Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Schüler, Hühnerfutter und frisierte Hunde

Das Haus an der Usterstrasse 13 in Mönchaltorf hat eine bewegte Geschichte. Im Jahr 1840 als zweites Schulhaus der Gemeinde gebaut, wurde es später zum Kindergarten umgenutzt. Nach 110 Jahren im Besitz der Schule wurde das Gebäude von der Landi Uster gekauft, die es heute noch an Gewerbler vermietet.

Eine Ansichtskarte mit dem Poststempel 1899. Oben links ist das Haus an der Usterstrasse 13 zu sehen. (Bild: zvg), Das Gebäude an der Usterstrasse 13 heute. (Bild: Seraina Boner), Dorfplatz Richtung Unterdorf um 1920. Die Kinder konnten sich noch gefahrlos mitten auf der Strasse für den Fotografen aufstellen. (Bild: zvg), Felix Hess war von 1986 bis 1998 Gemeindepräsident von Mönchaltorf und besuchte im Haus an der Usterstrasse 13 noch den Kindergarten. (Archivbild: Nicolas Zonvi), Das Gebäude auf der rechten Seite zeigt das erste Schulhaus Mönchaltorfs. 1819 erstellt, diente es bis 1840 als Schulhaus und anschliessend bis 1939 als Lehrerwohnhaus. (Bild: zvg), Die beiden ehemaligen Schulhäuser der Gemeinde Mönchaltorf. (Bild: Seraina Boner), Einen Blick in den Volg-Laden, der in den 50er Jahren in das Haus einzog. (Bild: zvg), 1954 wurde das Haus renoviert und der Eingang sowie die Fenster umgebaut. (Bild: zvg), Den Anbau im hinteren Teil des Hauses wurde von der Landi Uster als Futtermittelmagazin erstellt und verwendet. (Bild: zvg), Verschiedene Dorfansichten auf einer Postkarte aus dem Jahr 1900. In der Mitte links wieder das Haus an der Usterstrasse 13. (Bild: zvg)

Schüler, Hühnerfutter und frisierte Hunde

«Wir kamen immer mit schwarzen Knien und Händen nach Hause», erzählt Felix Hess. Der Mönchaltorfer Alt Gemeindepräsident war eines der letzten Kinder, das 1950 noch an der Usterstrasse 13 in den Kindergarten ging. Dort seien die Böden schwarz gewichst gewesen, die Hosen darum immer dreckig vom Spielen, erinnert er sich.

«Mit welchem Geld alles gebaut wurde, ist mir schleierhaft»
Felix Hess, Alt-Gemeindepräsident von Mönchaltorf

Damals war das Haus bereits über 100 Jahre alt. 1840 wurde es als zweites Schulhaus der Gemeinde erbaut und wurde 91 Jahre als solches benutzt, bevor der Kindergarten dort einzog. Das war im Jahr 1931, als das Schulhaus Hagacher fertig gestellt wurde, wo fortan die Primar-, die Sekundarschule sowie die Turnhalle ihren Platz fanden.

Wer war der gute Geist?

«Viele Schulbänke standen aber auch nachher immer noch in unserem Kindergarten entlang der Wände in den Räumen, in denen wir spielten», sagt Hess. Das Gebäude diente ebenfalls als Versammlungslokal für die Sonntagsschule.

«Ich weiss nicht, wer der gute Geist war, der sich derart für die Schule einsetzte», sagt Felix Hess. Obwohl die Gemeinde Mönchaltorf damals erst rund 700 Einwohner hatte, hätten bezüglich Schulraum luxuriöse Zustände geherrscht.

«Mit welchem Geld alles gebaut wurde, ist mir schleierhaft», sagt Hess und lacht. Früher seien sogar die Gossauer für Sportveranstaltungen nach Mönchaltorf gekommen, da es in der Gemeinde bereits eine Turnhalle gab. Auch in Sachen Sportgeräte im Freien sei die Gemeinde für die damaligen Verhältnisse sehr gut ausgerüstet gewesen.

Bundesrat mit Stoppuhr

Hess, der von 1986 bis 1998 als Gemeindepräsident von Mönchaltorf amtete, wuchs etwas ausserhalb des Dorfes im Lehrerhaus auf, das acht Jahre nacht dem Schulhaus Hagacher im Jahr 1939 gebaut wurde, wo sein Vater als Seklehrer angestellt war. Hess Senior kam im Jahr 1936 zur Zeit der florierenden Schulgemeinde nach Mönchaltorf, wo er bis zu seiner Pension weiter unterrichtete.

«Unsere Gemeinde hat einige Bundesräte hervorgebracht»
Felix Hess

An die Uster-Oetwil-Bahn, die bis 1951 noch vor dem Kindergarten durch die Gemeinde fuhr, kann sich Hess noch erinnern. Damals gab es noch wenig Autos und der Schnellauf des Schulsportes konnte auf der heute gut befahrenen Rällikerstrasse, die nach Maur führt, durchgeführt werden. «Damals war alles irgendwie eine heile Welt. Der spätere Bundesrat Ernst Brugger, der ebenfalls in Mönchaltorf aufwuchs, bediente damals als Gossauer Seklehrer noch die Stoppuhr», sagt Hess nicht ohne Stolz.

«Unsere Gemeinde hat einige Bundesräte vorgebracht», schmunzelt er und spielt damit auf Leon Schlumpf und Eveline Widmer-Schlumpf an, die Mönchaltorf als Bürgerort hatten, beziehungsweise haben.

