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Kolumne von Beni Frenkel: Die Gipfelistadt

Der Zürcher Journalist und Autor Beni Frenkel schreibt regelmässig über seine Erlebnisse in Uster.

An jeder Ecke in Uster gibt's Kaffee und Gipfeli. (Archivbild: Nicolas Zonvi)

Kolumne von Beni Frenkel: Die Gipfelistadt

So stelle ich mir den normalen Ustermer vor: Um vier Uhr morgens schellt der Wecker. Er rüttelt heftig seine Bettgefährtin wach. Müde schlurfen beide in die Küche und trinken einen Kaffee. Dann gehen sie wieder ins Bett und schlafen noch zwei Stunden. Nach einer kurzen Katzenwäsche sitzt die Familie Uster wieder am Küchentisch. Jetzt ist es etwa halb sieben. Die Eltern trinken Filterkaffee, die Kinder dürfen eine Kaffeekapsel auswählen. Auf dem Tisch steht: Ein grosser Korb gefüllt mit warmen Gipfeli. Um acht Uhr sind alle schon unterwegs. Der Vater auf dem Weg zur Arbeit, die Kinder rennen in die Schule, die Mutter geht zum Beck. Alle halten einen Coffee-to-go-Becher in den Händen. Der Papi hat noch zwei Gipfeli eingepackt.

Das Bild ist natürlich real. Anders kann ich mir die Ustermer gar nicht vorstellen. So viele Kaffee- und Gipfeli-Stationen befinden sich am Bahnhof! Das beginnt schon im Coop. 30 Schritte entfernt gibts eine «Kleiner»-Filiale. Für den Kaffee bezahlt man 4 Franken. Wer Fr. 6.80 ausgibt, darf zusätzlich ein Kuchen- oder Tortenstück auswählen. Wer dann noch hungrig ist, muss nur noch zwölf Schritte bis zum Kiosk laufen. Der verkauft Buttergipfeli für Fr. 1.20.
120 Schritte weiter gehts zur «Cafe Bar Lounge Perimento». Wir bleiben immer noch auf der Bankstrasse, aber wechseln das Trottoir. Der Brezelkönig verkauft den Milchkaffee für 3 Franken und eine kleine Brezel für 2 Franken.

Theoretisch würde dieses Kaffee- und Gipfeli-Angebot für eine Stadt mit 34’000 Einwohnern ausreichen. Aber wir reden hier ja von Uster, der Gipfelistadt. Fünf Schritte neben dem Brezelkönig steht wieder ein Kiosk. Hier kostet der Milchkaffee Fr. 3.40 oder Fr. 3.90. Je nach Grösse. Wir wechseln die Strassenseite und essen im «Peking Garden» eine gegrillte Ente (Fr. 19.50). Aber Sie wissen das ja: Ente macht hungrig nach Gipfeli! 30 Schritte weiter hat es zum Glück einen McCafé! Die Schale kostet Fr. 4.10, das Gipfeli Fr. 1.20.
Neben dem Bahnhofkiosk steht ein Avec-Geschäft. Überall kostet der Kaffee unterschiedlich viel. Hier im Avec bezahlt man für den Milchkaffee Fr. 4.40 oder Fr. 4.90, je nach Grösse. Die Gipfeli sind an diesem Morgen bereits ausverkauft. Es gibt aber noch Weggli für 95 Rappen.

Wer mag noch? 160 Schritte weiter ist der «Steiner»! Die Bäckerei ist immer voll. Wahrscheinlich eine Folge der Barriere, die in Uster alle fünf Minuten runterfährt. Fünf Minuten ohne Kaffee, ohne Gipfeli? Ausserhalb Usters ein mögliches Szenarium. Aber sicher nicht hier.
Von weitem erkenne ich ein riesengrosses Gipfeli-Bild. Mein Puls schlägt höher. Die 200 Schritte sind schnell geschafft. Ich stehe vor «Albert’s Backstube». Ich bete still neben dem gigantischen Gipfeli an der Hausfront. Das ist Mekka!

Gewiss habe ich viele Restaurants und Bäckereien nicht erwähnt. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Der Grund ist meine Diabetes. Die Gipfeli haben meinen Blutzuckerwert in die Höhe schnellen lassen. Ich darf nicht noch mehr Backwaren essen. Kannst du das verstehen, Uster? Bitte! (bef)

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