Politik

Social Media verfälscht Körperbild

Das Internet bringt Gefahren mit sich. Vor allem Jugendliche in der Pubertät sind anfällig für Seiten, die ein verzerrtes Realitätsbild vermitteln. Beat Furrer, Leiter der Suchtprävention Winterthur, ruft Eltern auf, sich mit den Online-Aktivitäten der Kinder vertraut zu machen.

Social Media verfälscht Körperbild

Stählerne Muskeln oder das perfekt geschminkte Gesicht: Der Schönheitswahn macht vor niemanden halt. Im immer jüngeren Alter versuchen sich Jugendliche daran zu orientieren und nehmen das Internet zur Hilfe. Das haben auch Berühmtheiten wie der Deutschrapper Kollegah oder die Beauty-Youtuberin Bibi erkannt. Mit selbst gedrehten Youtubevideos bieten sie jungen Erwachsenen Fitnesstipps an oder verkaufen Schönheitsprodukte. Um auszusehen wie ihr Idol sind Jugendliche bereit, viel Geld zu bezahlen – oft ohne genaues Wissen über die gekauften Produkte. 

Beat Furrer, Leiter der Suchtprävention Winterthur, ist dieses Problem bekannt. Er erzählt: «Jugendliche, die mitten in einer Persönlichkeitsentwicklung stecken, sind anfällig für solche Einflüsse.» Das eigene Körperbild der Betroffenen spiele dabei oft eine Rolle. «Jugendliche vergleichen sich ununterbrochen und bemängeln ihr Aussehen. Deshalb sind sie gefundenes Fressen für überteuerte Produkte oder unrealistische Fitness- und Schönheitstipps.» 

Eigene Wahrnehmung verzerrt
Dass sie ihre Gesundheit gefährden oder in eine Kostenfalle tappen könnten, falle den Jugendlichen in diesem Moment nicht auf. «Häufig wird die eigene Wahrnehmung dadurch einseitig verzerrt, genauso aussehen oder leben zu müssen wie ein Social Media-Star. Dabei geht der Realitätsbezug schnell vergessen», gibt der 53-Jährige zu bedenken.

Für Eltern sei es in dieser Situation schwer zu erkennen, wenn sich das Kind im Internet verloren hat. Zieht es sich öfters zurück, will allein sein oder ändert radikal sein Essverhalten, ist das als Warnung ernst zu nehmen. «Eltern sollen solche Entwicklungen im Auge behalten», rät der Präventionsstellenleiter. Wichtig sei vor allem, dass sie nicht zu lange warten und rasch das Gespräch mit dem Kind suchen. «Dazu gehört Feingefühl. Es bringt nichts, die Tochter oder den Sohn direkt zu verurteilen und Vorwürfe zu machen – die Gefahr besteht, dass das betroffene Kind sich noch mehr distanziert», so Beat Furrer. Stattdessen sollten Eltern Interesse an den Tätigkeiten im Internet der eigenen Kinder zeigen. «So wird das Vertrauen aufgebaut und die Kinder sind eher bereit, von sich aus von ihren Problemen zu erzählen.» Dann könne man gemeinsam nach einer Lösung suchen und je nachdem externe Hilfe dazu holen.

Umgang früh thematisieren
Damit es nicht so weit kommt rät Beat Furrer, den Umgang mit dem Internet bereits ab dem frühen Kindesalter zu thematisieren. «Das Internet und digitale Geräte werden je länger je mehr ein Teil der Gesellschaft. Das müssen auch die älteren Generationen akzeptieren», so der Präventionsstellenleiter. Eltern sollen Vorbilder sein und mit ihren Kindern das Internet gemeinsam erforschen und klare Regeln für dessen Gebrauch festlegen. «So kann dem Missbrauch des Internets zumindest vorgebeugt werden», ist sich Beat Furrer sicher. 

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