Verkauf an die Landi

Als dann auch noch der Kindergarten Rietwis gebaut wurde, hatte das Haus an der Usterstrasse seine «Schulzeit» abgeschlossen. «Da war ich ein Erstklässler und genoss das Einweihungsfest des neuen Kindergartens in vollen Zügen», sagt Hess.

Die Schulgemeinde verkaufte 1950 den nun ehemaligen Kindergarten an die Landi Uster und ein Volg zog in die Räume im Erdgeschoss. Der Volg war bisher auf der gegenüberliegenden Strassenseite betrieben worden – neben der damaligen Post und einem Schuhmacher.

Futtermittel-Magazin

1954 erstellte die Landi den Anbau an den hinteren Teil des Hauses, der als Futtermittelmagazin bezeichnet wurde. «Früher waren die zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft gehörenden Läden nicht einfach nur Lebensmittelläden», sagt Andreas Keller, der Liegenschaftsverwalter der Landi Uster, «sondern wurden als Depot bezeichnet, wo die lokale Bevölkerung und die Landwirte die gängigsten Produkte beziehen konnten.»

Da die Anzahl der Höfe stetig zurückging, die verbleibenden aber umso grösser wurden, hatte die Lagerhaltung für Hilfsstoffe wie Futtermittel oder Saatgut in den Aussendepots aber bereits nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher, zumal in Uster ein grosses Lagerhaus betrieben wurde.

Ab 1989 nur noch Vermieter

«So konzentrierten sich die Depots mehr und mehr auf die Lebensmittel und wurden mit der Zeit auch einfach ‹Volg-Laden xy› genannt», sagt Keller. Dennoch konnte man in Mönchaltorf noch in den 80er Jahren Hühner- und Kaninchenfutter kaufen.

1989 hatte die Landwirtschaftliche Genossenschaft Uster beschlossen, ihre Volg-Läden in und um Uster nicht mehr selbst zu führen, sondern an die Volg Detailhandels AG Winterthur (Dehag) abzutreten. Diese ist eine Tochtergesellschaft des Volg Winterthur und hat sich auf die professionelle Führung von Volg-Läden spezialisiert.

Landi im Wandel der Zeit

Die Liegenschaft in Mönchaltorf verblieb aber im Eigentum der Landi Uster und das Ladenlokal wurde der Dehag vermietet. Per Ende Mai 2002 kündigte die Volg Dehag jedoch den Mietvertrag aus betriebswirtschaftlichen Gründen.

Nebst der Gewerbefläche befinden sich im Haus an der Usterstrasse 13 zwei Wohnungen. Eine 5-Zimmer-Wohnung im 1. Stock und eine 3-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss. Diese werden seit dem Erwerb respektive Umbau der Liegenschaft 1954 von der Landi Uster vermietet.

2012 trat diese ihre aktive Geschäftstätigkeit an die Landi Zola ab, die dann den Landi-Laden in Uster noch rund zwei Jahre weiterführte – bis zur Eröffnung des neuen Landi Marktplatzes in Mönchaltorf. Die Landi Uster beschränkt sich heute auf die Verwaltung ihrer Liegenschaften in Uster, Mönchaltorf und Greifensee.

Vom Lebensmittelladen zum Dekorationsgeschäft

Nach dem Volg zog Karin Bivetti mit ihrem Dekorationsgeschäft aus dem Mönchaltorfer Industriequartier in die Gewerberäume an der Usterstrasse ein und blieb bis 2007. «Für mich war der Grund des Umzugs, dass ich an der Strasse mit den Schaufenstern besser sichtbar war und auch Passanten den Weg in mein Geschäft finden konnten», sagt sie.

«Parkplatzsituation war nicht optimal»
Karin Bivetti

Zwar seien die Räume auch nach einer Renovation bei tiefen Aussentemperaturen jeweils sehr kalt gewesen und die Parkplatzsituation nicht optimal. «Dies war jedoch nicht der Grund meines Auszugs, sondern meine Tätigkeit im Gemeinderat und meine Funktion als Sozialvorsteherin und Präsidentin der Vormundschaftsbehörde, was mich auch tagsüber sehr in Anspruch genommen hat», sagt Bivetti.

Usterstrasse 13 als Tempel der Schönheit

Mit den Öffnungszeiten des Ladens sei dies nicht mehr zu vereinbaren gewesen und sie entschied, das Geschäft nach 11-jähriger Tätigkeit aufzugeben. «Es war kein leichter Entscheid aber zu diesem Zeitpunkt der Richtige.»

Auf das Atelier von Karin Bivetti folgte 2009 der Hundesalon Schnufi. Bis Ende 2016 betrieb Claudia Fischer den Salon, dann zog sie mit ihrem Geschäft nach Wetzikon. Im April diesen Jahres ist das Beauty House Mönchaltorf in die Räume gezogen, wo drei Frauen diverse Schönheitsbehandlungen anbieten.

Hoffnung auf mehr Beständigkeit

«Es ist erfreulich, dass die heutige Mieterschaft aus in Mönchaltorf verwurzelten und vernetzten Geschäftsfrauen besteht», sagt Liegenschaftsverwalter Andreas Keller.

Für Alt Gemeindepräsident Felix Hess wäre es wünschenswert, dass es in den nächsten Jahren zu weniger Wechseln kommt. «Aus der Sicht des Hauses gilt es nun, wieder Tritt zu fassen», sagt er. «Es ist zu hoffen, dass dies mit der neuen Zweckbestimmung funktioniert.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns