wo die Abdankung stattfand. Ich war viel zu früh dort. Die ersten Reihen waren für die Familie und andere wichtigen Personen reserviert. Doch sonst gab es keine Sitznummern oder ähnliches. Darum konnte ich die eindrückliche Zeremonie von weit vorne hautnah verfolgen.

Wie haben Sie die Zeit nach ihrem Tod erlebt?
Als bekannt wurde, dass ich ihr Trainer gewesen war, begann auch für mich eine schwierige Zeit. Ich habe sehr negative Erfahrungen mit den Englischen Medien gemacht und weiss jetzt, was es heisst, verfolgt zu werden. Es wurden viele Unwahrheiten verbreitet, die auch mein Privatleben belasteten. Sie können sich vorstellen, wie schwierig es für eine Beziehung ist, wenn einem eine Affäre mit Lady Diana vorgeworfen wird. Damals musste ich lernen, wie zerbrechlich ein Vertrauensverhältnis sein kann und was die möglichen Folgen sind. Ich fühlte mich in London nicht mehr wohl, darum kehrte ich nach einiger Zeit wieder in die Schweiz zurück. 

«Was es zu sagen gab, wurde längst gesagt, der Rest ist Fantasie.»

Und doch werben Sie heute damit, einst der Trainer von Diana gewesen zu sein. 
Ich hege keinen Groll mehr gegen die Englischen Medien, damit habe ich abgeschlossen. Und mit dem Königshaus hatte ich nie Probleme. Ich bin auch heute noch mindestens einmal pro Monat in England. Auch an ihrem Todestag werde ich in London sein und Blumen ablegen. Hier wusste lange niemand, dass ich ihr überhaupt Trainer war, erst vor kurzer Zeit habe ich diese Information auch auf meine Website geschrieben. Sie war so ein guter Mensch. Es gibt nur Positives über sie zu sagen und das habe ich auch immer getan. Ich will ihr auch etwas zurückgeben und organisiere darum diverse Boot-Camps, deren Erlös der «The Diana Award»-Stiftung zu Gute kommen soll. 

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heutzutage Neuigkeiten vom Königshaus hören?
Die mediale Berichterstattung verfolge ich nicht aktiv mit. Die wohltätigen Einsätze von William und Harry interessieren mich, der Rest nicht. Je nach dem, um welches Thema es sich handelt, glaube ich die Schlagzeilen eher oder weniger. Was es zu sagen gab, wurde längst gesagt, der Rest ist Fantasie. Mit dem 20. Todestag von Diana wurde die Medientrommel natürlich wieder angeworfen. Es ist einfach schade, dass man auch nach all den Jahren über einen so guten Menschen noch neue Gerüchte erfinden muss, um daraus Profit zu schlagen. Welche «neuen Erkenntnisse» in den letzten Wochen und Monaten wieder zum Unfall in Paris aufgetaucht sein sollen, will ich eigentlich gar nicht erst kommentieren. Es ändert sowieso nichts. Sie kommt nicht zurück. 

Zur Person

Jason Steele ist der Sohn eines Engländers und einer Österreicherin. Der heute 48-Jährige wuchs in England auf und kam im Alter von 12 Jahren in die Schweiz. Mit 19 gewann er einen DJ-Wettbewerb und setzte sich wieder nach London ab, um sich als Musiker einen Namen zu machen, fand jedoch seinen Platz in der Fitnessbranche. Nach dem Tod von Lady Diana kam er zurück in die Schweiz und lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern (3 und 1) in Riedikon.

 

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