So gut geht es den Störchen
«Wir können nur darüber rätseln, warum der Storch in der Naturstation Silberweide gestorben ist», sagt Storchenexperte Max Zumbühl. Vor einer Woche fiel der Vogel dem Sturm zum Opfer, der über die Region zog. Zuerst wurde vermutet, dass es sich bei dem Tier um einen Jungstorch handelt, der aufgrund fehlender Flugfähigkeiten den Tod fand. Doch nun stellt Zumbühl klar: Es war ein erwachsener Vogel.
«Ab und zu sterben auch Störche in Stürmen», sagt er. «Ebenfalls in Mönchaltorf wurde bei einem Sturm einmal ein Storch in eine Hauswand geschmettert.» Der Vogel, der vor einer Woche in der Nacht von Samstag auf Sonntag sein Leben lassen musste, wurde am Boden inmitten von Ästen der halb zerstörten Silberweide in der Naturstation gefunden. «Wir werden nie herausfinden, ob er von einem Ast erschlagen oder vom eigenen Horst erdrückt wurde», sagt Zumbühl.
Gefahr durch Unterkühlung
Abgesehen von diesem traurigen Ereignis verliefen die letzten Monate für die Störche aber erfreulich. «Es ist ein sehr gutes Brutjahr», sagt der Experte. Oftmals sind es nasse und kalte Perioden im Mai und Juni, unter denen die kleinen Störche leiden und im schlimmsten Fall durch Unterkühlung sterben.
In diesem Jahr hat es laut Max Zumbühl zwei kritische Phasen gegeben. Die erste war Ende April, als die Temperaturen während mehrerer Tage hintereinander unter Null fielen. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Eier schon gelegt. Normalerweise schlüpften die Kleinen ab Anfang Mai, doch es gebe immer Frühreife, die bereits Ende April damit beginnen. «Für diese war die Kälte gefährlich und zum Teil todbringend», so Zumbühl. Doch es habe auch viele Storchenpaare gegeben, die nach einem ersten Verlust mit einer Nachbrut erfolgreich gewesen seien.
150 Jungtiere beringt
Die zweite heikle Phase war im Juli, als das Wetter fast zu warm und zu trocken war. Da hätten die erwachsenen Störche Mühe gehabt, genügend Futter für ihren Nachwuchs zu finden. Das nasskalte Wetter der letzten Woche sei nun aber nicht mehr gefährlich für die Jungstörche gewesen, da mittlerweile alle genug gross seien.
Max Zumbühl, der für den Storchennachwuchs vom Linth- bis zum Glattal zuständig ist, hat in diesem Jahr rund 150 Tiere beringt. «Es haben wohl rund 80 Prozent der Jungtiere überlebt, das ist eine sehr gute Bilanz.» Allerdings weist er darauf hin, dass mit solchen Zahlen vorsichtig umgegangen werden muss. Die Situation und die Wettereinflüsse seien von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. Erst Ende Jahr werde man die definitiven Zahlen der ganzen Schweiz haben und eine Bilanz ziehen können.
Viele Geschwister
Einige Zahlen liefert Peter Enggist, Geschäftsleiter von Storch Schweiz, bereits jetzt. Wie er gegenüber Radio Zürisee sagt, haben im Vergleich zum letzten Jahr schweizweit rund ein Drittel mehr Jungvögel überlebt. «Insgesamt sind 675 Jungstörche in 480 Horsten geboren worden», sagt er. Dies seien 10 Prozent mehr Storchennester, als im Schnitt in anderen Jahren gezählt wurden.
Leserreporter Peter Pirani hat im Ustermer Zellwergerareal einen guten Blick auf einen Horst mit dreifachem Nachwuchs. (Video: Peter Pirani)
Eine Tatsache, die auch Max Zumbühl erwähnt. Er habe in diesem Sommer merklich mehr Horste kontrolliert als in den letzten Jahren. Und bei diesen seien auch einige Mehrlinge dabei gewesen. «Jedes Storchenpaar legt fünf bis sechs Eier – wobei es auch da zu grossen Unterschieden kommen kann.»
In Riedikon habe er in dieser Saison zwei Mal drei Geschwister beringt, in anderen Horsten oftmals zwei Jungvögel. Störche, die in wärmeren Gebieten oder sogar in Meeresnähe nisten, würden aber sogar bis zu fünf Junge durchbringen. «Bei uns kann man von Glück reden, wenn zwei überleben.»
Die meisten Jungstörche in der Region sollten mittlerweile das Fliegen erlernt haben, denn ab Mitte August geht es für sie bereits in Richtung Süden.
