Notärztin rät: «Viel trinken, aber nicht Alkohol»
Im «Rock-Ring» in Hinwil sind Temperaturen bis zu 33 Grad vorausgesagt. Was bedeutet das für die Besucher?
Dr. Chantal Breitenstein: Viel trinken! Trinken heisst nicht Alkohol und nicht unbedingt nur koffeinhaltige Dinge wie Energydrinks. Und am besten trägt man leichte Kleidung und eben auch eine Kopfbedeckung und vergisst den Sonnenschutz, also Sonnencreme, nicht.
Wird denn generell zu wenig getrunken an Openairs?
Bei 33 Grad ist es schwierig, genug zu trinken. Und oft wird halt zu viel Alkohol konsumiert.
Bleiben wir noch schnell bei den Kleidern: Gibt es auch Empfehlungen fürs konzertgeeignete Schuhwerk?
Geschlossene, bequeme Schuhe, die möglichst keine Blattern machen – zum Beispiel, weil man die Schuhe zuvor noch nie getragen hat –, und die gute Sohlen haben. Dies vor allem wegen den Scherben oder anderen Sachen, die auf dem Boden herumliegen und Verletzungen verursachen können. Schuhe sind wichtiger, als man meint! Nicht zuletzt, weil man ja lange steht an einem Openair.
Und ein Gehörschutz: auch empfehlenswert?
Unbedingt! Man ist lange lauter Musik ausgesetzt – und merkt dann oft erst zu spät, dass das Gehör schon geschädigt worden ist.
Soll man sich in der Hitze eigentlich eher ab und zu bewegen oder besser immer am selben Ort bleiben?
Man soll sicher nicht einfach in der prallen Sonne stehen. Ein bisschen herumschlendern ist sinnvoll. Und wie schon gesagt: natürlich immer mit Sonnenhut!
Wie merkt man, dass man im gefährlichen Mass zu viel Hitze «erwischt» hat?
Es wird einem schwindlig, man ist erschöpft, hat eventuell Kopfweh, und es kann zu Bewusstseinsstörungen kommen.
Und dann: was tun?
Nach Möglichkeit in den Schatten gehen; versuchen, sich abzukühlen. Man darf sich in diesem Fall selbstverständlich bei der Sanität melden. Man sollte aber eigentlich möglichst versuchen, einen Hitzenotfall zu verhindern, indem man sich eben nicht zwei, drei Stunden lang der vollen Strahlung der Sonne aussetzt.
Wenn ich ein medizinisches Problem habe, vielleicht auch nur ein kleines, darf ich direkt einen der Sanitäter ansprechen oder zum grossen Sanitätszelt bei der Bühne gehen?
Ja, für das sind wir da!
Sie waren schon drei Mal als Notärztin am Rock the Ring im Einsatz und sind es auch am Freitagabend wieder. Mit was für Fällen haben Sie da so zu tun?
Mit sehr vielen Bagatellen wie Schmerzen wegen eines «übertrampten» Fusses, Rissquetschwunden, Insektenstichen oder Kopfweh. Es gab aber auch schon einen Herznotfall oder Männer mit Wunden aus einer Schlägerei, die dann im Spital behandelt werden mussten. Ebenfalls hospitalisiert werden mussten schon Besucher mit einer Alkoholvergiftung.
Unterscheiden sich die medizinischen Probleme am Hinwiler Festival von anderen Grossanlässen?
Ja und Nein. An Sportanlässen beispielsweise geht es für den Rettungsdienst mehr um erschöpfte Menschen, und an Musikanlässen eher um Alkohol und Schlägereien.
