Geht die Welt im Oktober unter?
Mit Asteroiden kenne ich mich auch in der Praxis bestens aus. So habe ich mit präzisen Positionsmessungen bei über 300 neu entdeckten Near Earth Asteroids zur allerersten Bahnbestimmung beigetragen und nebenbei zehn neue Kleinplaneten zwischen Mars und Jupiter entdeckt. Neun davon tragen inzwischen offizielle Namen.
Haupt-Protagonist des gegenwärtigen Weltuntergangs-Hype ist ein US-Autor, der mit seinem schon vor Monaten herausgegebenen Buch ganz offensichtlich nur die eine Absicht hat: Kasse machen! Die von ihm präsentierten angeblichen Fakten haben, wie immer in solchen Fällen, keinerlei wissenschaftliche Grundlagen. Selbst die als Kronzeugin angeführte US-Raumfahrtbehörde NASA sah sich genötigt, abzuwinken.
Der Autor ist Leiter der Sternwarte Eschenberg in Winterthur und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit kosmischen Kleinkörpern, vor allem mit erdnahen Asteroiden.
Aber die Datenhoheit über die kosmischen Kleinkörper liegt ohnehin nicht bei der NASA, sondern beim international verankerten Minor Planet Center (MPC), mit dem auch wir vom «Eschenberg Observatory, Winterthur» unter unserem Station Code 151 gut zusammenarbeiten. Doch selbst das MPC liefert in seiner täglich aktualisierten Datenbank keinen Hinweis auf ein bedrohliches Asteroiden-Ereignis im Oktober. Und mittlerweile kennen wir mehr als 16‘000 Erdenstürmer.
Ein Mythos …
Der geheimnisvolle Niburu taucht schon seit Jahren mit regelmässiger Hartnäckigkeit in den Medien auf. So spielte er auch beim angeblich auslaufenden Maya-Kalender und der daraus abgeleiteten grossen Weltuntergang-Hysterie im Vorfeld des 21. Dezember 2012 die wohl wichtigste Nebenrolle: Als «Brauner Zwerg» sollte er damals die Erde verwüsten.
Diesmal bieten die Apokalyptiker eine deutlich pfiffigere Variante: Niburu fliege unter einem spitzen Winkel aus Richtung Sonne an. Deshalb habe ihn bis dato auch noch niemand sehen können – nicht mal die hoch präsenten Survey-Teleskope, die hauptsächlich in den USA Nacht für Nacht den Himmel abscannen. Doch bald ist fertig lustig: Niburu soll am 5. Oktober auf der Erde einschlagen und wird dann für unser letztes Stündlein sorgen.
… der nicht auszurotten ist
Es ist allerdings schon eigenartig, dass bisher noch niemand den vermeintlichen Riesenasteroiden gesehen hat. Wir Fachleute haben heute die technischen Möglichkeiten, sogar relativ kleine planetare Körper weit jenseits der Pluto-Bahn nachzuweisen. So beobachtete ich auf dem Eschenberg im August 2005 den Zwergplaneten „Eris“, der ein Jahr später für die Degradierung des Pluto verantwortlich zeichnete.
Ich konnte beim damals noch 2003 UB313 genannten Himmelskörper mit zwei präzisen Positionsmessungen zur genaueren Bahnbestimmung beitragen. Seine Entfernung von der Erde lag bei deutlich über 14 Milliarden Kilometer! Wie viel einfacher müsste es also sein, einen Körper vom Kaliber eines Niburu aufzustöbern, selbst wenn der sich – wie behauptet – aus den Tiefen des Sonnensystems anschleichen sollte.
Aber eben: Beim Nachweis eines Phantoms, das nur in der Fantasie von Spinnern existiert, muss selbst das empfindlichste Teleskop kapitulieren. Eines ist hingegen sicher: Der ominöse „Niburu“ wird auch nach dem 5. Oktober weiter durch das Web geistern und noch gar so manches Mal für weitere Weltuntergangs-Prophezeihungen herhalten müssen.

