Kommission sagt: Es gab kein Mobbing
Im März reichte der Mönchaltorfer Jürg Simeon eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Römisch-katholische Kirchgemeinde Egg ein. Diese beinhaltet die Anträge, sowohl Fulvio Gamba als Pfarrer als auch Louis Landolt als Kirchenpflegepräsidenten aus ihrem Amt zu entheben.
Nun hat die Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Zürich ihre Untersuchungen abgeschlossen, und zwar zu Gunsten der Kirchgemeinde. So lässt es zumindest die Katholische Kirche des Kantons Zürich und die Kirchgemeinde Egg auf ihren Websites verlauten. Sowohl Beschwerdeführer Jürg Simeon als auch sein Anwalt wurden bis Redaktionsschluss von der Rekurskommission nicht persönlich über den Bericht informiert.
Keine Informationen
Dies ist laut Ueli Vogel-Etienne, Anwalt von Jürg Simeon, zwar rechtlich korrekt, aber trotzdem «kaum zu glauben». Da Simeon nicht der Behörde oder dem Angestelltenkreis der Kirchgemeinde angehört, hat er nur eingeschränkte Verfahrensrechte, heisst es in einem Schreiben der Rekurskommission an Vogel-Etienne. Dieses wurde im März verschickt und beinhaltet unter anderem den Satz: «Betreffend den Schlussbericht werden wir Sie nach seinem Abschluss in geeigneter Art und Weise in Kenntnis setzen.»
Für ihn bedeute «geeignete Weise», dass alle Involvierten gleichzeitig informiert würden. Dass dies nicht geschehen ist, konsterniert die Beschwerdeführer. «Da wir den Bericht noch nicht genau kennen, können wir uns auch nicht zu dessen Inhalt äussern», sagt Simeon. Er sei jedoch grundsätzlich schockiert über den Entscheid der Rekurskommission, die Hierarchie werde auf Kosten des Fussvolkes geschützt.
Kritik ernst nehmen
Auch dem ZO/AvU liegen einzig die Auszüge des Berichtes vor, welche die Katholische Kirche online aufgeschaltet hat und als «im Wortlaut dokumentiert» bezeichnet. In ihrem Bericht entkräftet die Rekurskommission gemäss den Auszügen sämtliche Vorwürfe von Mobbing und verletzter Fürsorgepflicht.
Die befragten aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden hätten gegenüber der Untersuchungsleitung sehr offen und auch teilweise mit Nachdruck Kritik geäussert. Diese sei ernst zu nehmen. «Es haben sich jedoch auch auf ausdrückliches und wiederholtes Nachfragen hin keine Hinweise dafür ergeben, dass Mitarbeitende durch den Pfarrer oder die Kirchenpflege in aufsichtsrechtlich relevanter Weise systematisch schikaniert, ausgegrenzt, gedemütigt, beleidigt, bedroht oder verleumdet würden.»
Kein Einschreiten erforderlich
Bei den festgestellten Konflikten handle es sich um unterschiedliche Ansichten betreffend Kompetenzverteilung und Umgangston, welche durch den Pfarrer und die Kirchenpflege zu analysieren sind.» Diese Konflikte würden aber in keiner Weise ein Mass oder eine Qualität erreichen, welche ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde fordere.
Es sei zu prüfen, welche Massnahmen ergriffen werden sollen, um solche Probleme künftig zu verringern. «Dies ist jedoch Sache der Kirchenpflege, des Pfarrers und allenfalls dessen innerkirchliche, vorgesetzte Stellen», heisst es weiter.
Gültige Wahl
Bezüglich der Führung und Organisation von Kirchgemeinde und Pfarreiarbeit im Allgemeinen habe sich ergeben, dass Kirchenpflege und Pfarrer «effizient zusammenarbeiten und gute Leistungen erbringen». «Abschliessend ist festzuhalten, dass der Pfarrer im November 2016 in gültiger Wahl rechtskräftig gewählt wurde, wobei zu diesem Zeitpunkt die Person des Pfarrers sowie seitens einiger Personen gegen ihn bestehende Vorbehalte bekannt waren», schreibt die Rekurskommission.
Würden keine wesentlichen Rechtsverletzungen zutage treten, sei es nicht Sache der Aufsichtsbehörde, eine gültige, demokratische Wahl nachträglich aufzuheben, weil einige Kirchgemeindemitglieder mit dem Wahlergebnis nicht einverstanden seien.
«Eine belastende Zeit»
«Mit Genugtuung nehmen Pfarrer und Kirchgemeindepräsident zur Kenntnis, dass die medial wiederholt verbreiteten Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehren», heisst es im Communiqué der Kirchgemeinde Egg, verfasst von Kirchenpflegepräsident Louis Landolt und Pfarrer Fulvio Gamba. Sie würden die Beurteilung der untersuchten Konflikte sowie die Empfehlungen zu deren Lösung gerne entgegen nehmen.
«Für alle direkt Betroffenen war vor allem die mediale Instrumentalisierung des Konflikts eine belastende Zeit», heisst es in der Mitteilung weiter. Es war und sei für die Kirchgemeinde und den Pfarrer oberstes Anliegen gewesen, die Persönlichkeitsrechte Betroffener zu wahren. «Aufgrund des Daten- und Persönlichkeitsschutzes konnten die Vorwürfe nicht öffentlich entkräftet werden.»
