Die Müdigkeit ist dem Geschäftsführer ins Gesicht geschrieben. Christoph Muster vom IT-Handelsunternehmen Esons in Wetzikon durchlebt gerade die anstrengendste, aber auch aufregendste Zeit seines bisherigen Geschäftslebens. Als einer der ersten Händler importierte er Anfang März die momentan stark gehypten Fidget Spinners in die Schweiz. «Meine Mitarbeiter und ich arbeiten bis 5 Uhr morgens, um mit den Bestellungen hinterherzukommen.» Jetzt erlauben sie sich eine kurze Auszeit in ihrem Ladengeschäft in Oberwetzikon.
Bis vor kurzem haben sie hier zu zweit versucht, den Online-Versand und Thekenverkauf der Fingerkreisel zu bewältigen. Das ist inzwischen nicht mehr möglich. Nicht nur, dass man ihnen den kleinen Laden förmlich eingerannt hat. Auch die Lagerkapazitäten reichten nicht mehr aus. Seit dem 31. Mai verkauft und vertreibt Esons die Spielzeuge im Zürcher Einkaufszentrum Puls 5. «Dort haben wir etwa 10’000 Modelle auf Lager», sagt Muster. 95 Prozent der Fidget Spinners werden online bestellt. «Aber wenn wir am Morgen das Geschäft in Zürich öffnen, warten schon die ersten Kunden.»
Team musste aufgestockt werden
Der Geschäftsführer musste auch neue Mitarbeiter anstellen, um eine rasche Bearbeitung der Bestellungen zu gewährleisten. «Ansonsten hätten wir zu viele Reklamationen bekommen», sagt er. Zwischendurch seien sie sogar zu zehnt gewesen, heute immerhin noch zu fünft. Man merkt: Muster kann selber kaum fassen, auf was für einer Welle er und sein Team gerade surfen. «Wir sind mitten im Flow», sagt er lachend.
Noch vor wenigen Monaten hätte er nicht geglaubt, dass es einen solchen Run auf die vergleichsweise simplen Gadgets geben würde. Im Januar hatte ihn ein Mitarbeiter der Esons-Niederlassung in Hong Kong auf die Fidget Spinners aufmerksam gemacht, die dort produziert wurden. An einen Trend war damals nicht zu denken. Deswegen beeilte sich Muster zunächst nicht, die Spielzeuge ins Sortiment aufzunehmen. Erst im März entschied er sich für eine grössere Bestellung. «Wir wollten einen Versuchsballon starten, um den Schweizer Markt zu testen.»

