Politik

Preis und 15'000 Franken für Apfel-Experten

Für seinen Einsatz als Pomologe wurde der Effretiker Klaus Gersbach gestern mit dem Dr. Rudolf Maag-Preis geehrt. Mit den 15’000 Franken, die ihm der Preis einbringt, will er ein Wildapfelprojekt durchführen.

Preis und 15'000 Franken für Apfel-Experten

Klaus Gersbach hat sich dem Obst verschrieben. Er war Obstbaulehrer und Leiter der Fachstelle Obst am Strickhof in Lindau, hat die Eigenschaften alter Obstsorten erforscht und sich als langjähriger Präsident der Vereinigung Fructus für die Erhaltung alter Obstsorten eingesetzt. Für sein Engagement wurde der Effretiker nun ausgezeichnet: Am Mittwochmittag wurde ihm in Regensberg der Dr. Rudolf Maag-Preis 2017 der Zürcher Stiftung Lotte und Willi Günthart-Maag überreicht.

Es handelt sich um eine Auszeichnung für Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland, die sich in besonderer Weise um die Pflege und Förderung von Pflanzen einsetzen. Gersbach erhält für sein Engagement 15’000 Franken.

Schon früh ein Apfel-Fan

«Es ist eine grosse Ehre, dass ich für den Preis nominiert wurde», sagt der Pomologie-Experte. Er habe im Januar von der Nominierung erfahren und sich seitdem ausführlich auf die Preisübergabe vorbereitet. In einer 44-seitigen Broschüre, die er eigens für diesen Anlass erarbeitete, gibt Gersbach einen Einblick in sein Leben und seine Arbeit rund um den Obstbau und die Erforschung von Obstsorten.

«Dieser Rückblick ist für mich mit vielen Emotionen verbunden», sagt Gersbach. So fand er zum Beispiel ein Foto, auf dem er bereits als Zweijähriger seiner Mutter auf dem Hof beim Apfelauflesen hilft. Oder Bilder, die ihn als Jugendlichen zeigen, wie er mit seinem Vater Bäume schneidet. «Ich denke gerne an diese Zeit zurück», sagt Gersbach. An eine Zeit, in der man auf den Kirschbäumen bei der Ernte noch gesungen habe.

Bis zu 5000 Jahre alte Äpfel

Inzwischen ist Klaus Gersbach pensioniert. Aber in der Forschung und bei Fructus ist er immer noch aktiv. In diesem Sinn will der Preisträger auch sein Preisgeld einsetzen. «Ich werde damit ein Wildapfelprojekt durchführen», sagt Gersbach. Dieses hatte er schon einmal ins Auge gefasst, damals aber kein Geld vom Bund erhalten.

Nun ist Gersbach froh um seine zweite Chance. Beim Projekt geht es darum, die robusten alten Baumsorten weiter zu vermehren. Dazu werden ihre Erbanlagen ermittelt und möglichst gesunde neue Bäume gezüchtet. Gersbach spricht von Baumsorten wie dem sogenannten Pfahlbauer-Apfel, der seit 5000 Jahren existiere.

Viele Namen für eine einzige Sorte

Wo er alte Bäume für seine Projekte findet, weiss Gersbach dank einer Inventarisierung, die Fructus im Jahr 2000 begonnen und während fünf Jahren erarbeitet hat. Dabei seien über 2000 unterschiedliche Sortennamen gemeldet worden. «Allerdings tragen einzelne Sorten bis zu 15 verschiedene Namen», sagt Gersbach.

Insgesamt verzeichnet Fructus 1300 Apfelsorten. Diese befänden sich zum Teil in nationalen Sammlungen des Bundesamts für Landwirtschaft, viele auch im Privatbesitz. «Jeder kann alte Sorten sammeln», sagt der Pomologe. In seinem eigenen Garten pflegte er früher 30 alte Baumsorten. Inzwischen habe er Haus und Garten an seinen Sohn übergeben, sagt Gersbach. «Die Bäume schneide ich aber nach wie vor selber.»

Sieben Birnen im Mund

Ein Baum, der in diesem Garten steht, ist der Birnenbaum «Sept en gueule». Auf Französisch bedeutet dies «Sieben im Maul». Der Name komme daher, dass die Frucht relativ klein sei, sagt Gersbach. Diese Birnenart sei etwa so gross wie eine Kirsche. «Sie schmeckt besonders gut. Und weil sie so klein ist, will man immer gleich mehrere essen.» Von allen Obstsorten, die er kennt, gefalle ihm diese geschmacklich am besten.

Klaus Gersbach ist nicht der einzige Zürcher Oberländer, der in seinem Garten alte Bäume beherbergt. «In Gutenswil und Illnau stehen zwei sehr alte Quittenbäume», sagt er. Zwei Jahre lang wird er noch damit beschäftigt sein, für Fructus alte Quittenbäume zu inventarisieren. «Diese Aufgabe habe ich noch übernommen, weil ich mich besonders für die Quitten interessiere». Danach sei es für ihn aber an der Zeit, etwas kürzer zu treten und wirklich in Pension zu gehen.

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