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Schlechte Aussichten für Igel

Studien aus Zürich und St. Gallen zeigen: Es gibt immer weniger Igel in den Städten. Diese Resultate lassen sich laut Wildtierbiologin Sandra Gloor auch auf kleinere Städte in der Region beziehen. Doch es gibt Lösungen für das Problem.

Ein Igel unterwegs im Siedlungsraum. (Bild: Fabio Bontadina/swild.ch), Ein Igel unterwegs im Siedlungsraum. (Bild: Fabio Bontadina/swild.ch), Diese Spurentunnel stellen die Forscher auf, um die Wege der Igel zu verfolgen. (Bild: Cornelia Hürzeler/stadtwildtiere.ch), Igelspuren aus dem Spurentunnel. (Bild: Anouk Taucher/stadtwildtiere.ch), Igelspuren aus dem Spurentunnel. (Bild: stadtwildtiere.ch), Igelverbreitungskarte für die Stadt Zürich: 2016 (schwarze Punkte) mit zusätzlichen Nachweisen von 1992, die im 2016 nicht belegt werden konnten). (Bild: stadtwildtiere.ch)

Schlechte Aussichten für Igel

Während der Fuchs in städtischen Gebieten immer weiter auf dem Vormarsch ist, geht es den Igeln in urbaner Umgebung offenbar weniger gut. Seit Sommer 2016 untersuchen Biologen in einem grossen Projekt die Igelpopulation in der Stadt Zürich. Neben der Analyse von Meldungen freiwilliger Beobachter haben die Fachleute auch selber Untersuchungen durchgeführt. Dabei kamen sogenannte Spurentunnel zum Einsatz – ein Meter lange Kartonröhren, welche mit Farbstreifen versehen in Privatgärten und Grünflächen platziert werden. Geht ein Igel durch den Tunnel, hinterlässt er danach Pfotenabdrücke. So wird sichtbar, wo Igel unterwegs sind.

Erste Erkenntnisse aus Zürich zeigen, dass Igel zwar immer noch in Stadtquartieren verbreitet sind, jedoch deutlich weniger als noch vor 20 Jahren. Zudem variiert die Igeldichte zwischen den Stadtgebieten stark und an einigen Orten gibt es gar keine Igel mehr. Da auch in St. Gallen erstaunlich wenige Igelbeobachtungen gemeldet wurden, erfassen Biologen auch in der Ostschweizer Stadt die Igelpopulation mit Spurentunnels systematisch. Laut Wildtierbiologin und Projektleiterin Sandra Gloor können die Ergebnisse aus Zürich und St. Gallen auch auf die Kleinstädte wie Uster oder Wetzikon bezogen werden. «Unsere Studie wird zwar spezifisch in Zürich und St. Gallen durchgeführt, doch wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse auch für andere Siedlungsräume gelten.»

Denn was der Igel braucht, sind kleinräumige, vielseitige Landschaften. «In einer Mischung aus kurz geschnittener Wiesen und Büschen, in denen er sich verstecken kann, fühlt er sich am wohlsten», sagt Gloor. Darum gibt es mittlerweile in bewohnten Gebieten mehr Igel als auf dem Land, wo die intensive Landwirtschaft seinen natürlichen Lebensraum bedrängt. Dass die Igel vom Land in die bewohnten Gebiete strömten, sei aber nicht der Fall. «Im Siedlungsgebiet breitete sich der Igel einfach in der Vergangenheit stärker aus», sagt die Wildtierbiologin.

Mensch als Feind Nummer eins

Obwohl der Igel also von der Nähe zum Menschen profitiert, geht die Igelpopulation zurück. Die genauen Gründe sind nach wie vor nicht bekannt. «Die wenigen Igelbeobachtungen auf den Meldeplattformen haben uns überrascht», sagt Gloor. «Tieren wie dem Igel, die man doch ab und zu beobachten kann, wird oftmals gar nicht so viel Beachtung geschenkt – sie sind ja schliesslich noch da.»

Feind Nummer eins für den Igel ist der Mensch – obwohl gerade die Gärten in bewohntem Gebiet einen idealen Lebensraum für ihn darstellen. «Gleichzeitig baut der Mensch dem Igel auch Barrieren in Form von Zäunen, Mauern oder Strassen, die er nicht oder nicht gut überwinden kann», sagt Gloor. Zudem würden sich auch die Gärten der Siedlungsgebiete immer weiter verändern, sie werden eintöniger und die Tiere haben weniger Möglichkeiten um sich zu verstecken. Genau zu messen, was dem Igel am meisten schadet, sei jedoch schwierig. Nur die Tiere, die den Tod auf der Strasse finden, seien klar einer Todesursache – hier dem Verkehr – zuzuweisen. 

Während der Bestand der Igel schwächelt, ist der Dachs in bewohnten Gebieten immer weiter auf dem Vormarsch. Einen Zusammenhang schliesst die Wildtierbiologin nicht aus. «Tatsächlich ist der Dachs ein natürlicher Feind des Igels», sagt Gloor. «Aber wir Menschen können die Schuld nicht einfach auf die Tiere abwälzen. Dachse und Igel haben bereits Tausende von Jahren nebeneinander gelebt.» Sollten sie also die letzten noch verbleibenden Igel fressen, wäre dies nur der Tropfen, der Fass zum Überlaufen bringt. «Der Mensch bleibt mit grosser Wahrscheinlichkeit der Hauptfaktor, wenn es um das Schicksal der Igel geht.» 

Proaktive Massnahmen ergreifen

In England sei eine ähnliche Untersuchung durchgeführt worden, aber auch die dort erhobenen Daten lassen noch keinen eindeutigen Schluss über die Gründe zu, weshalb die Igelpopulation zurückgeht. Die Auswertung nehme viel Zeit in Anspruch. Darum wird es wohl auch bei den Schweizer Untersuchungen noch eine Weile dauern, bis handfeste Resultate präsentiert werden können, zumal die Datenerhebung noch gar nicht abgeschlossen ist. Doch Sandra Gloor will die Bevölkerung ermuntern, bereits vorher Massnahmen zu ergreifen. Heimische Gewächse im Garten zu pflanzen, sei ein erster Schritt. «Durch die vielen ausländischen Arten verschwinden auch die Insekten immer mehr, die dem Igel als Nahrung dienen», sagt sie. Zudem brauche das Tier Rückzugsorte und Schlafplätze, etwa in Asthaufen und Durchschlupfmöglichkeiten in Zäunen. «Igel sind keine besonders anspruchsvollen Tiere. Wenn sie verschwinden, ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass der Mensch zu wenig Rücksicht auf die Natur nimmt.»

Auf den Plattformen www.stadtwildtiere.ch und www.wildenachbarn.ch können eigene Beobachtungen von Wildtieren eingetragen werden.

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