Politik

Wenn Tauben das Dach in Beschlag nehmen

Yvonne Rudin, Fachmitarbeitende beim Tierschutzverein Winterthur und Umgebung, berät Züriost-Leserinnen und -Lesern rund um das Thema Tierschutz. Heute: Wie hält man Tauben vom eignen Grundstück fern?

Wenn Tauben das Dach in Beschlag nehmen

Während sie für die einen schlicht eine Plage sind, bedeuten Strassentauben für andere Menschen sehr viel. Sie beleben das Stadtbild und ermöglichen das Beobachten freilebender Tiere, zu denen oft gar eine persönliche Beziehung gepflegt wird.

12 Kilogramm Kot pro Jahr

Zu den negativen Auswirkungen gehört sicher die Verschmutzung. Taubenkot – pro Taube und Jahr ca. 12kg – ist nicht nur unschön anzusehen, er schädigt als idealer Nährboden für Schimmelpilze auch die Bausubstanz von Hausfassaden und Denkmälern.

Die Staubbelastung der Luft durch trockenen Taubenkot kann Allergien auslösen und bei Menschen mit schwachem Immunsystem auch Krankheiten, zum Beispiel Ornithosen, übertragen. Zudem können aus den Nistplätzen Taubenzecken, Flöhe, Wanzen und Blutmilben in menschliche Behausungen vordringen.

Taubenbestand nimmt zu

In den letzten Jahrzehnten haben die Taubenbestände in den Städten stark zugenommen, da die Tiere mehr fressbare Abfälle finden und vor allem, weil sie von «tierliebenden» Menschen gefüttert werden. Gut gemeint, aber schlecht für die Tiere, denn die einseitige Ernährung führt zu Mangelerscheinungen und atypischem Fressverhalten von Knospen und Blättern. Somit werden die Grünanlagen geschädigt.

Die Tiere leiden unter der hohen Populationsdichte:  Konkurrenzkampf durch Mangel an geeigneten Nistplätzen führt zu Stress, mehr Krankheiten und Parasitenbefall, sodass viele Tauben ein erbärmliches Dasein fristen. Kranke Tiere leben und leiden zudem länger, da natürliche Fressfeinde wie der Turmfalke rar geworden sind.

Versuchen zur Dezimierung der Population durch Abschuss oder die Pille war kein nachhaltiger Erfolg beschieden, denn die Bestände erholen sich nach nur wenigen Wochen.

Gitter anbringen oder Nistmaterial entfernen

Individuelle Abwehrmassnahmen zielen darauf ab, Tauben den Zugang zu Ruhe- und Nistplätzen zu verwehren. Bevorzugt werden Fenstersimse und Fassadenvorsprünge die breiter sind als 6cm, Kamine und Dachböden, zu denen Tauben ein Schlupfloch von mindestens 10 Zentimeter benötigen.

Beim Anbringen von Gittern oder Netzen ist unbedingt auf Gefahren für Fledermäuse zu achten.

Allabendliches Verscheuchen von Tauben die ihre Ruheplätze aufsuchen wollen, tägliches Entfernen von Nistmaterial und das Verstellen von Sitzgelegenheiten sind weitere Möglichkeiten die Vögel fernzuhalten.

Kontrollierte Taubenschläge als Lösung

In den späten 80er-Jahren wurde ein Modell entwickelt, bei dem kontrollierte Taubenschläge im Mittelpunkt standen. Ein Taubenwart füttert die Tiere, reinigt die Ställe, erlöst leidende Tiere und tauscht, wenn nötig, Eier durch Gipsattrappen aus.

Rund 80% der anfallenden Kotmenge kann so zentral gesammelt werden. Begleitet wurde das Projekt von einer Informationskampagne, welche die Bevölkerung aufrief, auf das Füttern von Tauben zu verzichten.

In Basel erprobt, haben viele Städte im In- und Ausland dieses Konzept unterdessen übernommen und erfreuen sich einer kleineren aber gesunden Taubenpopulation.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.