Politik

Noch eine Woche bis zu den Musikfestwochen

Ab dem nächsten Mittwoch, 9. August, strömen wieder tausende Konzertfans in die Altstadt: die Musikfestwochen finden statt. Grégoire Guisolan, Co-Geschäftsleiter des Festivals, über Veränderungen, Sicherheit und Geheimtipps.

Noch eine Woche bis zu den Musikfestwochen

Nur noch wenige Tage bis zu den Musikfestwochen (MFW). Wie laufen die Vorbereitungen?

Grégoire Guisolan, Co-Geschäftsleiter der Musikfestwochen: Es läuft und läuft und läuft – die Tage sind lang und die Nächte kurz, aber alle Puzzleteile kommen langsam zusammen. Eine Challenge sind stets die kurzfristigen nicht planbaren Herausforderungen, wie zum Beispiel die Absage eines Acts oder ein Baugerüst, das plötzlich auf dem Areal steht. Aber wir freuen uns sehr und sind sicher, dass wir am 9. August bereit sind für viel Musik, kollektive Freude und hoffentlich schöne laue Sommerabende in der Altstadt!

Dieses Jahr arbeiten Sie mit einem neuen Gastrokonzept. Wie wird dieses konkret aussehen?

Nicht nur die Gastro, die Weiterentwicklung des ganzen Geländes steht dieses Jahr im Fokus. Unser Ziel: mehr Platz für unsere Besucherinnen und Besucher, mehr Sitzplätze, mehr Essensauswahl. Konkret bauen wir die grosse Holzterrasse in der Steibi nicht mehr auf, der Kirchplatz kommt aufgeräumter daher und anstelle des Zelts des El Tipico werden wir unsere «Schlemmerei» haben. Im Bauch dieses Festival-Zuhauses zwischen Kirchplatz- und Steibi-Bühne gibt es jeden Abend Znacht. Es ist ein vielseitiges Angebot mit und ohne Fleisch, von anatolischen Spezialitäten über tibetische Momos bis hin zum Spezialitäten-Raclette. Auf dem Deck gibt es Sitzgelegenheiten – und mit ein bisschen Glück sogar freie Sicht auf die Kirchplatzbühne. In unsere «Wohngemeinschaft» ziehen aber nicht nur Köchinnen und Köche ein. Das Kulturmagazin Coucou, Radio Stadtfilter und der FC Winterthur bespielen unser Wohnzimmer mit Kunst, Radio-Aussenstudio und Schützi-Feeling. 

«Dieses Jahr steht die Weiterentwicklung des ganzen Geländes im Fokus.»

 Diese neuen Pläne sorgten anlässlich Ihrer Generalversammlung zu emotionalen Diskussionen wegen El Tipico, die bisher alleine für den kulinarischen Genuss auf dem Kirchplatz sorgten (der «Stadi» berichtete). Wurde hier ein Kompromiss gefunden?

 Wir hatten vor und nach unserer GV viele Gespräche mit El Tipico geführt und sind verschiedenste Varianten durchgegangen, unter anderem ein Umzug des El Tipico zu unserer Kleinkunstbühne im Graben. Für dieses Jahr konnten wir leider keine Lösung finden.

 
Stichwort Terrorgefahr. Wurde euer Sicherheitskonzept angepasst? Wird dies für die Besucher spürbar sein? Beispielsweise ein Taschenverbot wie bei anderen Festivals?

Ein Taschenverbot wird es nicht geben. Konkret legen wir unseren Besucherinnen und Besucher aber ans Herz, unnötiges Gepäck zuhause oder im Büro zu lassen, damit es wegen der Taschenkontrollen nicht zu langen Anstehzeiten kommt. Generell verfügen wir über ein ausführliches Sicherheitskonzept, welches wir regelmässig in Zusammenarbeit mit der Polizei überarbeiten. Grundsätzlich stützen wir uns dabei auf die Einschätzung des Bundes. Auch während den MFW sind wir im Austausch mit den Blaulichtorganisationen, die auch ihrerseits Massnahmen umsetzen, damit unsere Besucherinnen und Besucher die Konzertabende in vollen Zügen geniessen können. Die persönlichen Atmosphäre am Festival und die Gastfreundschaft der Helferinnen und Helfer sollen das sein, was in Erinnerung bleibt, wenn man am Abend nach Hause geht.

«Wir empfehlen, unnötiges Gepäck zuhause zu lassen, damit es wegen der Taschenkontrollen nicht zu langen Anstehzeiten kommt.»

Zurück zu den schöneren Dingen, der Musik. Immer wieder überrascht das Festival mit Geheimtipps, die kurz darauf die Charts stürmen. Wie findet Ihr diese Acts

Unser Booker, Matthias Schlemmermeyer, hört und lebt die Musik mit viel Herz und Hingabe. Das bedeutet auch, dass er diverse Konzerte und Newcomer-Festivals in ganz Europa besucht und auch bereits zum jetzigen Zeitpunkt an den ersten Acts fürs nächste Jahr dran ist. Wir verstehen uns als Entdeckerfestival, bei dem man Bands kennenlernen kann, die gerade kurz vor dem Sprung auf die ganz grosse Bühne stehen. Dies haben wir beispielsweise mit Bands wie Milky Chance (2013) und AnnenMayKantereit (2014) bewiesen. Beide spielten ihre ersten Schweizer Gigs an den Musikfestwochen – beide füllen heute die grossen Hallen.

 
Gibt es sonst noch Neuerungen an den diesjährigen Musikfestwochen?

Es gibt mehr Kunst zu sehen, die Dekoration und das Gelände werden in einem neuen Kleid daherkommen und mit dem Wegfall der Holzterrasse in der Steibi sowie dem Hinzukommen der Schlemmerei auf dem Kirchplatz haben wir schon ordentlich Änderungen für ein Jahr!

«Wir verstehen uns als Entdeckerfestival, bei dem man Bands kennenlernen kann, die gerade kurz vor dem Sprung auf die grosse Bühne stehen.»

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Mitunter am schönsten sind die vielen Begegnungen am Festival: Mit den vielen Freiwilligen jeglichen Alters, den Anwohnenden und Gewerbetreibenden von Steibi und Kirchplatz, den Musikerinnen und allen Freunden. Ein Highlight ist stets der letzte Abend, wo einem eine grosse Last von den Schultern fällt – dazu die strahlenden Gesichter der Besucherinnen und Besucher und noch das offizielle Cüpli mit dem Organisationskomitee. Da sind die Tränen jeweils nicht fern…
 
Verraten Sie uns noch Ihren musikalischen Geheimtipp?

Schwierig, sich festzulegen! Im kostenlosen Programm ist dies mitunter der Soul-Gospel-Metal vom Basler Zeal & Ardor, die Beats und Texte vom US-Hip-Hopper Oddisee und der träumerische Postrock der portugiesischen First Breath After Coma sowie wie jedes Jahr die Winti Night. Im kostenpflichtigen Programm werden bei mir die Konzerte von Kraftklub, Feist und Band of Horses für Hühnerhaut sorgen. 
 

Fehler gefunden?