«Das ist der Albtraum jedes Türstehers»
Das Konstanzer Nachtleben wurde kürzlich von einer Tragödie überschattet. Am frühen Sonntagmorgen, dem 30. Juli, stürmte der Iraker Rozaba S.* mit einem Sturmgewehr in den Club Grey und eröffnete das Feuer. Der Türsteher Ramazan Ö.* wurde tödlich getroffen, als er sich dem Täter in den Weg stellen wollte. Vor seiner Zeit in Konstanz war das Todesopfer sieben Jahre lang für das Bolero in Winterthur tätig.
Albtraum für jeden Türsteher
Für Hänse Schegg, der Betreiber des Boleros, eine erschütternde Nachricht. «Ich habe von den Medien erfahren, dass es eine Schiesserei gab», erzählt er. Ein ehemaliger Türsteherkollege von Ramazan Ö. überbrachte dann die Todesnachricht.
«Das ist der Albtraum eines jeden Türstehers», ist sich Hänse Schegg sicher. Man rechne nicht damit, dass ein Gast dermassen ausraste und zu Hause eine Waffe holen ginge. «Solche Vorfälle erscheinen einem immer so weit weg. Bis sie ganz in der Nähe passieren.»
Weiterer Verlauf noch unklar
Ramazan Ö. war von 2007 bis 2014 im Bolero Winterthur tätig. Es sei nicht üblich, so lange im gleichen Lokal zu arbeiten. «Er hat seinen Job wirklich sehr gut gemacht. Sonst wäre er nicht so lange bei uns gewesen», sagt Hänse Schegg.
Er und die Arbeitskollegen vom Bolero warten nun auf den weiteren Verlauf der Geschichte. «Ein guter Freund von ihm, der seit zwölf Jahren im Bolero arbeitet, steht momentan der Familie von Ramazan bei.»
Morgen Donnerstag, am 3. August, findet die Beerdigung in Konstanz statt. Hänse Schegg wird mit circa zehn weiteren Mitarbeitern des Boleros vor Ort sein. «Wir haben einen Kranz vorbereitet, den wir am Grab niederlegen», so der Bolero-Betreiber.
Zurückhaltung sei trotzdem wichtig. «Er war ein guter Mann und hat bei uns einen super Job geleistet. Trotzdem steht jetzt seine Familie und die Zukunft im Vordergrund – nicht seine Zeit, die er beim Bolero verbracht hat.»
Angst darf nicht Überhand haben
Für Hänse Schegg ist es verständlich, dass dieser Vorfall auch Angst bei anderen Türstehern auslöst. «Jeder wird im Hinterkopf haben, was in Konstanz passiert ist. Trotzdem darf diese Unsicherheit nicht die Überhand gewinnen.» In Winterthur arbeite man eng mit der Stadtpolizei zusammen und schulte die Türsteher aller Lokale regelmässig.
Auch würde durch das Einlasssystem vom Bolero Aggressionen vorgebeugt. «Bei uns werden immer zwei bis vier Personen aud der Schlange in einen Vorraum geholt. Wenn sie dann abgewiesen werden, geschieht dies nicht vor allen Leuten.» Dies sei weniger beschämend für den Abgewiesenen. Trotz des tragischen Vorfalls dürfe man nicht vergessen, dass solche Taten nicht der Normalität entsprechen. «Man muss wachsam sein, aber sollte sich nicht in eine Angst reinsteigern», rät Hänse Schegg.
*Namen der Redaktion bekannt

