Politik

Wie schmeckt der neue Insekten-Food?

Seit gestern Montag ist der Insekten-Food der Firma Essento offiziell in vereinzelten Coop-Filialen erhältlich. So auch im Coop Stadttor Winterthur. Doch wie schmeckt das für uns Schweizer exotische Essen? Drei «Züriost»-Redaktoren haben es versucht.

Wie schmeckt der neue Insekten-Food?

Nachhaltig, gesund, lecker. Mit diesen drei Schlagwörtern wird der neue Insekten-Food der Firma Essento beworben. Seit dieser Woche sind die Burger und Fleischbällchen, bestehend aus Mehlwürmern, in vereinzelten Coop-Filialen erhältlich. So auch im Coop Stadttor Winterthur.

Drei «Züriost»-Redaktoren haben die Insect Balls versucht. Diese bestehen zu 24% aus Mehlwürmern, laut offiziellen Angaben.

Talina Steinmetz:

Vor dem Verzehr:

Als ich die kleinen Insektenbälle von Essento kaufte, wurde mir schon etwas mulmig zumute: Möchte ich tatsächlich Lebensmittel essen, die aus kriechenden und krabbelnden Tieren hergestellt wurden? Ich war noch nie in Asien oder einem Land, in dem Insekten auf die Speisekarte gehören – ich hatte also keine Vorstellung davon, wie solche Bällchen aussehen oder riechen sollten. Was mich beruhigt hat war, dass man ihnen nicht ansieht, dass sie Mehlwürmer enthalten sollen. Um sie schmackhaft zu machen, soll man die Insect Balls während 6 Minuten golden anbraten. Gesagt, getan. Nach und nach stieg mir während des Anbratens ein Geruch in die Nase. Dieser war weder ekelerregend noch undefinierbar: Es begann, nach Falafel zu riechen.

Nach dem Genuss: 

Meine Lust, die Bällchen auch tatsächlich zu probieren, überstieg in diesem Moment die Vorurteile und den inneren Ekel. Die Überraschung war dann weit weniger gross als gedacht. Die Bällchen schmeckten tatsächlich nach Falafel und diversen Gewürzen. Sie waren etwas zäher, aber durchaus geniessbar. Trotzdem würde ich sie nicht regelmässig kaufen. Nicht weil es Insektenfood ist, sondern wegen des Preises: Für 170 Gramm bezahlt man im Coop 8.95 Franken. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass Insektenfood aufgrund des Ressourcenverbrauchs in der Zukunft immer beliebter werden wird.

 

Fabrice Dubler:

Vor dem Verzehr: 

Nie hätte ich gedacht, dass ich mich jemals überwinden würde, Insekten zu verzehren. Immer hat es mich nur schon bei der Vorstellung daran geekelt, da ich alle Formen von Insekten verabscheue. Auch als ich vor zwei Jahren Thailand und Vietnam bereiste, wo Insekten-Food verbreitetet ist, sträubte ich mich dagegen. Da Coop die Mehlwürmer nun aber mit Gewürzen und Gemüsen gemischt in Bällchen-Form verkauft, wollte ich mir den Trend-Food trotzdem mal zu Gemüte führen.

Nach dem Genuss: 

Für mich war es eigentlich nur die Vorstellung daran, nun gleich zerhackte Mehlwürmer zu kauen, die den Insekten-Test so aussergewöhnlich machte. Riechen tun sie nämlich wie Falafel-Kugeln und auch die Konsistenz erinnert an die arabischen Kichererbsen-Bällchen, obschon diese nicht so fest sind. Auch geschmacklich merkt man nichts von den Tierchen. Die Insect-Balls schmecken nach würzigem Gemüse und munden mir. Keine Sekunde würde ich an Mehlwürmer denken, hätte ich den Inhalt nicht gekannt.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass sie mich vollständig überzeugt haben. Denn gerade so gut könnte man auf Fleisch-Alternativen wie Falafel oder Gemüsebällchen setzen. Sie sind meiner Meinung nach geschmacklich ähnlich und 100 Prozent vegetarisch. Einzig mit den Inhaltsstoffen wie dem hohen Proteingehalt könnten die Insekten-Bällchen allenfalls im Vorteil sein.

Wie schmeckt es Ihnen? Teilen Sie es uns unten in der Kommentarspalte mit!

Christian Saggese:

Vor dem Verzehr: 

Für mich war der Gedanke daran, Insekten als Nahrungsmittel zu nutzen, nie völlig abwegig. So sind sie in manchen Ländern bereits eine Delikatesse. Und nur, weil es nicht zu unserer Essenskultur gehört, soll es automatisch eklig sein? Nein. Deswegen hatte ich einst in Mexiko auch keine Mühe, genüsslich in gebratene Heuschrecken und Würmer zu beissen. Leider empfand ich den Geschmack dieser Insekten als dermassen fade, dass ich seither keine Lust mehr verspürte, nochmals etwas in diese Richtung zu probieren. Doch nun ist die Situation anders. Schliesslich sind es keine «reinen Insekten», sondern sie sind noch mit Gewürzen, Kichererbsen und weiteren Zutaten verfeinert.

Nach dem Genuss: 

Tatsächlich erinnert der erste Biss in die Insect Balls sofort an stark gewürzte Falafel-Bällchen. Optisch sehen sie wie normale Hackfleischbällchen aus. Es muss also niemand Angst haben, dass er plötzlich einen Wurm in seiner Nahrung entdeckt. Würden diese Bällchen bei einem Apéro unauffällig angeboten, ich bin überzeugt, dass jeder danach greifen und diese genüsslich verspeisen würde, ohne zu bemerken was er gerade hatte.

Ob der Insekten-Food tatsächlich zukunftsweisend ist, wird sich zeigen. Verkaufstechnisch ist es bestimmt nicht die beste Idee, diese Bällchen als «Insect Balls» zu verkaufen. So wurde einigen Mitarbeitenden bereits mulmig, als sie nur das Wort «Insect» gelesen haben. Natürlich muss der Konsument sofort wissen, worum es sich handelt. Aber es benötigt noch eine grosse Sensibilisierungskampagne, um den Schweizern die Angst vor dieser neuen Nahrungsquelle zu nehmen.

 

 

 

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