Politik

Im Kampf mit dem inneren Vollidioten

Im Kampf mit dem inneren Vollidioten

Tief in mir drin wohnt ein kleiner Mann. Der war schon immer da. Leider. Denn er ist kein sehr angenehmer Zeitgenosse. Der kleine Mann teilt die Welt in Weiss und Schwarz, Gut und Böse. Seine Sicht auf die Dinge wird von Vorurteilen bestimmt. Frau mit Kopftuch? Unterdrückt und ungebildet. Ein Asylbewerber, mit Drogen erwischt? Sind doch alle so – ausschaffen! Frau am Steuer? Vorsicht! Mann im Ferrari? Kleiner Penis, ist ja klar.

Lieber Weiss als Schwarz

Eigentlich wäre es ja nicht so schlimm. Die einen denken so, und die anderen eben ganz anders. Doch der kleine Mann meldet sich gerne zu Wort, ungefragt natürlich. Meistens überrascht er mich komplett und sorgt so dafür, dass ich die Muskeln anspanne, wenn ich an der Langstrasse an einer Gruppe junger Ausländer vorbeilaufe. Oder dass ich lieber den weissen Mann als den schwarzen Mann etwas frage, weil der schwarze Mann mich ja sowieso nicht versteht.

Manchmal kaum auszuhalten

An manchen Tagen spricht er auch dermassen laut, dass seine Worte einfach aus meinem Mund purzeln, obwohl ich das gar nicht will. Das ist dann so ignorant und dumm, dass es kaum auszuhalten ist. Vor allem aber ist es extrem mühsam. Denn der kleine Mann zwingt mich unentwegt, ihm gegenüber meine Haltung zu hinterfragen, meine Argumente zu überprüfen, mit statistischen Daten zu stützen.

Manchmal, wenn ich tagelang keine Ruhe vor ihm habe, versuche ich mit ihm zu diskutieren. Erst auf Augenhöhe, dann wie mit einem kleinen Kind, denn er ist ja offensichtlich dumm. Doch er hört einfach nie zu. Auch wenn ich ihn beleidige, stört ihn das nicht. Also gebe ich es irgendwann auf.

So ist das eben mit Vollidioten. Man muss irgendwie mit ihnen klarkommen. Egal, ob sie in einem drin leben, in der Nachbarschaft wohnen oder im Bundeshaus politisieren. 

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